Wir haben die Todesküste überlebt

Das Cabo Vidal, eines von den vielen Kaps entlang der Todesküste, kurz vor Camarinas.

Das Cabo Vidal, eines von den vielen Kaps entlang der Todesküste, kurz vor Camarinas.

Nur noch ein kleines Stück und dann haben wir die die Todesküste überlebt und steuern auf das Ende der Welt zu. Nein, ihr müsst euch keine Sorgen machen. Die Ortsbezeichnungen hier sind halt nur ein wenig dramatisch. Uns geht es immer noch und immer wieder saugut!

Die Costa del Muerte (die Todesküste) an der wir gerade entlang tuckern, verdankt ihren Namen einer Reihe von spitzen Felsen, die in Küstennähe gerade mal bis kurz an die Wasseroberfläche reichen und somit schwer oder auch gar nicht mit bloßem Auge auszumachen sind. Für Seefahrer in früheren Zeiten – ohne GPS und Kartenplotter – eine große Gefahr. Aber nicht mehr für uns hochtechnisch ausgerüstete Freizeitsegler. Und das vor uns liegende Cabo Finisterre bezeichnete als westlichster Punkt des europäischen Festlandes vor der Entdeckung Amerikas das Ende der (alten) Welt.

Von A Coruña haben wir uns nur schweren Herzens verabschieden können. Das lag nicht nur an der Stadt, die uns sehr gefallen hat, sondern auch und insbesondere an einigen supernetten Menschen, die wir in den vergangenen Tagen kennenlernen durften.

Gema und Alex mit ihren Kindern Clara und Bruno und Hund Felix haben wir als Stegnachbarn im Hafen kennengelernt. Alex ist gebürtiger Belgier und hat in Deutschland studiert. Dort hat er seine spanische Frau Gema kennengelernt, und nun leben und arbeiten sie mit ihren Kindern in Anglette in der Nähe von Biarritz in Frankreich. Die Kinder wachsen nun dreisprachig auf. Mit dem Vater reden sie deutsch, mit der Mutter spanisch und untereinander und mit Freunden unterhalten sie sich französisch. Wir haben zwei wunderbare Abende an Bord unserer Schiffe miteinander verbracht.

Gema und Alex mit ihren Kindern Clara und Bruno -und Bordhund Felix nicht zu vergessen

Gema und Alex mit ihren Kindern Clara und Bruno -und Bordhund Felix nicht zu vergessen

Eine Reise entlang der Küste in Richtung Süden bringt es zwangsläufig mit sich, dass man in einigen Häfen oder Buchten zufällig auf neue „alte Bekannte“ trifft: „Das Schiff haben wir doch schon mal gesehen!“ Und so haben wir auch Dorothea und Uwe aus Hamburg kennengelernt, die wir erstmals in Gijon getroffen haben. Bei unserem ersten gemeinsamen Bordabend in Coruña sind wir auch gleich ordentlich versackt, denn wir hatten uns eine Menge zu erzählen.

Alex beim Einschenken im Niedergang seiner Aquaria

Uwe beim Einschenken im Niedergang seiner Aquaria

Dorothea und Alex aus Hamburg vor ihrer Centurion "Aquaria" (leider ein wenig verwackelt, da zu vorgerückter Stunde nur mit Restlicht fotografiert)

Dorothea und Uwe aus Hamburg vor ihrer Centurion „Aquaria“ (leider ein wenig verwackelt, da zu vorgerückter Stunde nur mit Restlicht fotografiert)

Wenn wir uns in Coruña nicht mit netten Menschen getroffen haben, waren wir in der Stadt unterwegs oder haben am Schiff rumgemuckelt. Der neue Baumkicker ist pünktlich geliefert worden, und beim Einbau entwickelten wir alte IKEA-Gefühle wie zu Hause: „Wohnst Du schon, oder schraubst Du noch?“ Baum und Gasdruckfeder von Selden mussten nämlich erst von uns verheiratet werden, und ein passender Baumniederholer gehörte auch nicht zum Lieferumfang.

