Guggenheim Museum Bilbao – allein der Bau ist ne Schau

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Heute war Guggenheim-Tag. Die JaJas aus München (Sohn Jakob und Freundin Jana) hatten uns bereits vor unserer Abreise Eintrittskarten für das Guggenheim Museum spendiert. Das war auch der eigentliche Grund, warum wir Bilbao angelaufen haben. Wer weiß, wo wir sonst gelandet wären…

Heute war frühes Wecken angesagt. Nicht dass wir einen Wecker gestellt hätten, um vor der großen Besucherwelle ins Museum zu kommen. Nein! Wir wurden durch ein fürchterliches Gebrüll geweckt, untermalt von einem höllischen Baumaschinenlärm. Tatsächlich handelte es sich jedoch um ein Patoullienboot ihrer königlichen Majestät, Elisabeth II von England, wie wir bei einem müden Blick durchs Luk feststellen mussten. Ein Boot von der Größe einer durchschnittlichen Motoryacht für gehobene Ansprüche mit einem Mörder-Motor!

Dem für das Anlegemanöver verantwortlichem Dienstgrad gefielen offenbar die Leinenmanöver und Knoten nicht, mit denen die einfachen Mannschaftsgrade das Boot am Steg unseres Yachtclubs festmachen wollten. Also wurde geübt. Laut und deutlich. Das Kennzeichen des Patroullienboot verschweigen wir hier lieber, um internationalen Verwicklungen vorzubeugen. Na gut, nach einer knappen Stunde war das Patroullienboot endlich fest und es herrschte wieder Ruhe im Hafen. Ganz ehrlich, unter uns: Bei dem Nichtwind in der Ecke des Hafens hätten auch zwei Schnürsenkel gereicht, um das Schiff sicher festzubinden. Aber ich habe auch keine Ahnung von solchen Dingen, denn ich habe ja nicht gedient.

Zurück zum eigentlichen Thema dieses Beitrags. Das Guggenheim-Museum Bilbao. Natürlich hatten wir von diesem Museum schon vorher eine Menge gehört und gelesen. Architekt ist der kanadisch-US-amerikanische Architekt und Designer Frank O. Gehry. Das Gebäude wurde 1997 fertiggestellt und ist für seinen dekonstruktivistischen Baustil berühmt. Das Gebäude wurde sowohl in der geplanten Bauzeit von vier Jahren als auch im Budgetrahmen errichtet. Das Guggenheim-Museum ist seit seiner Eröffnung eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt Bilbao, ein Touristenmagnet für eine Million Besucher jährlich und inzwischen ein wichtiger Arbeitgeber. Von dem Museumsbauwerk und seinem positiven Einfluss auf die Stadt abgeleitet ist übrigens der Begriff Bilbao-Effekt.

Der Eingang zum Guggenheim Museum

Der Eingang zum Guggenheim Museum

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Das Museum von hinten

Das Erlebnis vor Ort stellt jedoch alles in den Schatten. Das Gänsehauterlebnis beginnt schon draußen vor der Tür. Diese organisch geschwungene Fassade aus Titan, Kalkstein und Glas. Der mächtige und blumige Welpe „Puppy“ vor dem Eingang (eigentlich sollte diese bepflanzte Skulptur von Jeff Koons nach der Eröffnung wieder verschwinden. Aber die Bilbaonesier hatten „Puppy“ sofort in ihr Herz geschlossen und protestierten erfolgreich gegen die geplante Demontage. Jetzt wird „Puppy“ laufend neu bepflanzt, wenn die Blumen zu welken beginnen).

Kathrin und "Puppy" vor dem Guggenheim Museum

Kathrin und Jeff Koons „Puppy“ vor dem Guggenheim Museum

Die "Tulips" von Jeff Koons.

Die „Tulips“ von Jeff Koons.

