Ab jetzt weht hier ein anderer Wind

Lissabon 609

Seit zwei Wochen sind wir nun in Oeiras bei Lissabon und liegen in einer richtigen Wohlfühlmarina mit Brötchenservice, Swimmingpool, Shuttleservice und netten Bars und Restaurants. Trotzdem sind wir froh, dass es nun endlich weitergeht.

Endlich hat es sich der Wind anders überlegt und bläst aus der Richtung, wie es sich für diese Jahreszeit eigentlich gehört, nämlich aus Norden. Bereits gestern hat hier im Hafen von Oeiras ein wahrer Massenaufbruch eingesetzt. Mit uns wartet hier – zum Teil seit Wochen – ein gutes Dutzend Yachten auf den Absprung in südliche Gefilde, und wir werden uns der Flotte vermutlich am Mittwoch anschließen. Denn dann haben wir mit den JaJas aus München wieder Verstärkung an Bord.

Die JaJas, das sind Sohn Jakob mit Freundin Jana, die uns auf unserer nächsten Etappe nach Madeira bzw. zur vorgelagerten kleinen Insel Porto Santo begleiten. Für das rund 500 Seemeilen lange Seestück planen wir vier Tage und Nächte ein, also schon ein kleiner Test für die bevorstehende Atlantiküberquerung.

In Vorfreude auf unseren Besuch haben wir heute schon mal klar Schiff und große Wäsche gemacht. Morgen werden dann noch Kühlschrank und Schapps mit frischen Leckerchen gefüllt, und dann kann es auch losgehen. So sehr wir den Wohlfühlhafen in Oreias und das schöne Lissabon auch schätzen, macht sich doch so langsam Ungeduld breit, und wir kratzen an der Bordwand, weil wir es kaum abwarten können, endlich weiter zu segeln.

Wie haben wir uns in den vergangenen zwei Wochen die Zeit vertrieben? Langeweile? Keine Spur! Wenn wir nicht gerade Ausflüge nach Lissabon und in die nähere Umgebung unternommen haben, verlebten wir hier mit einigen Technikern von Raymarine unterhaltsame Bastelstunden an Bord. Für die Verlegung neuer Leitungen mussten wir fast das ganze Schiff auf links krempeln, sowie die Achterkabine und die Backskisten leer räumen. Jetzt haben wir einen neuen Frautopiloten: Sie ist Nannis beste Freundin und heißt Ray-Marie.

Darüber hinaus widmen wir jede freie Minute unserer Kurzwellen-Funkanlage. Seit unserer Abreise aus Holland fahren wir den Transceiver Icom 7200, den Antennentuner SG-230 und das Pactor-Modem P4dragon mit vielen Kabeln und diverser Software spazieren und kriegen die ganze Mimik nicht so richtig ans Laufen. Die umfangreichen Handbücher sind in einer für uns geheimnisvollen Sprache verfasst. Da schreiben Nerds für Nerds. Dankbar greifen wir daher alle Tipps von Stegnachbarn auf und schrecken auch nicht davor zurück, unsere schöne Florentine mit selbstgebastelten „Standouts“ aus Gewebeschlauch zu verschandeln, damit das Antennenkabel nicht zu nah am Achterstag klemmt. Jetzt hören wir wenigstens schon Stimmen, aber die Sprachqualität droht Ohrenkrebs auszulösen. (Seufz: Ach, hätten wir doch jetzt unseren Segelfreund, Amateurfunker und persönlichen Bordingenieur Andreas aus Essen an unserer Seite. Andreas, Du fehlst!).

Achterstag Abstandhalter 1

Nicht gerade schön, aber wenn es hilft… Die kleinen Stücke aus Gewebeschlauch sollen verhindern, dass der improvisierte Antennendraht (rot) für die Kurzwellenanlage am Achterstag anliegt. Dadurch wird der Empfang um bis zu 30 Prozent reduziert – haben wir gelernt. Das original Antennenkabel (GTO 15) war leider etwas zu kurz, und die Ersatzbeschaffung stellt sich als äußerst schwierig heraus.

 

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2 Antworten zu “Ab jetzt weht hier ein anderer Wind

  1. Einen sonnigen guten Morgen aus Essen, aufmerksam lese ich euere Beiträge, na ja, die geheimnisvolle Sprache in den Handbüchern wird irgendwann verständlich, ihr müsst nur ein wenig Geduld haben. In einigen Wochen kommen wir und ich habe sicherlich im Handgepäck einige Werkzeuge und andere Helferlein.
    Viel Spaß mit den JaJa´s, viele liebe Grüsse, Andreas.

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