Florentine hatte sich in der Zeit seit unserer Abreise in Holland einen Bart wachsen lassen, einen Bart aus Seegras oberhalb des Wasserpasses. Den haben wir ihr nun wieder abgenommen. Frisch rasiert gefällt sie uns einfach besser. Bei der Gelegenheit haben wir auch den angegilbten Rumpf wieder auf Hochglanz gebracht. Nachdem wir mit zwei verschiedenen Reinigern nicht den erhofften Reinigungserfolg erzielten, griffen wir zur Flasche – mit Zitronensaft. Und siehe da! Florentines Rumpf strahlt wieder!

Coruna hat uns ausgesprochen gut gefallen.

Coruna hat uns ausgesprochen gut gefallen.

A bschied von A Coruña und ein letzter Blick auf den Torre Hercules, der älteste noch funktionierende Leuchtturm der Welt, und darum zum Weltkulturerbe erhoben.

Abschied von A Coruña und ein letzter Blick auf den Torre Hercules, der älteste noch funktionierende Leuchtturm der Welt, und darum zum Weltkulturerbe erhoben.

Ohne Wind, aber mit der von uns schon so häufig beklagten Atlantik-Schaukel-Welle sind wir in zwei Etappen von Coruña mit einem kleinen Ankerstopp in Corme nach Camariñas motort. Hier fühlen wir uns auf Anhieb wohl. Der Hafen liegt wieder in einer großen Naturbucht, der Ria de Carmariñas. Der Ort selbst ist klein und nicht besonders chic, aber er wirkt authentisch. Der Yachthafen besteht nur aus drei Anlegestegen. Ansonsten dreht sich hier alles um Fisch. Nur wenige Meter von uns entfernt entladen die Fischtrawler ihren Fang direkt in schwere Lkw und eine große Umschlaghalle.

Corme 1

Unser Ankerplatz in der Bucht von Corme

Corme 2

Für die Architektur in Corme gibt es keinen Schönheitspreis. Beeindruckend fanden wir jedoch, wie jeder Quadratmeter Bauland am Hang ausgenutzt wird.

Jetzt haben wir Wind! Aber gleich ein bisschen zuviel davon. Was in den letzten Wochen gefehlt hat, scheint jetzt auf einmal zu kommen. Es pfeift mit 25 – 30 kn aus Nordost durch den Hafen. Und das soll auch noch ein paar Tage so bleiben, sagt der Wetterbericht. Wir warten mal, bis es ein wenig abflaut, dann wagen wir uns mit Rückenwind ums Cabo Finisterre.

Statistik:

Logge seit Heeg: 1565 sm

Weg über Grund: 1683 sm

A Coruña – Corme: 36 sm

Corme – Camariñas: 19 sm

Hafengeld Corme: 0 Euro (Ankern), Duschen: nicht vorhanden

Hafengeld Camariñas: 7 Euro, inkl. Duschen Note 3-4

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2 Antworten zu “Wir haben die Todesküste überlebt

  1. Liebe Kathrin, lieber Peter,
    ich freue mich jedes Mal, wenn ich etwas Neues von euch lese. Klasse, was ihr bisher erlebt habt. Macht schon ein wenig neidisch, aber wer hätte es verdient, wenn nicht ihr? Weiterhin guten Wind und eine Handbreit Wasser… ihr wisst schon. Klaus
    P.S.: Vieleicht wäre es eine Idee, euern Turn auch auf einer Karte auf eurer Seite zu verfolgen?

  2. Hallo Ihr Lieben,
    da das Wetter in Holland sehr schlecht wurde, haben wir unseren Urlaub verkürzt und sind nach fast sieben Wochen wieder in Wuppertal gelandet. Die Eingewöhnung an festen Boden läuft noch..
    Ich habe gerade alle Beiträge von Euch nachgelesen, Bilder geschaut und angefangen zu träumen. Mir hat damals Camarinas gut gefallen. Schlicht, aber irgendwie auch gemütlich.
    Bleibt gesund und munter!
    Petra

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