Drinnen konnten wir uns nicht entscheiden, was unsere Blicke stärker anzog. Die Architektur oder die ausgestellten Werke. Mit jedem Schritt verändert sich die Wahrnehmung des Raumes und eröffnen sich neue Sichtachsen. Kurz gesagt: Allein der Bau ist ne Schau!

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Dem in unserer Nachbarstadt Bochum lange Zeit verschmähten und vom späteren sächsischen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf als NRW-CDU-Chef persönlich bekämpften Künstler Richard Serra, wird im Guggenheim eine eigene „Stahlhalle“ gewidmet. Selten haben Raum und Kunst so gelungen zueinander gefunden. (Das von Kurt Biedenkopf geschmähte Serra-Kunstwerk „Terminal“ steht heute übrigens direkt vor dem Bochumer Hauptbahnhof).

Die "Stahlhalle" mit Arbeiten von Richard Serra

Die „Stahlhalle“ mit Arbeiten von Richard Serra

Zur Zeit finden im Guggenheim-Museum zwei besondere Wechselausstellungen statt. Eine wahnsinnig umfassende und sehenswerte Retrospektive der Arbeiten von George Braque und eine Ausstellung von Yoko Ono. Bereits vor ihrer Heirat mit John Lennon hatte sich Yoko Ono einen Namen in der Kunstwelt als Performance- und Installations-Künstlerin erworben. Vieles davon war uns vorher nicht bekannt. Mal mit Fragezeichen in den Augen und mal mit Bewunderung, aber immer ohne Langeweile durchwanderten wir ihre Ausstellungsräume. Auf keinen Fall wollen wir sie aber jemals wieder singend sehen oder hören.

Ein Schachspiel von Yoko Ono: Weißes Brett mit weißen Figuren. Das Kunstwerk darf ausdrücklich benutzt werden.

Ein Schachspiel von Yoko Ono: Weißes Brett mit weißen Figuren. Das Kunstwerk darf ausdrücklich benutzt werden.

Jetzt aber Schluss mit der kleinen Kulturkritik. Unser Tipp: Unbedingt selber mal nach Bilbao reisen. Insbesondere, aber nicht nur wegen des Guggenheim Museums. Auch die Stadt hat uns sehr gefallen – soweit wir die Stadt mit unseren schweren Füßen noch erkunden konnten. Auf dem Heimweg zu unserem zehn Kilometer von der Innenstadt entfernten Yachthafen, machten wir noch einen kurzen Abstecher zur und eine Fahrt mit der ältesten mechanischen Schwebefähre der Welt (für unsere Segelfreunde im Norden: so ähnlich wie die Fähre über den Nord-Ostsee-Kanal in Rendsburg). Heute gilt die „Biskaya-Brücke“ aus dem Jahr 1893 als UNESCO-Weltkulturerbe. Die Fahrkarte kostet 35 Eurocent. Die konnten wir uns noch leisten, denn das erfrischende Zisch-Bier nach diesem Kultur-Tag haben wir an Bord unserer Florentine genossen. Trotz Guggenheim: Für uns immer noch der schönste Platz der Welt!

Die Biskaya-Brücke ist die älteste mechanische Schwebefähre der Welt.

Die Biskaya-Brücke ist die älteste mechanische Schwebefähre der Welt.

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Eine Antwort zu “Guggenheim Museum Bilbao – allein der Bau ist ne Schau

  1. Erstmal herzlichen Glückwunsch zur (kleinen) Biskaya-Querung! Toll gemacht! Und ich bin froh, dass Euch nicht noch kurzerhand die französische Luftwaffe ins Kreuzfeuer genommen hat … 🙂

    Die Bilder vom Guggenheim-Museum sind ja echt der Hammer! Ich glaube, da muss ich auch mal hin. Jetzt seid Ihr also endlich in Spanien. Bin gespannt, wie Euch die Nordküste gefällt. Uns hat Galizien ja extrem gut gefallen. Das liegt noch vor Euch. Freut Euch drauf 🙂
    Liebe Grüße von der dänischen Ostküste.
    Olaf.

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