Mit Queen Victoria im Päckchen

La Coruna 3

Ahoi aus A Coruña (La Coruña ist nämlich out, weil altmodisch sagt Wikipedia)! Heute Morgen nach dem Aufwachen rieben wir uns erst mal erstaunt die Augen: die Stadt und die Häuser waren doch gestern noch an Steuerbord und an Backbord hatten wir freie Sicht auf den Hafen. Hatte uns jemand nachts das Schiff umgedreht?

La Coruna 5

Blick nach Steuerbord

An Backbord ragte nämlich ein Hochhaus empor. Bei genauerem Hinsehen konnten wir dann aber den Schriftzug Queen Victoria erkennen. Ein riesiger Luxus-Kreuzfahrtdampfer hatte klammheimlich nachts direkt neben uns festgemacht. Quasi im Päckchen. Gut, dass er nicht unsere frisch reparierte Mittelklampe zum Festmachen benutzt hat. Die Hafenmauer des Club Real Nautico ist gleichzeitig die Pier für die großen Kreuzfahrer. Und so haben wir uns gegenseitig bestaunt und fotografiert, wir unten und die oben. Gerade sind sie wieder abgefahren, wir bleiben noch!

Die Einfahrt in den Naturhafen von A Coruña ist spektakulär. Bereits die Römer sind hier rumgeschippert und haben zwecks besserer Orientierung einen Leuchtturm hinterlassen, den Torre Hercules, der steht immer noch und ist auch noch in Betrieb. Der älteste noch funktionierende Leuchtturm der Welt, und darum zum Weltkulturerbe erhoben.

Im königlichen Yachtclub wurden wir freundlichst empfangen – bitte suchen Sie sich doch einen Liegeplatz aus! Später schwang sich Peter aufs Fahrrad und klapperte verschiedene Schiffsausrüster ab, um Ersatzteile zu besorgen und zu bestellen. In dieser Beziehung soll A Coruña ein Mekka sein. Nur darf man sich die Yachtausrüster hier in Spanien nicht so wie bei uns Zuhause vorstellen, erst recht nicht wie eine Filiale von Compass oder Niemeyer. Die hiesigen Tiendas Effectos Navales (Wassersportläden) haben große Ähnlichkeit mit dem Laden von „Schrauben Paul“ in meiner Kindheit in Dortmund-Huckarde. „Schrauben Paul“ hatte einfach alles auf Lager, aber nur er hatte einen Überblick in seinem bis unter die Decke und bis in jede Ecke vollgestopften Laden. Man musste nur sagen, was man wollte, und Schwups lag es auf dem Tisch.

Seit längerem ist unser Kicker kaputt, nein, kein Tischfußballspiel, sondern das Ding, das den Großbaum oben halten soll. Mittels einer Gasdruckfeder, die bei uns nicht mehr funktioniert, aber leider auch nicht ausgebaut und ausgetauscht werden kann. Also haben wir bei unserem spanischen „Schrauben Paul“ in seinem Tienda Effectos Navales mit vielen wortreichen Erklärungen einen neuen bestellt. Der neue Rodkicker kommt jetzt von Selden aus Mallorca und dort sind ab Freitag Werksferien, wir hatten also unglaubliches Glück und einen guten Riecher, dass wir am Donnerstag noch bestellt haben. Ankommen soll das gute Teil am Dienstag, 12.8., was uns eine Zwangspause in A Coruña beschert. Es gibt schlimmere Orte….

Wir sind euch jedoch auch noch einige Worte und ein paar Bilder aus unseren vorherigen Häfen schuldig. Aber ohne Internetanbindung können wir halt auch keinen Blogeintrag abschicken, und darum wird unsere heutiger Eintrag eben etwas länger. Zuletzt hatten wir uns ja nach unserer Ankunft in Viveiro gemeldet. Danach brach auch dort das Internet zusammen.

Viveiro ist eine alte und eine fromme Stadt. Die Gassen mit den typisch galizischen Galeriehäusern sind eng und die Kirchen zahlreich. Neben einer der ältesten Kirchen befindet sich eine Nachbildung der Grotte von Lourdes, die mit zahlreichen wächsernen Votivgaben behängt ist. Das muss man sich in etwa so vorstellen: Hat jemand ein Aua-Bein, das nicht heilen will, hängt man symbolisch ein Bein aus Wachs an die Grotte und betet dann inständig, dass dieses genesen möge. Also nicht das Wachsbein, sondern schon das richtige. Das Gleiche gilt auch für Hände oder Rücken. Bei Problemen in der Partnerschaft nimmt man eine Wachsfrau und einen Wachsmann, bindet diese gut zusammen, hängt sie ebenfalls an die Grotte und betet. Wunder gibt es immer wieder…

Viveiro 4

Viveiro 3

An Wunder oder göttlichen Beistand mögen vielleicht auch die anderen Viveiroianer glauben, die ihre Wünsche symbolisch in eine leere Plastik-Wasserflasche packen und diese dann an Schnüren über den Köpfen der Passanten in einer Gasse unweit der kopierten Lourdes-Grotte aufhängen. In den Flaschen fanden wir unter anderem Lego-Steine, Briefe, Püppchen, Papierschiffchen und Korken von vermutlich guten Weinen.

