Hochseerennsegeln in Theorie und Praxis

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Einen Schönheitspreis gewinnt Lorient nicht – und einen Preis für den schönsten Geruch schon gar nicht. Lorient ist der zweitgrößte Fischereihafen Frankreichs nach Boulogne sur Mer, aber stinken tut er nach Fisch, als sei er der größte. Für den Verlust seiner städtebaulichen Attraktivität ist Lorient allerdings nicht selbst verantwortlich; ursächlich ist es vielmehr die deutsche Wehrmacht und tatsächlich sind es die Alliierten.

Da sich die deutschen U-Boot-Bunker im 2. Weltkrieg beim Bombardement als unkaputtbar herausstellten, wurde beinahe die gesamte Stadt und das nähere Umland in Schutt und Asche gelegt, um die Nachschubwege zu unterbrechen. Militärisch betrachtet eine erfolgreiche Strategie. Beim Wiederaufbau hat man sich dann leider nicht eine solche Mühe gegeben. Die Stadt ist heute leider etwas gesichtslos. Und die Bunker stehen immer noch.

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Man versucht sich heute mit diesen hässlichen Betonklötzen zu arrangieren. Ein Teil wird als militärhistorisches Museum genutzt, in einem anderen Teil haben sich einige große Segelsyndikate wie die Teams von Groupama und Banque Populaire eingerichtet. Einige der Rennmaschinen für das Volvo Ocean Race, das Mini-Transat und auch ein paar Riesen-Trimarane, allesamt Spezialanfertigungen für diverse Rekordjagden, liegen jetzt in einem neuen Yachthafen, und können teilweise als Ausstellungsstücke der „Cité de la Voile Eric Tabarly“ auch besichtigt und mit Profiskippern besegelt werden.

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Rennziege

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Die Wellenbrecher werden hier durch Wracks gebildet

Die „Cité de la Voile Eric Tabarly“, „die Stadt des Segelns“, ist eine hochmoderne und interaktive Dauerausstellung rund um das Thema Segeln, mit dem Schwerpunkt auf Hochsee-Rennsegeln. Daher ist sie auch dem französischen Segelidol Eric Tabarly gewidmet, der in den 1960er und -70er Jahren so ziemlich alles gewonnen hat, was man beim Segeln nur gewinnen konnte. Mit Hilfe von Video- und Soundeffekten erhalten Besucher einen unmittelbaren Eindruck von der höllischen Kulisse auf stürmischer See. Es gibt eine Windkabine, wo man sich einen Orkan um die Ohren blasen lassen kann. Und dann gibt es eine Menge Simulatoren: für das Wetter, für die Navigation, für das Training am Coffeegrinder und für das Segeln überhaupt. Das frisch erworbene Wissen kann dann gleich an einem Pool mit Modell-Segelyachten in die Praxis umgesetzt werden, oder man löst gleich mit dem Eintrittsgeld einen einstündigen Segelausflug auf einer Hochsee-Rennyacht.

Apropos Hochsee-Rennsegeln: Nur wenige Stunden nach dem Besuch der „Cité de la Voile Eric Tabarly“ machten wir uns auf den Weg von Lorient zur Belle Île. Statt des versprochenen frischen Rückenwindes kriegten wir kurz nach der Hafenausfahrt ordentlich eins auf die Mütze. Nur mit kleiner Fock betucht machte Florentine 7- 8 Knoten Fahrt durchs Wasser. Kurze, steile Atlantikwellen in leider viel zu kurzen Abständen taten ihr Übriges dazu und so surften wir einige Wellen mit fast 10 Knoten ab. Statt der geplanten sechs Stunden brauchten wir nur vier Stunden für die knapp 28 Segelmeilen lange Strecke. Dieses Sportprogramm brauchen wir aber auch nicht jeden Tag. (Kathrin: das klingt alles viel zu nett und harmlos!)

