AHOI 2013 No. 11

Die Reise gestern von Alderney nach Guernsey versprach zunächst erst mal geruhsam zu werden, es war nämlich kein Wind, aber Sonne. Also Motoren mit mäßigem Schiebestrom, also nur 3-4 Knoten statt 9 in der Spitze. Unterwegs hatte Peter sich im Reeds Almanach -die englische Hafenführerbibel- einen Ankerplatz vor der Nachbarinsel Herm ausgeguckt, sah nach Karte ganz nett aus. Aber als wir ankamen, gab es dort erstens Strömung mit 4 kn Geschwindigkeit, zweitens jede Menge spitzige Felsen und drittens, wie wir wussten, 12 Meter Tidenhub! Das ganze auf die gefühlte Fläche einer Vierzimmerwohnung verteilt. Wir haben uns nur angeschaut und dann war klar, nix wie raus hier.  Mit Hilfe des Kartenplotters und der iPad-Seekarte fanden wir zum Glück auch den Zick-Zack-Kurs zur Ausgangstür. Damit hatten wir den Puls mal kurzweilig auf Betriebstemperatur gebracht und das reichte aus. Eine knappe Stunde später waren wir im sicheren Hafen von St. Peter Port auf Guernsey. Wir hätten aber auch keine 10 Minuten länger trödeln dürfen, denn kaum hatten wir Florentine am Waitingpontoon sicher vertäut, zog innerhalb weniger Minuten Seenebel auf. Die Suppe war so dicht, dass wir von unserem Liegeplatz die Hafeneinfahrt nicht mehr sehen konnten. Begleitet wurde die gespenstische Szenerie von einem Konzert der Nebelhörner. Die Nebelhörner erleichtern zwar nicht die Orientierung auf See, aber es vertreibt offensichtlich die Angst, wenn man ordentlich Lärm macht – meint Peter…

In Guernsey selber hat der Hafen eine Schwelle, damit er bei Ebbe nicht leerläuft. Da kann man dann logischerweise auch nur zwei Stunden vor oder nach Hochwasser drüber. Vorher drängeln sich ungefähr fünfzig Boote an schwimmenden Waitingpontoons, und dazwischen flitzen drei Harbourmaster in kleinen Motorbooten rum und delegieren. Wenn man dann endlich nach drei Stunden Warten in den Hafen darf, geht alles ganz gesittet, jeder wird vom Harbourmaster einzeln zu seinem Liegeplatz geleitet. Ist auch gut so, denn hier ist es eng! Da gibt es Hafenkino zu sehen, aber alle helfen einander und man lernt sich schon mal gleich kennen.
Guernsey als Insel ist wunderschön, quirliger und französischer als Alderney und auch betuchter. Man merkt, dass hier ein Steuerparadies ist. Die Hauptstadt St. Peter Port ist eng an die Felsen geklebt, die Straßen sind wie die Marina – eng, überall grünt und blüht es, vom Schiff aus guckt man auf Palmen an der Hafenpier. Alle Häuser sind mit Blumenkästen geschmückt, in jedem Garten sind riesige Hortensienbüsche und Rosensträucher zu sehen und nirgendwo Müll oder Industrie oder Baustellen. Wir haben mal wieder die Insel per Linienbus erkundet.
Jetzt blinzeln wir in die Abendsonne und planen den morgigen Törn nach Jersey. Hilfe hatten wir von einem britischen Bootsnachbarn, der uns ganz genau die hier herrschenden Strömungen und nebenbei auch noch die Etikette der Royal Yachtclubs erklärte. Er gehört nämlich einem solchen an, und hat damit das Privileg, einen blauen Putzlappen mit Union Jack in der Ecke zu fahren. Das normale Seefahrervolk muss sich mit einem roten Putzlappen als Nationalflagge begnügen. Die Royals selbst fahren übrigens mit einem weißen Lappen. Soviel zu den Flaggengebräuchen einer der ältesten Demokratie in der Welt. Doch wie heißt es doch so schön in dem wunderbaren Buch „Animal Farm“: Manche Schweine sind halt gleicher.
Liebe Grüße
Eure Florentiner
Ärmelkanal 120
Ärmelkanal 123
Ärmelkanal 135
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