Viveiro 2

In Viveiro durften wir sonntags abends noch ein wenig Musik genießen. Auf der Plaza Major vor dem Rathaus fand ein großes Folklorefestival statt. Wir haben uns allerdings nur das Warming up gegönnt. Wir hatten es ja bereits berichtet: Die Spanier mögen es gerne etwas lauter…

Am nächsten Tag stand uns der Sinn nach Ruhe und Erholung, und so sind wir ganze zwei Seemeilen weit gefahren bis zu der romantischen Ankerbucht mit Sandstrand, die wir schon bei unserer Ankunft entdeckt hatten. Anfangs mussten wir sie noch mit anderen Badegästen teilen, aber abends und frühmorgens konnten wir sie ganz alleine genießen.

Viveiro 9

Und mit Ankern ging es auch weiter, denn die nächste Ria auf dem Weg nach Westen, Cedeira, bietet zwar einen wunderbar geschützten Naturhafen, in dem man aber eben nur ankern und nicht irgendwo festmachen kann. Cedeira haben wir uns hart erkämpft, den Wind und die Welle immer auf die Nase, immer hoffend, dass wir ab dem nächsten Kap bei 20 bis 30 Grad Kursänderung vielleicht doch mal segeln können – es war wie verhext. Besonders das Cabo Ortegal, der Nordzipfel Spaniens, war eine Prüfung mit Gegenstrom und Kreuzseen. Die Atlantikwellen werden dort an der schroffen und unwirtlichen Steilküste reflektiert und überlagern sich. Wir kamen zeitweise nur noch mit 2 kn voran und wurden ordentlich durchgeschüttelt.

Cedeira 016

Das Cabo Ortegal, der Nordzipfel Spaniens, ist eine rauhe Gegend. Entsprechend Schroff und unwirtlich präsentiert sich die Küste. Dunst und Nebel sind an der Tagesordnung.

Cedeira 018

Die Einfahrt in den Naturhafen von Cedeira

Cedeira 019

Erst nach einer scharfen Linkskurve öffnet sich die riesige Bucht von Cedeira.

Nach zwei Nächten vor Anker in Cedeira mit böigem Wind erinnerten uns die anhaltenden Regenschauer daran, dass eine Dusche auch mal wieder schön wäre. Und die Wettervorhersage lässt für die nächsten Tage auch keine Besserung erwarten. Im Gegenteil. So verließen wir Cedeira am Donnerstagmorgen nach dem ersten Kaffee, ohne einen Fuß an Land gesetzt zu haben. Leider änderte sich auf der Fahrt nach A Coruña nichts an den Gegebenheiten, der Wind blies uns zwar schwach, aber stetig auf die Nase, so dass Motoren angesagt war.

Statistik:

Logge seit Heeg: 1516 sm

Weg über Grund: 1628 sm

Ria Viveiro – Cedeira: 32 sm

Cedeira – A Coruña: 28 sm

Hafengeld Cedeira: 0 Euro (Ankern), Duschen: nicht vorhanden

Hafengeld A Coruña: 25 Euro, Duschen Note 2

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2 Antworten zu “Mit Queen Victoria im Päckchen

  1. Na ihr Zwei,

    wie geht es Euch? Habt ihr auch mal Heimweh? Ich sehe schon, dass eure Reise all‘ das bietet, was ihr euch erhofft hattet und ihr keinen Gedanken mehr verschwendet an das Gestern. Eigentlich wollte ich ja gar nicht schreiben – zumindest nicht so öffentlich – aber angesichts des jüngsten Beitrags konnte ich nicht anders. ,,Wunder gibt es immer wieder“ – die wächsernen Ersatzteile vor der Grotte sind zu komisch. Was sollen wir denn mal für Malte an die Kamener Kirche hängen? Der liegt nämlich im Krankenhaus mit einer Virusinfektion. Ich hoffe, dass Ihr weiter fit bleibt, um uns dann ins Bild zu setzen. Macht es gut. Herzliche Grüße, Silke

  2. Hallo, ihr zwei- wieder einmal ein sehr schöner Beitrag- ich fand die Flaschen schön- es war sicher witzig, den Inhalt zu studieren. Hier bei uns riecht man schon den Herbst- finde ich- macht´s weiter gut, ich freu mich schon auf das nächste Ahoi!! Anja

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