HALLOOOO!!! Kann uns bitte jemand unser Geld abnehmen????

Am Strand von Nazaré: Der Stockfisch wird nach alter Sitte in der Sonne getrocknet.

Am Strand von Nazaré: Der Stockfisch wird nach alter Sitte in der Sonne getrocknet.

Die gute Nachricht zuerst: Wir haben wieder Besuch von Zuhause an Bord. In Porto sind Tochter Gloria und ihr Freund Sebastian zu uns gestoßen. Die schlechte Nachricht: Die Beiden haben bis heute Florentines Segel nicht zu sehen bekommen, und es scheint, dass sich bis zu ihrer Abreise in Lissabon an diesem Missstand nichts ändern wird.

Das bekannte Azoren-Hoch präsentiert sich nun schon seit Wochen als stationäres Azoren-Tief und schaufelt ohne Pause südliche Winde vor Florentines Bug. Genau aus der Richtung, wo wir hin wollen. Normalerweise sollte uns hier und jetzt ein verlässlicher und frischer Nordwind die Segel füllen. Aber das Wetter spielt verrückt. Also klappern wir seit Wochen die portugiesische Küste mit unserer MS Florentine ab. Entschädigt werden wir für die schaukeligen Motorboot-Etappen mit abwechslungsreichen Hafenaufenthalten. In der Hoffnung auf besseren Wind haben wir darum gerne die Stadterkundung in Porto fortgesetzt. Die Stadt ist einfach so schön und vielfältig, dass man sich dort gerne mehrere Tage herumtreiben lassen kann.

Diesmal haben wir für die Fahrt von der Douro Marina in die Innenstadt von Porto ein paar neue Verkehrsmittel ausprobiert. Direkt an der Marina haben wir eine kleine Fähre bestiegen, die uns für einen Euro pro Person ans andere Ufer des Douro übergesetzt hat. Direkt am Fähranleger kann man in eine alte historische Straßenbahn umsteigen, die einen für 2,40 Euro bis in die Altstadt von Porto befördert. Da ist die Anreise schon ein Erlebnis.

Da Sightseeing per Pedes bekanntlich hungrig macht, sind wir mittags in ein kleines Lokal eingekehrt. Für fünf Euro wurde uns ein komplettes Mittagsmenü mit Vorsuppe, Salat, Sandwich und Nachtisch serviert. Eine Limo und ein Espresso waren in diesem Preis auch noch enthalten. Sensationell! Die beim Mittagessen eingesparten Euros haben wir dann nachmittags nach einer Kellereibesichtigung mit anschließender Verkostung in guten Portwein investiert.

Porto 165

Gloria und Sebastian auf der Brücke Luis I in Porto

Porto 23

Fahrt entlang des Douro-Ufers mit der „Elektrischen“.

Porto 144

Vater und Tochter vor der Kathedrale von Porto

Weil wir bei der Planung unserer Motorbootetappen immer mit mindestens einem Auge auf die Wetterberichte schielen, haben wir uns in Figueira da Foz nur eine Nacht aufgehalten. Für den kommenden Tag war Flaute statt Gegenwind angekündigt (auch eine neue Erfahrung, dass wir uns jemals über eine Flaute freuen würden…). Immerhin genügend Zeit für Gloria und Sebastian, die Stadt bei einem Nachtspaziergang und einer morgendlichen Joggingrunde zu erkunden. Die beiden Alten an Bord begnügten sich mit einem zehnminütigen Spaziergang vom Liegeplatz bis zu den neuen Duschgebäuden, was immerhin einem kompletten Hafenrundgang gleich kommt. Figuera da Foz ist schon eine richtige Stadt mit breiten Straßen, prunkvollen Gebäuden und einer ausgewachsenen touristischen Infrastruktur für die zahlreichen Strandurlauber – wurde uns berichtet.

Figuera da Foz 04

Figuera da Foz

Figuera da Foz 01

So kuschelig eingepackt haben wir uns doch schon immer einen spätsommerlichen Segeltörn vor Portugals Küste vorgestellt, oder?

Figuera da Foz 02

Vorteil unter der Sprayhood: Sebastian braucht keine Mütze und keinen Schal bei diesem, Äh, Sommerwetter.

