Schärenfeeling zwischen St Malo und dem Mont St Michel

Ile Chausey 3

Wären die Häuser auf den Felsen der Ile de la Chausey nicht aus Stein sondern aus Holz, könnte man sich glatt in Skandinavien wähnen.

In Jersey wurden wir kurz vor unserer Abreise von der Crew eines anderen deutschen Bootes angesprochen und es stellte sich heraus, sie kommen auch aus Dortmund und haben in etwa die gleiche Reiseroute wie wir. Wir haben die vier an Bord gebeten und viele Gemeinsamkeiten festgestellt. Die „Bahati“ , eine Bavaria 39, wird Ende November mit der ARC (Atlantic Ralley for Cruisers) über den Atlantik gehen, wir eine Woche früher mit der Atlantic Odyssey. Beide Organisationen wurden von Jimmy Cornell, einem Weltumseglerpabst, gegründet, der sich damit praktisch selbst Konkurrenz macht. Die Crew der Bahati hatte über uns in der Zeitung gelesen und uns daraufhin angesprochen. Wir werden sie sicher noch ein paar Mal auf unserem Weg treffen.

Jersey Crew Bahati

Die Crew der Bahati, Yannick und Volker Goeke, Ilona Kauth und Thomas Goeke (v. li.), zu Besuch auf der Florentine

Dann mussten wir los, um nicht zu viel Strömung gegenan zu haben. Die Strecke nach Saint Malo kann man nicht direkt fahren, weil in der Mitte eine große Ansammlung von Felsen liegt, denen es auszuweichen gilt. Nachdem wir uns da durchgefädelt hatten, beschlossen wir kurzfristig eine Planänderung und segelten zur Ile de la Chausey, einem kleinen Inselchen vor Saint Malo und dem Mont Saint Michel.

Ile Chausey 2

Ansteuerung auf die Ile de la Chausey

Dort gibt es eine Art Fjord, wo man an Bojen liegen kann. Die Insel ist für ein Schiff wie Florentine mit einem Tiefgang von 1,80 Meter nur zur Nippzeit (bei halben Mond) zu erreichen. Der Tidenhub fällt in dieser Zeit geringer aus, und es bleibt bei Niedrigwasser genügend Wasser unterm Kiel. In der Springzeit (Voll- und Neumond) würden wir dort mit Florentine auf dem Trockenen sitzen.

Die Einfahrt zur Ile de la Chausey ist gespickt mit Felsen, die bei Ebbe aus dem Wasser auftauchen, es kam richtig Schärenfeeling auf.

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Große Teile der fjordähnlichen Bucht der Ile de la Chausey fallen bei Ebbe trocken.

Auf der Mini-Insel gibt es nur eine Handvoll Häuser, eine Kirche und natürlich eine Bar. Der nördliche Teil des Watts ist Vogelschutzgebiet. Im Sommer zur Hauptsaison soll es hier total überlaufen sein, aber wir waren auch jetzt nicht ganz alleine dort, sondern mussten uns die Bojen schon mit anderen teilen.

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Die wenigen freien Ankerbojen in der Bucht müssen sich mehrere Boote teilen.

Freitag gegen Mittag haben wir die Insel verlassen, um nach Saint Malo zu segeln. Es begann mit einem Raumschotkurs vom feinsten, 14 -16 kn Wind, Sonne und kaum Welle. Florentine rannte mit 7 – 8 kn durchs Wasser und der Käptn war glücklich. So etwa nach zwei Stunden schien der Wind einzuschlafen und Peter dachte schon darüber nach, den Turbo, unser großes Leichtwindsegel, zu ziehen, da plötzlich – peng – frischte der Wind von 10 kn auf 26 kn auf und luvte an, ohne Vorwarnung lagen wir plötzlich auf der Backe. Und dieser Starkwind begleitete uns dann auch bis in den Hafen von Saint Malo.

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Ansteuerung auf Saint Malo

Hier gibt es zwei Liegemöglichkeiten, einmal eine große Marina und zum anderen ein Hafenbecken direkt unterhalb der wasserumschlossenen Altstadt, das nur über eine Schleuse erreichbar ist. Da wollten wir natürlich rein. Geschleust wird laut Reeds Nautical Almanac nur einmal in der Stunde, und zwar je nach Tide nur zwei bis zweieinhalb Stunden vor und nach Hochwasser. Wir waren nach unserer Rechnung noch pünktlich eingetroffen und drehten 45 Minuten Kreise vor der Schleuse, bis sie viele Boote ausspuckte und wir dachten, so jetzt sind wir dran. Aber nix da, die Schleusentore schlossen sich sofort wieder. Und das wars dann für diesen Tag. Feierabend! Also abgedreht und doch in die große Marina, die um einiges entfernter von der Stadt liegt.