Belle Île – Schöne Insel. Der Name ist Programm. Da wollen wir keine überflüssigen Worte verlieren, seht selbst:

 

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Innenhof der Zitadelle

Den Rest der schönen Insel haben wir heute mit den Inselbussen erkundet, aber davon gibt es keine Bilder, weil der Fahrplan keinen Fotostopp vorsah. Pardon: Ein Foto musste auf besonderen Wunsch einer Mitseglerin aus dem Bus heraus geschossen werden. Was findet Kathrin nur an Hinkelsteinen?

Belle Ile 10

Nachtrag: Da das Wie-Vieh zeitweise mal wieder nicht funktionierte, können wir auch noch die Abendgestaltung nachliefern: Ab 18:00 wurde es hier still in der Stadt, Frankreich spielte, kein Mensch und kein Auto mehr auf der Straße. Wir haben uns dann nach dem Spiel auf einen Hafenpaziergang gemacht und eher halbherzig in alle möglichen Lokale reingeschaut, da wir nicht wirklich daran glaubten, das Spiel Deutschland-Algerien zu so später Stunde noch irgendwo sehen zu können. Aber wir haben das wahrscheinlich einzige Lokal auf der Belle Île gefunden, in dem wir mit lauter Einheimischen Fußball gucken konnten.

Anfangs war es ein komisches Gefühl, die Einzigen zu sein, die für l´Allemagne fieberten, die Franzosen schienen alle Algerienfans zu sein. Aber mit steigendem Alkoholpegel wurden sie immer netter und nach dem Spiel, als feststand, dass die Paarung am Freitag Frankreich-Deutschland heißt, beknieten uns einige, doch bitte nicht abzureisen, sondern bis Freitag zu bleiben und gemeinsam le Football zu genießen. Am Festland sei es sowieso nicht so schön und eher „bourgeois“….

Statistik:

Logge seit Heeg: 888 sm

Weg über Grund: 950 sm

Ile de Groix – Lorient: 8 sm

Lorient – Belle Île: 27 sm

Hafengeld Lorient 18 €, Duschen 0 €, Note 3

Hafengeld Belle Île 31 €, Duschen 0 €, Note 1-

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3 Antworten zu “Hochseerennsegeln in Theorie und Praxis

  1. Ein herzliches Hellau aus Essen!
    Schön zu hören, dass es euch gut geht und ihr die seglerischen und anderen Herausforderungen bislang prima meistert. Reiseberichte und Fotos sind jedenfalls ausgesprochen überzeugend. Jetzt müsst ihr euch für Freitag nur noch einen ruhigen Hafen, dicke und nicht lösbare Festmacher beschaffen, um das Weiterkommen der deutschen Elf gegen Frankreich ordentlich zu begießen und lautstark zu feiern. Ich denke und trinke dann einen französischen Roten auf euch. Hoffentlich bis bald!

  2. Liebe Frau Schröder,
    lieber Herr Schröder,

    es wird Zeit, dass ich mich als begeisterter Leser Ihrer Postings oute, zumal ich Malte hinsichtlich des Rotweins am Freitag nur zustimmen kann, allerdings unabhängig davon, wer gewinnt.
    Ich bin schon ein wenig neidisch auf Sie, wohl wissend, dass ich den Mut für ein solches Vorhaben im Zweifel nicht aufbringen würde.
    Mast- und Schotbruch von einem Segler, der zufällig auch noch Justiziar bei Funke ist und Ralf Geppert heißt.

  3. Die Insulaner sind doch überall auf der Welt gleich. Immer eine Spur gelassener als die Snobs auf dem Festland … 🙂 Wir werden das morgen auf Borkum gleich mal überprüfen. Viel Spaß bei den Franzosen und sucht Euch am Freitag ein lauschiges und sicheres Plätzchen. Nicht, dass die Einheimischen ihren Frust nach der Niederlage an Euch ablassen.

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