Hafentage sind Arbeitstage

Die Abreise aus Cherbourg versetzte uns erst mal einen Schrecken, Schlüssel zum Motor starten umgedreht und nur ein jämmerliches Jaulen. Starterbatterie leer. Wie konnte das sein nach 4 Tagen Landstrom? Der Käptn dachte kurz nach, aber nur kurz, denn die Zeit drängte, wir wollten ja die Strömung erwischen, die uns um das Cap de la Hague herumtragen sollte, änderte die Reihenfolge der Batterien am Ladegerät, Landstrom nochmal angeschlossen und – Bingo – die Nanni schnurrte. Sie schnurrte bis zum Bojenmanöver in Alderney, es war nämlich wieder mal kein Wind.

Unterwegs konnten wir zum ersten Mal unser Radargerät ausprobieren, denn am Cap de la Hague gabs auf einmal dicken Seenebel. Hat prima funktioniert.

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Spaziergang durch die Victoriastreet

In Alderney gibt es zwar einen Hafen, aber keine Stege, sondern nur Bojen, an denen man festmacht. Dann kommt der Hafenmeister per Bötchen und kassiert. Für diejenigen, die zu faul sind, ihr Dinghi aufzupumpen, gibts ein Watertaxi. Wir haben natürlich aufgepumpt und sind am nächsten Vormittag bei endlich mal strahlendem Sonnenschein an Land gefahren. Wir hatten einen Fotoauftrag, Freund Bernd aus M. hatte in irgendeinem Pub mal ein tolles Bild gesehen, von dem er gerne ein Foto haben wollte. Er wusste nur nicht mehr, wie der Pub hieß und wo genau es sich befand, geschweige denn, ob es überhaupt noch existiert. Also haben wir das kleine Alderney-Wanderabzeichen gemacht und gesucht. Und gesucht. Und gesucht. Und aufgegeben.

Kurz vor der Rückkehr zum Hafen hat Kathrin noch einen letzten verzweifelten Blick in eine Kneipe geworfen, durstig waren wir beide und was sahen wir neben dem Tresen hängen?

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Das hätten wir auch kürzer haben können….

Mit dem Foto im Kasten und Mittagsbier im Bauch sind wir wieder zu Florentine geschippert und haben einen gemütlichen Samstag genossen. Unterbrochen von regelmäßigen Spannungsmessungen an der Starterbatterie, die immer 12,6 Volt anzeigte.

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Morgenstimmung in Alderney

Am Sonntag bekamen wir unsere zollfreien Einkäufe frei Schiff geliefert und wollten um die Mittagszeit ablegen. Schlüssel gedreht und – ihr werdet es Euch schon denken können – Nanni wollte nicht anspringen. Dieses Mal gab es aber keinen Landstrom. Also haben wir auf die Verbraucherbatterie üerbrückt und dann lief die Nanni wieder. Beim Nachdenken über die Ursache fiel uns ein, dass die wartungsfreie Starterbatterie die einzige ist, die wir noch nicht erneuert hatten, sie „durfte“ also kaputtgehen.

Die Strecke nach Guernsey konnten wir wunderbar hart am Wind segeln, der Strom schob uns anfangs kräftig durch den „Swinge“ bei Alderney und zum Schluss nochmal mit 4 kn durch die Enge zwischen Guernsey und der kleinen Nachbarinsel Herm. In Guernsey mussten wir dann erst mal am Waiting Pontoon festmachen, bis das Wasser hoch genug gestiegen war, dass wir über die Sillkante in den Hafen einfahren konnten. Die Sillkante liegt 4,5 Meter über Kartennull und verhindert, dass das Hafenbecken trockenfällt. Die Wartezeit lässt sich aber prima zum Nudeln kochen nutzen.

Heute war dann wieder Basteln angesagt. Eine neue Starterbatterie hatte Peter schnell besorgt und auf dem Fahrrad im Linksverkehr an Bord geschafft. Das Anschließen einer neuen Batterie ist eigentlich kein Problem. Der Platz im Batteriekasten war aber für die alte Batterie maßgeschneidert. Und so musste erst einmal umgenäht werden. Alles per Handarbeit – ohne Pfaff.

Nachmittags war dann der verflixte drahtlose Windgeber an der Reihe. Ihr erinnert Euch, das Teil, das mit der Serverbox vor der Montage per WiFi verheiratet werden musste. Er hat sich nach nur 14-tägiger Ehe wieder von der Box scheiden lassen, und so durfte Peter mal wieder in den Mast. Der kabellose Bindungsunfähige wurde gegen seinen verkabelten Vorgänger ausgetauscht. Klingt auch wieder einfach, oder? Aber nicht ohne Grund wurde der Kabeltyp gegen den Kabellosen ausgewechselt. Der altmodische Kabeltyp arbeitet nämlich nicht mit der neuen WSI-Serverbox zusammen, obwohl alle Teile aus der nicht gerade billigen Nexus-Serie stammen. Die neue Box arbeitet natürlich auch nicht mit den alten Anzeige-Instrumenten aus der gleichen Familie zusammen, die darum ebenfalls im Winterlager ausgetauscht worden waren. Nun musste also der alte Kabel-Windgeber an der Serverbox vorbei so verdrahtet werden, dass der olle Windgeber und die neue Windanzeige nun eigenständig und am Netzwerk vorbei ihre Arbeit verrichten. Jetzt haben wir also kein Hightec-Navigations-Netzwerk mehr, aber dafür wissen wir wieder, wie stark und woher der Wind weht. Die letzten Tage ging das nur mit Kopp in‘ Nacken und Blick nach oben zum Windanzeiger. Kriegt man auf Dauer einen steifen Hals von…

Alles in allem acht Stunden Schrauberei. Hafentage sind eben Arbeitstage. All Systems are running now. Schaugn mer mal, wie lange.

Darauf ein Feierabendbier!

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Unser Breda haben wir zollfrei in Alderney erstanden. Ein „imported royal lager beer founded in Holland since 1538“, gebraut in Braunschweig. Breda schmeckt.

Statistik:

Logge seit Heeg: 477 sm

Weg über Grund: 545 sm

Cherbourg – Alderney: 26 sm

Alderney – Guernsey:23 sm

Hafengeld Alderney: 20,- € an der Boje

Hafengeld Guernsey St.Peter Port: 35,- €, inkl. Strom und Duschen

Waschmaschine St. Peter Port: sensationell günstige 2, 25 €

 

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2 Antworten zu “Hafentage sind Arbeitstage

  1. Ahoi liebe Schraubagemeinde,
    Ja was ihr denn auf dem Schiff vollbringt und das nach der kurzen Zeit die ihr unterwegs seid ist ja schon enorm.
    Ist das immer so?
    Hoffe ja nicht .
    Aber ich kann euch beruhigen, auch an einem Haus kann das ein oder andere Defektchen auftreten.
    Wir hatten heute den Servicetechniker für unsere Wärmepumpe im Haus.
    ICh sach nur: Operation am offenem Herzen !! Ohne OP Schwester.
    Ich spielte OP Pfleger, hatte aber nur Kaffee zu reichen.
    Wünsche euch weitere gepflegte Hafentage ohne viel Basteleinsätze!
    Liebe Grüße besonders von Siggi an die Paff- Lady Kathrin!

  2. Seid froh, dass ihr am 9. nicht im Revier gewesen seid: Den Höllensturm hätte eure Florentine nur draußen auf See überstanden. Auch ohne drahtlosen Windgeber 😉

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