Das hatte aber auch sein Gutes, denn heute beim Sightseeing konnten wir dann feststellen, dass wir in dem Hafenbecken zwar altstadtnah, aber unter den Blicken und unter den Abgasen von tausenden Touristen und ihrer Busse und Autos gelegen hätten, zudem miefig (Fisch) und mit sehr, sehr einfachen Sanitäranalagen.

Die Altstadt von Saint Malo ist komplett von einer dicken Stadtmauer umgeben und zusätzlich von drei Seiten von Wasser umschlossen. Innendrin kleine Gässchen, die im Krieg zerstörten Häuser sind komplett restauriert. Viele kleine Restaurants und Geschäfte und natürlich viele Touristen.

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Antiquariat in einer der noch nicht aufgehübschten Hinterstraßen in der Altstadt von Saint Malo

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Meeresfrüchte: Für den, der’s mag, ist es das Größte.

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Die Altstadt von Saint Malo ist ein großer Touristenmagnet.

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Restaurants, Souvenirläden und edle Geschäfte prägen das Bild in der Altstadt…

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… ein wunderschöner alter Buchladen wie dieser ist eher die Ausnahme.

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Doch es gibt auch noch einige stille Ecken in den engen Gassen der Altstadt.

Wirklich echt schön – aber leider kein Geheimtipp mehr. Nach drei Stunden hatten wir genug und haben uns mit einem Großeinkauf an Lebensmitteln im Rucksack wieder auf unsere Räder geschwungen, um rund um den Hafen zurück zu Florentine zu strampeln. Zu Fuß wäre das ein ganz schöner Marsch gewesen.

Hier in der Marina fahren wir jetzt zweimal täglich mit Florentine Fahrstuhl. 12 Meter hoch, 12 Meter runter – und das alle sechs Stunden. St. Malo hat nämlich den höchsten Tidenhub in Europa.

Jetzt werden wir uns eine nette Bar mit Wifi suchen, um dieses Ahoi abzusenden, denn im Hafen gibt es keines.

 

Statistik:

Logge seit Heeg: 565 sm

Weg über Grund: 618 sm

Jersey, Saint Helier – Ile de la Chausey:: 25 sm

Ile de la Chausey – Saint Malo: 21 sm

Hafengeld Ile de la Chausey: 0 €

Hafengeld Saint Malo: 31, 50 €, Duschen Note 4, kein Wifi

 

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4 Antworten zu “Schärenfeeling zwischen St Malo und dem Mont St Michel

  1. Nee, ist die Welt doch klein! Irgendwie ist das Ruhrgebiet rsp. Dortmund überall.
    Bei dieser Gelegenheit mal ein großes Dankeschön für die tollen Reiseberichte, liebe Kathrin (ich sage mal einfach Du, auch wenn wir uns noch nicht gesehen haben). Ich versäume keinen einzigen. So komme ich dann auf meinen alten Tagen doch noch zur Weltumseglung.
    Liebe Grüße, auch an meinen alten Fahrensmann Peter.
    Frank
    Der Ruegen-Entdecker aus de

  2. Falls ihr in die Nähe von Roscoff (F) kommt: Festmachen lohnt sich schon allein wegen der pittoresken Altstadt. Und noch weiter im Finisterrre gibt es im Aber Wrac’h, einem großen Flußdelta, auch die Möglichkeit zum Ankern.
    Wünsche euch weiterhin einen guten Törn.

    • Für Tipps sind wir immer sehr dankbar, lieber Heinz Dieter! Auch Dein Kollege Holger Speckmann im Haus gegenüber hat uns schon ein paar tolle Hinweise gegeben. Es ist einfach schön, zu spüren, wie ihr an uns denkt!
      Herzliche Grüße an alle WAZler
      Peter

  3. Hallo Peter,
    das hört sich ja alles sehr gut an. Weiterhin eine gute Reise – viele Grüße auch an Deine Frau (unbekannterweise).
    Thomas aus Dortmund (ehem. Anz.-Verw. Hagen-Bathey)

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