Schäkelbruch und Headbanging

Zu unchristlicher Zeit um sieben Uhr morgens, fast wie der arbeitende Teil der Bevölkerung, haben wir die Leinen in Scheveningen gelöst und sind in einen wunderschönen, aber kalten Morgen gestartet. Das schönste war, dass die Windvorhersage erst mal nicht stimmte, wir konnten nämlich Segeln. Kurs Südwest, an der Maasmündung vorbei, wo die großen Pötte nach Rotterdam rein- und rausfahren. Da herrscht ein Betrieb, da ist der Verkehr im Ärmel-Kanal nix dagegen. Man muss sich über  Funk anmelden und genau aufpassen, dass man zwischen den großen Ozeanriesen durchpasst. Und  mitten  auf dieser „Autobahn“  passierte es: es gab einen Knall und der Turbo, unser großes Leichtwindsegel, verabschiedete sich. Schäkel am Segelkopf gebrochen. Mitten zwischen zwei großen Frachtern.  Wir haben den Turbo schnell geborgen, nach unten in die Kabine gestopft, den Motor wieder eingekuppelt ( nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir auch noch eine Leine in die Schraube bekommen hätten) und dann erst mal durchgeatmet.

Der Übeläter, oder besser: der Rest davon

Der Übeläter, oder besser: der Rest davon

Dann eben ohne Vorsegel und mit Motorkraft weiter. Der Wind war solidarisch und schlief ein. Wir auch, aber abwechselnd, ein Mittagsschläfchen musste nach diesem Schreck drin sein.

Um kurz vor sechs bogen wir in Vlissingen um die Hafenmole, schlängelten uns in den alten Hafen und stellten fest, dass das, was wir für  niederfrequentes Motorwummern gehalten hatten, von zwei Bühnen stammte. Rave- Festival in Vlissingen. Unser Liegeplatz im alten Hafen genau in der Mitte zwischen den Bühnen, damit wir auch ja alles mitkriegen.  Kommunikation vom Vorschiff nach achtern ist nur per Handzeichen möglich, aber Peter übt Headbanging…..

Hoffentlich dauert der Spaß nicht mehrere Tage, sonst hauen wir morgen hier wieder ab – egal, wie die Wettervorhersage aussieht. Und die sieht gar nicht gut aus …

Statistik:

Logge seit Heeg: 147 sm

Etmal: Amsterdam – Vlissingen 58 sm

Hafengeld Vlissingen 21,90 €, + Strom (2,50 €) + Duschen + Toeristenbelasting (2,- €/Person und Tag)

Idylle pur bei der Ansteuerung von Vlissingen...

Idylle pur bei der Ansteuerung von Vlissingen…

Vlissingen 05052014 6

…doch im Hafen geht die Post ab. Rave auf zwei Bühnen, und wir mitten dazwischen.

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5 Antworten zu “Schäkelbruch und Headbanging

  1. Ja ja der Schäkel bricht wenn er brechen will…. Besser hier als mitten auf’m Teich wo ein Yachtservice in weiter Ferne ist.
    Wir sind auch im Alltag angekommen, gestern war unser erster Arbeitstag nach unserer Paddeltour auf der Ardeche. Urlaub fühlt sich irgendwie besser an. Das Gefühl werdet ihr ja in den nächsten Jahren ja haben, ihr bzw. das Schiff gibt euch eure Arbeitstage vor, wie jetzt der Ermüdungsbruch des Schäkels.

    Mast und Schäkelbruch
    Die Hammer

    • Lieber Jochen, bei einem Schäkelbruch mitten auf dem Teich, wären wir entspannter gewesen. Wir fahren eine ganze Sammlung von diesen Dingern (und vieles mehr!) auf Florentine spazieren. Aber den Kapitänen der Frachter war nur schwer zu vermitteln, dass wir mitten in der Ansteuerung Rotterdam mal eben beidrehen und reparieren wollen. Echt, wir hatten Schiss und wollten nur weg ins offene Wasser. Doch jetzt ist schon alles wieder repariert und wir sind gespannt, was als nächstes kaputt geht.
      Liebe Grüße
      Die Florentiner

      • Hallo ihr Zwei,
        schön, dass nicht mehr passiert ist beim Schäkelbruch. Ich hatte das Vergnügen, in den Masttop zu klettern, weil das Fall oben geblieben war. Mittlerweile habe ich alle Messingschäkel durch größere aus Edelstahl ersetzt.
        Falls ihr Vlissingen verlasst: Grüßt mir die Vrijen Nordzeezeilers in Blankenberge (gerade um die Ecke). Die haben eine kostenlose Möglichkeit zum Trockenfallen (falls nötig) und eine eigene Kneipe gegenüber vom Hafen. Liegeplätze sind an den Stegen der BB-Seite des Hafens (beim Rettungsboot). Achtung: In der Einfahrt könnte weniger Wasser stehen, als in der Karte verzeichnet (starker Schlickeintrag). Die Hochhäuser sind zwar schrecklich, aber die Altstadt entschädigt und ein Tag mit der Küstenstraßenbahn bei Schlechtwetter ist lohnenswert.
        Handbreit: Holger (SY Boreas)

  2. Liebe Katrin, lieber Peter,
    ich freue mich, dass ich nicht der einzige höherbetagte (auch Bauj.1958) bin, der noch richtige Flausen im Kopf hat. Als Eigner unserer Snugata, einer Najad 343, freue ich mich um so mehr, dass es mal wieder jemand mit einem solchen Schiff in Angriff nehmen will, die Welt zu umrunden. Mein Ziel ist dies (noch) nicht, mir genügt erstmal die Ostsee… aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ich finde es toll, dass ihr einen Blog schreibt und werde ihn verfolgen.
    Ich wünsche euch alles Gute für die Reise und bewundere eueren Mut
    Bis bald
    Jens

  3. Hallo Katrin und Peter,
    wir Anthrin und Andreas haben durch Zufall euren Beitrag in der WAZ gelesen und werden mit Begeisterung eure Reise verfolgen. Wir spielen auch mit dem Gedanken mit unserer Breehorn in den nächsten Jahren in See zu stechen.
    Wir wünschen euch eine gute Reise, viel Spass und bewundern auch eueren Mut.
    Andreas u. Anthrin

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