Rudelgucken aus dem Cockpit

Golf du Morbihan 007

Sommersitz auf einer der Inseln im Golf du Morbihan

Die Frage aller Fragen nach dem Einholen der Wetterberichte: Wohin bei 4-5 Windstärken aus dem nördlichen Sektor? Gegenan in den Golf von Morbihan oder gemütlich mit halbem Wind direkt nach Le Baule oder Saint-Nazair Richtung Loire? Ein französischer Stegnachbar nimmt uns die Antwort ab: „Ihr müsst in den Golf. Das müsst ihr gesehen haben. Das ist wie Skandinavien. Magnifique!“ Also gegenan.

Gegenan bedeutet kreuzen, und kreuzen bedeutet wenden. Unsere letzte Wende haben wir vor zwei Monaten in Holland gefahren. Seitdem sind wir immer nur artig dem Wind gefolgt. Als wenn das Aufkreuzen gegen den Wind nicht schon genügend Arbeit macht, schneiden auch noch zwei Kriegsschiffe unseren Kurs hoch am Wind. Doch statt ihrer Ausweichpflicht nachzukommen, funken sie uns an und machen uns wortreich in Französisch klar, dass wir ihnen Platz machen sollen. Na gut, der Klügere gibt nach – und außerdem sind sie viel stärker als wir.

In der Abdeckung der Küste ließen Wind und Weller ein wenig nach und es wurde noch ein schöner, sportlicher Segeltag. Und der sportliche Einsatz hat sich wirklich gelohnt. Unser Stegnachbar auf der Belle Ile sollte Recht behalten. Der Golf du Morbihan ist wirklich sehenswert. Es handelt sich um eine riesige geschützte Bucht mit ganz vielen Inseln und Ankerbuchten. Kleiner Haken: Im Golf du Morbihan herrscht ein anständiger Tidenstrom von bis zu 8 Knoten zwischen den Inseln (wir haben dann später tatsächlich ein Segelboot unter Vollzeug mit Spinnaker rückwärts treiben gesehen).

In einer kleinen verträumten Ankerbucht haben wir Florentine an einer verwaisten privaten Muringtonne festgebunden und zwei Tage inmitten der Natur die Seele baumeln lassen. Wir entdeckten Fischreiher und Kaninchen am Strand in der Abenddämmerung. Das erste Mal Barfuß-Feeling, im wahrsten Sinne des Wortes, es war warm und sonnig. Und unsere Solardusche wurde auch eingeweiht, ein schwarzer Plastiksack mit Schlauch dran, der das Wasser in der Sonne wärmt. Und noch eine Premiere: Das erste selbstgebackene Brot aus dem Bordbackofen mit einem gefriergetrockneten Sauerteig von dem segelnden Bäcker- und Müllermeister Helmut van Straelen (www.brotbacken-online.de). Das Brot ist auf Anhieb gelungen und schmeckt echt lecker!

Golf du Morbihan 008 Golf du Morbihan 006 Golf du Morbihan 001

Aber zum „Match“ mussten und wollten wir natürlich wieder in die Zivilisation. Ganz am Ende des Golfes von Morbihan liegt an einem Stichkanal Vannes, eine Kleinstadt mit einer großen Marina mitten in der Stadt und mittelalterlichem Ortskern. Das sollten wir allerdings erst am nächsten Tag entdecken, denn der frühe Abend stand ganz im Zeichen des Fußballs. Schräg gegenüber unseres Liegeplatzes war Public Viewing angesagt, und die Leute strömten. Wir waren noch am Überlegen, ob wir aus dem Cockpit oder in der Menge am Geschehen teilnehmen sollten – Peter war für die Menge, die ängstlichere Kathrin für das Cockpit – aber das Wetter nahm uns die Entscheidung ab. Es begann zu blasen und zu wehen und zu regnen. Nach dem 1:0 für Deutschland öffnete der französische Himmel seine Schleusen und weinte bitterlich. Mag es nun am Regen oder am Rückstand der „Equipe les Bleus“ gelegen haben? Auf jeden Fall brach kurze Zeit später die Übertragung beim Rudelgucken zusammen, und die Großleinwand wurde schwarz. Der Regen hat auch bis zur Stunde noch nicht aufgehört. Wenn dies die Rache der Franzosen für den Rausschmiss aus der WM-Endrunde sein sollte, können wir damit leben.

Wegen des immer noch andauernden Regens haben wir bislang auf eine gründliche Stadtbesichtigung verzichtet. Nur für einen schnellen Großeinkauf haben wir unsere trockenen Plätze in Florentines Salon und unter dem schützenden Cockpitzelt kurzzeitig verlassen. Jetzt betreiben wir Cocooning in unserer schwimmenden Gartenlaube. Die E-Reader glühen, Kathrin strickt, und wir schauen Fußball über das französische Fernsehen. Morgen soll das Wetter wieder besser werden.

Vannes 2

Regen,Regen, Regen. Blick aus dem Cockpit nach vorn…

Vannes 1

… und nach hinten. Die Schönheit von Vannes kann man nur erahnen.

 

 

Statistik:

Logge seit Heeg: 932 sm

Weg über Grund: 991 sm

Belle Île – Golf du Morbihan: 37,5 sm

Golf du Morbihan – Vannes: 6 sm

Hafengeld Golf du Morbihan 0 €, Duschen 0 €, Note 1

Hafengeld Vannes 28 €, Duschen 0 €, Note 1

 

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Eine Antwort zu “Rudelgucken aus dem Cockpit

  1. Hallo ihr beiden,
    richtig gemacht , der Golf ist traumhaft schön!
    Selbst Julius Cäsar soll in Port Navalo vom Festland aus der Seeschlacht von Navalo beigewohnt haben. Dort sollen sich die Römer mit den Venetern mächtig auf dem Meer mit ihren Galeren gefezzt haben. Ausgang der Schlacht kann man sich ja denken, Obelix und Asterix waren sicherlich nicht anwesend.
    Damit ihr das Kreuzen nicht verlernt ist ein Kreuzkurs innerhalb von 2 Monaten doch wohl eine willkommene Abwechslung von den Raumschotkursen
    Weiterhin viel Spaß auf eurem Törn
    wünschen euch Siggi und Jochen

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