Eine belgische Nacht

Vlissingen 022

Achte Tage schauten wir beim Blick aus dem Cockpit auf diese beiden kämpfenden Piraten – Blickfänger am Gebäude des Seeaqariums und Erlebniszentrum Het Arsenal in Vlissingen.

Irgendwann ist auch mal genug. Acht Hafentage am Stück bei Schietwetter sind ebenfalls genug, Pardon Vlissingen! Auch in einem so schönen Hafen mitten im Zentrum mit viel Abwechslung.

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Der Michiel De Ruyterhaven im Zentrum von Vlissingen

Immer wieder haben wir den Kopf über die Mole gereckt. Na, wie sieht‘s draußen aus? Wetterbesserung? Können wir bald los? Sturmpustekuchen! Der Report auf Windfinder, einem unserer Wetterprogramme, zeigt für Blankenberge, unserem nächsten Etappenziel, 49 Knoten Wind an. Das ist Windstärke 10 – schwerer Sturm. Plötzlich finden wir es im Hafen von Vlissingen doch wieder ganz kuschelig: nur 35 Knoten Wind. Bloß Windstärke 8 – stürmischer Wind.

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Was macht man an solchen Tagen? Ja, zunächst wird erst mal am Schiff geschraubt. Da ist immer was zu tun. Shoppen nicht zu vergessen. Und wenn’s regnet geht’s halt ins Museum, wie alle anderen Touristen, die wir im gut besuchten, kleinen, aber feinen Maritiem Muzeum getroffen haben. Dort haben wir eine Menge über die Region Zeeland und das Lotsenwesen gelernt. Besonders interessant: Bis 1949 haben die niederländischen und die belgischen Lotsen auf der Scheldemündung vor Vlissingen untereinander Wettrennen ausgetragen, wer das nächste einlaufende Schiff gegen cash nach Antwerpen bringen darf. Das schnellste Lotsenboot, das zuerst am Dampfer eintraf, kriegte nämlich den Zuschlag. Der Verlierer ging leer aus.

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Lotse bei der Ansteuerung des Vlissinger Hafens. Nein, das ist kein Wettrennen!

Am Dienstag konnten wir endlich unsere Reise fortsetzen. „Tot Ziens, Nederland!“ Auf Wiedersehen in ein paar Jahren. Für die Reise ins belgische Blankenberge konnten wir sogar mal wieder die Segel lüften. Statt des angekündigten lauen Lüftchens erlebte Florentine einen handigen Segelwind und bockte freudig auf. Wir banden ihr das erstes Reff ein, und erlebten fortan Segeln vom Feinsten.

Pünktlich um 18 Uhr, nach lockeren 22,1 Seemeilen, erreichten wir Blankenberge. Die belgische Küste haben wir ja bereits im vergangenen Jahr bereist. Sie hat sich nicht verändert, darum hier der Link zu unserem alten Bericht:

https://syflorentine.wordpress.com/2013/07/04/ahoi-2013-die-zweite/

… und darum haben wir auch bereits am nächsten Morgen um 6 Uhr wieder abgelegt. Fast immer, wenn wir wegen der Gezeiten zu besonders früher Stunde aufbrechen, werden wir für die kurze Nacht mit einer zauberhaften Morgenstimmung entschädigt.

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Belgischen Boden haben wir sozusagen gar nicht betreten. Auch heute durften wir nach mehreren Stunden hoch am Diesel zum Schluss noch zwei Stunden hoch am Wind segeln, gerade da, als es in die Navigation zwischen den Sandbänken hineinging. Florentine hat nicht gebockt, Kathrin schon…

Olala, und jetzt sind wir schon in Frankreich, in Dunkerque (Dünkirchen). Dünkirchen? Da war doch was. Freund Bernd, der unsere Reise wie viele andere auf marinetraffoic.com (Button AIS Position auf unserer Blogseite) verfolgt, begrüßt uns wenige Minuten nach unserer Ankunft mit einer E-Mail: „Dunkerque, huh, da war der Hitler doch ganz böse. Tragt einen Button mit ‚Ich wars nicht, und mein Papa war bei den Sanitätern‘, wenn ihr Bummeln geht. Aber am besten auf französisch.“ In der Tat sind die Wunden und Erinnerungen an den 2. Weltkrieg am Strand und in der Stadt nicht zu übersehen. Dieser unselige Teil der deutschen Geschichte ist hier bis heute unvergessen.

Bis jetzt haben sich die Franzosen jedoch sehr freundlich uns gegenüber gezeigt, und wir freuen uns morgen früh auf ein frisches Baguette und auf die anderen Köstlichkeiten, die es nur in französischen Boulangerien gibt.

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Eine Antwort zu “Eine belgische Nacht

  1. Hallo, Sie beide, es ist schön von Ihnen zu hören. Ich verfolge Ihren Turn mit Aufmerksamkeit. In Vlissingen bin ich in meinen frühen Segeltagen auch schon mal vor Anker gegangen – zwangsweise. Wir, ein paar segelunerfahrene Freunde und ich als A-Schein-Inhaber, hatten ein neues Schiff, eine „Delanta“ aus dem Sauerland. Und wollten natürlich gleich England anlanden. Mit lustigem Erfolg. Nach 4 Stunden war meine komplette Mannschaft seekrank. Dann überzog dichter Nebel den Kanal. Die Navigationsinstrumente von heute konnte ich mir damals nicht leisten. Man kroch also bei heftiger Gegenströmung mit ständiger Betätigung des Nebelhorns von Tonne zu Tonne. Und kam doch nicht so richtig vom Fleck. Dann traf ich irgendwann um Mitternacht herum eine Fahrwassertonne. Die Mannschaft lag nach kräftigem Göbeln regungslos unter Deck. Ich entschied nach 23 Stunden alleine an der Pinne, nach Belgien abzudrehen. Und da stellten wir dann fest, dass die Kollision mit der Tonne etwa 10 cm über der Wasserlinie ein etwa 2-Euro-großes Loch gerissen hatte. Alle Schotkästen auf der Luw-Seite waren vollgelaufen. Wäsche nass, alles nass, Kameras kaputt. Es hat sich gelohnt. Was noch schlimmer war: Wir fanden, weil Freitagabend, niemanden, der uns das Loch flickte. Zwangsaufenthalt also in Belgien. Was ich faszinierend fand: der ungeheure Tidenhub, der sich damals bei unserem Aufenthalt zwischen 0 und 12 m bewegte. Man ging ein Bier trinken und sah anschließend sein Schiff nicht mehr.

    Viel Glück.

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