Wenn schon doof dann richtig!

Schon wieder früh aufstehen, es wird langsam zur Gewohnheit. Aber die Gezeiten richten sich nun mal nicht nach unseren Schlafgewohnheiten. Am Sonntag war leider gar kein Wind, so dass wir die 42 Meilen entlang der steil aufragenden Kalk-Klippen bis Le Treport mit Nanni (Nachname: Diesel) juckeln mussten. Dort kann man nur innerhalb eines bestimmten Zeitfensters hinein, weil die Hafeneinfahrt bei Ebbe trocken fällt. Wir waren rechtzeitig da, und hoch über uns auf der Hafenmole hatten wir viele Sonntagsspaziergänger als Zuschauer beim Fender- und Leinen vorbereiten. Worauf Kathrin prompt ein Fender ins Wasser fiel. Somit konnten wir unser Segelschulwissen mal wieder praktisch anwenden und ein Mann- äh-Fender-über-Bord-Manöver fahren. Was uns bei geglückter Rettung Applaus und Standing Ovations von oben bescherte.

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Hafeneinfahrt und Promenade in Le Treport

 

In den Hafen kommt man durch eine Schleuse und liegt dann etwas außerhalb der Stadt, umgeben von Fischerbooten. Nein, als Yachthafen kann man Le Treport nicht bezeichnen. Hier ist nix chi-chi. An der Hafenmole gibt es Ramsch für kleines Geld, und das Essen wird auf die Hand serviert . Damit sich auch keine fremden Touristen in den Ort verlaufen, hat man die Waterkant von einem Architektur-Hasser zubauen lassen. Oder ist das sozialer Wohnungsbau mit Meerblick? Jetzt komme ich doch ins Grübeln…

Egal. Wieder einmal lohnt sich ein Spaziergang durch die Straßen in der 2. und der 3. Reihe. Und Boaaahh! Belle Epoque vom Feinsten. Natürlich nicht restauriert, sondern einfach so vor sich hin alt werdend lassen.

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Schöne Jugendstilfassaden in der Altstadt von Le Treport.

Die Steilklippe beginnt im Garten des letzten Hauses, und während man so mit sich hadert, ob ein Aufstieg wohl lohnt, steht man plötzlich vor einem supermodernen Schrägaufzug, der einem die Kraxelei erspart. Die Fahrt ist kostenlos, und jetzt wissen wir auch, warum wir einen Euro Kurtaxe pro Person bezahlt haben.

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Heute morgen mussten wir wieder früh raus, klappt inzwischen schon ohne Wecker, um die Hafenausfahrt noch mit ausreichend Wasserstand zu erwischen. Zum Glück lagen unsere dankbaren Zuschauer des Fender-Manövers noch in den Betten, denn ansonsten hätten sie erleben können, wie die Angeber-Crew vom Vorabend das Schleusenmanöver voll vergurkt . Okay, es war ein bisschen Strom in der Schleuse, aber das ist doch noch lange kein Grund, in der Schleuse quer einzuparken. Voll peinlich die Nummer. Ach so, den Bootshaken haben wir auch gleich ins Schleusenwasser geworfen. Wenn schon doof dann richtig! Die 15 Meilen bis Dieppe konnten wir dann aber schnell und unfallfrei abhaken. Segel haben wir nicht gezogen, denn wir waren noch etwas länger mit unserem Frühstückskaffee beschäftigt.

Der Hafen in Dieppe ist halbrund mitten in der Altstadt gelegen, gegenüber viele kleine (Touri-) Restaurants, eines heißt doch glatt La moule qui chante (die Muschel, die singt…)

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Der Yachthafen liegt im Zentrum von Dieppe.