Nach sieben Stunden gemütlicher Motorfahrt ohne Wind und ohne Welle (!!!), aber mit freundlicher Unterstützung unseres Autopiloten, haben wir Nazaré erreicht. Auch dieser Ort ist bei portugiesischen Touristen sehr beliebt, hat sich aber seinen ursprünglichen Charme bewahrt. Große Hotelanlagen sucht man vergebens. Dafür bummelt man durch kleine Gassen, holt sich Appetit in einer Markthalle mit frischen Produkten aus der Umgebung, lässt sich mit einem Schrägaufzug in die etwas feinere Oberstadt befördern und genießt von dort oben aus einen atemberaubenden Blick auf das Meer und die weitausladende Bucht mit einer beeindruckenden Brandung an den langgezogenen Sandstränden. Diese Brandung hat Nazaré zu einem weltbekannten Hotspot für Extremsurfer gemacht. Bis kurz vor die Küste reicht ein Tiefseegraben in bis zu 2800 Meter Tiefe, und wenn die Atlantikwellen bei einem Sturm dann nach 3000 Kilometer Anlauf auf die flache Küste prallen, entstehen Wellen, die bis zu 30 Meter hoch werden können.

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Blick von der Oberstadt von Nazaré auf das Meer…

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… und auf die Bucht mit den weitläufigen Sandstränden

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Frische Produkte aus der Umgebung werden in der Markthalle von Nazaré zu günstigen Preisen angeboten.

Uns waren gestern und heute schon die 3 bis 4 Meter hohen Wellen zu hoch, und deshalb sind wir im Hafen geblieben und schauen lieber den Fischern und den Möwen bei der Arbeit zu.

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Auch wenn dieses Ahoi nun etwas auszuufern droht. Über den Yachthafen von Nazaré muss man einfach ein paar Worte verlieren. Während an der ganzen portugiesischen Küste, die wir bislang bereist haben, kräftig in die Infrastruktur investiert wurde (was sich in angemessen hohen Hafengebühren niederschlägt), scheint man den Yachthafen von Nazaré irgendwie vergessen zu haben. Und umgekehrt scheinen auch einige Segler ihre Schiffe in diesem Hafen vergessen zu haben. Die Steganlagen, das Hafengebäude und mehrere (gar nicht so kleine) Schiffe rotten hier einfach vor sich hin. Ausgerissene Klampen auf den vermoosten Fingerstegen werden nicht mehr ersetzt, die einstmals aufwendig gepflasterten Wege gleichen Buckelpisten und die Grünanlagen lassen nur noch erahnen, dass sie jemals Grün gewesen sind. Es gibt zwar eine Art Hafenmeister, aber der scheint sich dieses Elend auch nicht mehr länger ansehen zu können. Er hat sein Büro in einem hinteren Teil des Hafengebäudes, von wo er keinen Blick auf das Geschehen im Hafen hat.

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Hafengebäude und Grünanlage vor dem Yachthafen

Von einem Yachtie, der sein Boot bereits seit längerer Zeit hier liegen hat und auch so schnell nicht mehr weitersegeln wird, haben wir erfahren, dass es niemand so genau nimmt mit der Bezahlung des Hafengeldes. Einige Schiffe liegen bereits seit Monaten hier, ohne einen Cent bezahlt zu haben. Trotzdem gibt es immer noch Strom und Wasser auf den Stegen, heißes Wasser in der Dusche und sogar ein funktionierendes Wifi ohne jede Zugangsbeschränkung. Für all das würden wir auch gerne bezahlen, haben aber erfahren, dass das Hafenbüro am Wochenende nicht besetzt sein soll. Und in ein paar Stunden, an einem Samstag, wollen wir nach Peniche auslaufen.

HALLOOOO! Kann uns bitte jemand unser Geld abnehmen????

Statistik:

Logge seit Heeg: 1766 sm

Weg über Grund: 1970 sm

Porto – Figuera da Foz: 65 sm

Figuera da Foz – Nazaré: 37 sm

Hafengeld Figuera da Foz: 31,30 € , Duschen Note 1

Hafengeld Nazaré: ? €, Duschen 3-4

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2 Antworten zu “HALLOOOO!!! Kann uns bitte jemand unser Geld abnehmen????

  1. Wenn ihr Eure Knete loswerden wollt, hätte ich die eine oder andere Idee. Die schreibe ich allerdings besser via SMS. Jetzt erst einmal herzliche Grüße aus griechischen Gefilden (Lesbos) und einem wirklich warmen Hochsommer.
    Malte, Sille, Toni

  2. Herzlichen Glückwunsch an die crew der Florentine zur Atlantiküberquerung ! Es freuen sich mit euch
    Albert und Kristina

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