Wikipedia und die Wirklichkeit

Port Joinville, der Haupthafen auf der Ile D’Yeu

Port Joinville, der Haupthafen auf der Ile D’Yeu

So langsam richten wir schon unseren Blick in Richtung Spanien. Ab dem 20. Juli wollen wir uns in Port Medoc (Mündung der Gironde /Nähe Bordeaux) auf die Lauer legen, um günstige Bedingungen für einen 160-Meilen-Trip über die Biscaya nach Bilbao abzupassen. Die legendären Dünen und Strände von Arcachon müssen wir leider auslassen. Dort gibt es keine Häfen aber stattdessen ein ausgedehntes militärisches Sperrgebiet vor der Küste. Da haben die Reisenden auf der Landseite diesmal eindeutig die Nase vorn. Wir können auch längst nicht so trödeln, wie wir uns das ursprünglich mal vorgenommen hatten. Im September möchten wir die dann häufig stürmische Biscaya hinter uns gelassen haben und in Portugal sein. An vielen Häfen und Städtchen sind wir darum schon achtlos vorbei gerauscht.

Ein paar Eindrücke von der Ile D’Yeu möchten wir aber gerne noch, wie versprochen, nachreichen. Nachdem wir uns vorab bei Wikipedia ein wenig über die Insel erkundigt hatten, waren wir darauf eingestellt, uns in mondäner Umgebung wiederzufinden. Viele reiche Pariser hätten auf der Insel ihr Feriendomizil. Und auch durch unsere Segler-Bibel, den „Reeds Nautical Almanac“, waren wir entsprechend eingestimmt. Der Hafen sei „overcrowded“ und man sei gut beraten, im Voraus einen Liegeplatz zu reservieren. Einen Heli-Port gibt es auch in Hafennähe. So waren wir auf einen Hotspot der Reichen und Schönen eingestellt. Und wat is? Pustekuchen! Es sei denn die reichen Pariser lieben das Understatement.

In den vergangenen zwei Monaten haben wir euch ja schon reichlich Augen und Ohren vollgeschwärmt über malerische Städtchen, lauschige Buchten und schöne Plätze. Port Joinville, der Haupthafen auf der Ile D’Yeu, ist fast genau das Gegenteil. Nicht gerade hässlich, legt aber auch keinen besonderen Wert auf sein Äußeres. Die Häuser bräuchten mal wieder einen frischen Anstrich, der Asphalt auf den Straßen bröselt vor sich hin, die Mode in den wenigen Boutiquen scheint vom deutschen Couterier Kik zu stammen und auf den Tischen eines Edel-Restaurants mit aktueller Empfehlung des Gault Millault liegen Wachstuch-Tischdecken.

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Die Hafenpromenade von Port Joinville auf der der Ile D’Yeu

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Die Haupt- und Geschäftsstraße von Port Joinville

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Immer noch die Hauptstraße und vorne rechts …

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der vom Gault Millault und anderen empfohlene Fress-Tempel Les Bafouettes. Hier zählt die Wahrheit auf dem Teller und nicht die Deko auf der Wachstuch-Tischdecke.

Selbst das Rathaus, das „Hotel de Ville“, traditionell besonders schmucke und herausgeputzte Gebäude in Frankreich, macht einen Eindruck wie der der Awo-Treff in Bergkamen-Oberaden. Das klingt jetzt vielleicht gemein, ist aber gar nicht so gemeint. Der Ort macht trotz allem einen sympathischen Eindruck. Einfach und ehrlich eben, auch wohltuend normal für einen Ruhri nach so vielen optischen Hinguckern in den vergangenen Wochen.

Und darum sind wir auch nicht nach 48 Stunden von der Ile D’Yeu geflüchtet, sondern sind der Einladung des Windes gefolgt, der uns sanft in das Segelmekka Les Sables d’Olonne gepustet hat. Die Marina ist riesig, modern, super organisiert und Tag und Nacht erreichbar. Kurzum: sie lässt keine Wünsche übrig.

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Die Einfahrt nach Les Sables d’Olonne.

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Kleine Fähren verbinden die Ortsteile rechts und links des ausgedehnten Hafengebietes.

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Um den Ort herum und entlang der ausgedehnten Sandstrände wurden beeindruckende Bettenburgen errichtet.

Les ables d'Olonne 003 Les ables d'Olonne 001

Von dem Ort selbst haben wir nicht viel zu sehen bekommen. Heute Vormittag ging es bereits weiter zur Ile de Ré. Der Wind bläst weiter in der richtigen Stärke aus der richtigen Richtung. Das wäre doch einfach unseemännisch, diese Brise ungenutzt verstreichen zu lassen, oder?

Statistik:

Logge seit Heeg: 1036 sm

Weg über Grund: 1101 sm

Île D’Yeu – Les Sables d‘Olonne: 31 sm

Hafengeld Les Sables d‘Olonne 30,30 €, Duschen 0 €, Note 2

 

 

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