Hier trafen wir ein saunettes holländisches Paar wieder, das wir schon in Boulogne kennengelernt hatten; Jos und Anne-Marie van Iisseldijk mit ihrer X-Yacht VIRTUE (www.virtue4.nl). Die beiden erfahrenen Segler scheinen schon im Rentenalter zu sein und haben uns viele, viele Tipps für die kommenden Häfen an der französischen Küste gegeben, die sie in den vergangenen Jahren bereits mehrfach ausgiebig bereist haben. Jetzt sind die beiden unterwegs zu den spanischen Rias.

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Kathrin mit Jos und Anne-Marie van Iisseldijk

Der Nachmittagsspaziergang führte uns durch die Altstadt von Dieppe, herrliche Bäckereien, Metzgereien und Gemüsegeschäfte und eine gotische Kathedrale, St. Jaques, die langsam vor sich hin bröckelt. Da wurde uns der Unterschied zu den skandinavischen Kirchen bewusst, die teuflisch viel Eintritt kosten, aber gut restauriert sind. St. Jaques war kostenlos, aber unter der Decke sind Netze gespannt, damit einem der Putz nicht auf den Kopf fällt.

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Die Hafenmeile von Dieppe

Nach gebratenem Spargel blinzeln wir jetzt über unser Weinglas hinweg in die Abendsonne und hoffen auf Segelwind für morgen.

Statistik:

Logge seit Heeg: 290 sm

Weg über Grund: 329,9 sm

Boulogne – Le Treport: 42 sm

Le Treport – Dieppe: 15 sm

Hafengeld Le Treport: 25,48 € + Taxe de séjour/Kurtaxe (1,- €/Person und Tag)

Hafengeld Dieppe: 19,36 € + Kurtaxe (0,40 € für 2 Personen)

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6 Antworten zu “Wenn schon doof dann richtig!

  1. Hallo Ihr Lieben,
    ist das nicht schön, andere Langfahrer zu treffen und sich auszutauschen? Ganz anders als bei den Daysailors im Heimatrevier. Viel Spaß weiterhin. Und keine Sorge, soooo viele Schleusen kommen nicht mehr 🙂
    LG, Olaf.

  2. Hallo, ihr Lieben,
    Geht doch nicht so hart mit euch ins Gericht. Kann doch angesichts des frühen Aufstehens und des abendlichen Weintrinkens jedem passieren. Mich freut jedenfalls sehr, dass es euch offenbar gut geht und ihr voran kommt.
    Ein Tipp: Die Fender könntet ihr doch vielleicht mit der Pfaff annähen – dann müsst ihr vielleicht ein paar Rettungsmanöver in Hafenbecken weniger fahren.
    Abends werde ich einen guten französischen Roten auf euch trinken!
    Bis bald und alles Liebe
    Malte

  3. Macht euch keine Sorgen, während der Atlantiküberquerung gibt es keine Schleusen. Und prominente Weltumsegler haben schon den Start mit echten Schäden vergeigt! Liebe Grüße!

  4. Immerhin habt Ihr das Boot in der Schleusenkammer nicht aufgehängt. Hatten wir auch schon, gell Peter. Schön, immer wieder von Euch zu lesen. Vielleicht schaff‘ ich es mal, Eure fortschreitende Manöver-Routine in einem Hafen live zu bewundern. Haltet die Ohren steif.

  5. Ah , jetzt klärt sich doch so einiges,
    z.B. warum die Gallier Angst hatten das einem der Himmel auf den Kopf fallen kann.. Die waren auch in Dieppe :-))
    Zählt ihr noch die möglichen durchzuführenden Schleusenmanöver ab und kauft euch entsprechende Mengen an Bootshaken auf Vorrat ?

    Viel Spaß weiterhin auf eurer Tour

    Euer Rhanjit Jochen ( mrgen gehts zurück nach Deutschland Juchhheee )

  6. Denke gerade so über euren Tagesablauf nach ( bin beim Wohnung putzen !! ) und was mich schon nerven würde, wäre dieses Berichte-schreiben, also danke dafür ( ich find´s nämlich interessant… )
    es grüßt Euch herzlich vom Rande des Putzeimers
    Eure Gabi

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