Die Urgewalt der Flaute

Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir hier an dieser Stelle über das nervenaufreibende und Material zermürbende Segeln mit viel Welle und wenig Wind berichtet haben, kurzum: Flautensegeln in der Dünung des Atlantiks. Wer es uns nicht glauben mag, hier ist der Beweis:

Ribadeo 001

Auf der nächtlichen Überfahrt von Gijon nach Ribadeo hat uns der Nichtwind doch glatt eine Klampe aus der massiven Fußreling gerissen (für Nichtsegler: an einer Klampe binden wir die Landleinen fest, wenn wir in einem Hafen festmachen. Eine Klampe ist nämlich echt robust und hält ordentlich was aus!)
Aber mal von vorne: Von Gijon nach Ribadero sind es gut 65 Seemeilen, das sind über den Daumen gepeilt rund 13 Stunden Fahrt. Da wir laut Wetterbericht nur mit wenig Wind rechnen durften, bedeutet das im Klartext:
Entweder früh aufstehen und Hebel on the table; also 13 Stunden Motorfahrt ;
oder:
Wir lassen es gemütlich angehen und segeln einfach langsam und gemütlich die Nacht durch, auch wenn die Fahrt dann 20 oder mehr Stunden dauert.
Als leidenschaftliche Segler ohne Termindruck haben wir uns natürlich für Plan B entschieden – und das hätten wir besser nicht tun sollen. Denn wir waren mal wieder richtig pfiffig! Um das elendige Hin- und Herschlagen des Großsegels in der Welle einigermaßen zu unterbinden, haben wir den Großbaum mit einem Bullenstander (einer kräftigen Leine) an der Mittelklampe befestigt, damit der Großbaum nicht ständig von einer Seite auf die andere umschlagen kann. Er wackelt dann halt nur ein bisschen. Das klappte nach unserer nächtlichen Wahrnehmung auch ganz gut. Ordentlich durchgewalkt von der Schaukelei entdecken wir dann im Morgengrauen die Bescherung.
Der Bullenstander war die Nacht über nicht faul und hat nach und nach die Befestigungsschrauben der Mittelklampe aus dem massiven Teakholz heraus gearbeitet. Erleichtert wurde dem Bullenstander seine Arbeit dadurch, dass die Klampe nicht mit kräftigen Holzschrauben, sondern mit Maschinenschrauben in einer gummiartigen Masse eingeschraubt war. Ob sich das so gehört? Keine Ahnung! Ich habe die Klampe auf jeden Fall wieder genau so wieder befestigt. Wenn sie auch diesmal nicht hält, war es wohl die falsche Methode. Wohlgemerkt: Wir hatten die hölzerne Fußreling erst vor vier Jahren zusammen mit dem Teakdeck in einer Werft erneuern lassen. Dabei wurden natürlich auch alle Klampen neu befestigt.
Soweit der aktuelle Bericht von unserer dauernden Bootsbaustelle. Touristisch gibt es nicht so viel zu berichten. Ribadeo ist der erste der bekannten „ria altas“, der großen Flussmündungen hier im Norden Spaniens. Die Anfahrt von der Seeseite aus ist sehr, sehr schön, wenn sich zwischen schroffen Felslandschaften so allmählich ein Ort mit lieblicher Umgebung herausschält. Darüber haben wir uns auch heute wieder bei der Ankunft in Ria Viveiro freuen können.

Ribadeo 008

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Über die Orte selbst muss man nicht viele Worte verlieren. Keine besonderen Sehenswürdigkeiten, aber für uns allemal sehenswert. Mal sind es kleine Gassen, mal ein Hinterhof, mal eine Ruine, die uns innehalten lassen. Dazu die Eindrücke einer fremden Sprache und einer anderen Mentalität; Wir genießen es!

Ribadeo 004

Ribadeo 003
Und sonst: Hier in Ria Viviero findet gerade mal wieder ein großes Heavy Metal Festival statt. Wir nächtigen diesmal aber nicht unmittelbar neben der Bühne, sondern ein paar hundert Meter entfernt. Wir hören nur die Bässe und das Schlagzeug. Der Rest wird vom Regen gedämpft.
P.S.: Warum hat uns vorher niemand gewarnt, wie blöd sich die Allzweckwaffe Gaffa-Klebeband wieder entfernen lässt. Wir hatten ein undichtes Salonfenster damit provisorisch abgeklebt. Als wir das Fenster jetzt wieder richtig mit Sika abdichten wollten, haben wir die Gaffa-Klebereste kaum vom Rumpf und vom Fenster abkratzen können. Letztendlich konnten wir den Kleberest mit WD 40 und viel Reiberei entfernen.
PP.S.: Unsere leere holländische Gasflasche fahren wir immer noch leer spazieren. Angebote, eine neue Flasche zu erwerben gibt es reichlich. Aber eine Station zur Wiederbefüllung haben wir noch nicht ausfindig machen können.
Statistik:
Logge seit Heeg: 1461 sm
Weg über Grund: 1568 sm
Gijon – Ribadeo: 67 sm
Ribadeo – Ria Viveiro: 34 sm
Hafengeld Ribadeo: 29 Euro, Duschen inkl., Note 2
Hafengeld Ria Viveiro: ? Euro (Zahlung bei Abreise), Duschen ?

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4 Antworten zu “Die Urgewalt der Flaute

  1. zur Klampenbescherung: Eigentlich muss da dudrchgeschraubt werden und auf die andere Seite kommt eine fette Unterlegscheibe mit dicker Mutter zwecks Kraftübertragung. Und Klebeband: Bei uns waren 6 Fenster undicht (Werft hatte falsche Dichtungen eingebaut) – alles schön mit Klebeband abgedichtet bis zur Reparatur, man will ja nicht absaufen. Monate, MONATE daran herumgesäubert, poliert – alles versucht. Es gibt noch immer Reste! Ich leide mit euch. Und Heavy Metal? Hier ist mal wieder Seglaträff – genau SO geschrieben – sicher weniger Bass aber nicht weniger nervig – gerade hat einer zum vierten Mal einen Viermaster aus einer bekannten deutschen Hafenstadt gesehen. Gruß aus Stralsund – Karl-Heinz

  2. Klebereste, wie vom Gaffa-Band kann man leicht mit Feuerzeugbenzin entfernen. Ich habe immer eine Flasche (aus Blech) mit Feuerzeugbenzin und einen weißen Lappen (z.B. altes Unterhemd) liegen. Damit kann man vieles reinigen, was sich unter Benzin nicht auflöst. Auf Kunststofffenster sollte man damit nicht wischen, da sie vom Benzin matt werden. Aber schwarze Striche von Schuhsohlen auf dem weißen Polyester kann man damit leicht abwischen. Einfach einen kleinen Spritzer auf den Lappen geben und wischen.

  3. Hallo ihr beiden
    Klampen müssten das eigentlich aushalten, aber wie sagt man :
    „Steter Ruck löst die Klampe “ ?
    Ich denke mir da hat der Holländer geschludert, und man sollte da doch dann alle Klampen prüfen ob die anderen nicht genauso befestigt wurden. Da hängt nun mal euer Boot dran wenns im HAfen bläst …. Durchbolzen und ne Fette Scheibe wie beschrieben, Holzschrauben sind da doch eher ungeignet.
    Aber hattet ihr nicht gebloggt das kaum noch was zu schrauben wär?! 😦

    Handbreiter Gruß aus Hamm

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