Schröders Expedition ins Tierreich

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Der Müllfisch ist ein geselliges Tier und umgibt sich gern mit seinesgleichen.

 

In allen Reiseberichten und Fahrtensegler-Blogs ist regelmäßig von Delfinen, Walen und fliegenden Fischen die Rede. Auch die gemeine Makrele und der elitäre Bonito werden gelegentlich erwähnt, vor allem in Verbindung mit diversen Rezeptvorschlägen. Wir wollen uns heute einer Spezies zuwenden, die nur selten Erwähnung findet, obwohl man sie auf einer längeren Segelreise kaum übersehen kann, da er sich bevorzugt dicht an der Wasseroberfläche aufhält: dem Müllfisch.

Müllfisch (spanisch: pesca basura, französisch: poisson de poubelle), in Seglerkreisen auch als Klofisch oder Dieselfisch bekannt. Die Familie der Müllfische lebt mit 80 Arten in 17 Gattungen weltweit an Meeresküsten und im Brackwasser. Einige Arten wandern auch in Flüsse. Der Müllfisch ist ein klarer Indikator für die Wasserqualität in Häfen und Marinas und für die Crew der Florentine auf ihrer bisherigen Reise ein verlässlicher Begleiter geworden, vor allem in überfüllten Yachthäfen mit fehlenden bzw. mangelhaften Sanitäranlagen. Als hätte es noch eines Beweises bedurft: Die größte und dichteste Population an Müllfischen haben wir am Auslass eines Abwasserrohres im Rio Douro in Porto angetroffen.

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Festmahl für Müllfische in Porto am Auslass eines Abflussrohres.

Darüber hinaus ist der Müllfisch ein possierlich anzuschauender Sportler. Des Morgens und kurz vor der Nachtruhe übt sich der Müllfisch gemeinsam mit seinen Artgenossen im Synchronspringen, als strebe er die Karriere eines Delfins an. Manche Exemplare bringen es auf bis zu vier Hüpfer hintereinander!

Ernährung und Befischung:

Auch wenn der Name etwas anderes suggerieren mag: Der Müllfisch ist bei seiner Ernährung wählerisch und tendenziell den Vegetariern zuzuordnen. Merksatz: Je stärker der Bewuchs am Rumpf eines Schiffes, um so größer der Appetit des Fisches. Köderfutter gleich welcher Art verschmäht der Müllfisch konsequent und gilt daher in Sportfischerkreisen als schwer angelbar. Als Waffe der Wahl wird für die private Jagd daher die Harpune empfohlen. Industriell werden die Müllfische mit Ankerreusen und Strandwaden gefangen.

 Der Müllfisch als Speisefisch:

Aus der Familie der Müllfische werden 44 Arten unter der Bezeichnung Meeräsche als Speisefisch gehandelt. Der Müllfisch gilt als „Delikatesse für Nischen-Fuzzies“ (Quelle: blog.zeit.de/nachgesalzen/2010/10/26/4460_4460 ). Der Müllfisch besitzt weißes, festes, etwas fettes Fleisch. Der Geschmack hängt von seiner Nahrung und dem Wasser ab, in dem die Müllfische leben. Es kann vorkommen, dass das Fleisch leicht modrig schmeckt. Der durch Salzen, Pressen und Trocknen haltbar gemachte Rogen des Müllfisches gilt in vielen Ländern wie Italien, Südfrankreich, Griechenland und Japan als Delikatesse (Bottarga , Boutargue oder karasumi). Quelle: Deutsche See

Der Müllfisch ist für relativ kleines Geld zu haben (im Fischhandel pro Kilo unter 10 Euro netto).

Zubereitung

Unter dem Suchbegriff Meeräsche lassen sich auf chefkoch.de sieben Rezepte finden. Allgemein gilt: Kleinere Fische lassen sich gut im Ganzen mit entschuppter Haut braten oder grillen.

Saison   

Da Müllfische als Meeräschen auch in Aquakultur gezüchtet werden, sind sie ganzjährig erhältlich.

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Wir haben ein Herz für Müllfische, denn sie knabbern gern an Florentines Algenbart und kontrollieren so den Bewuchs am Unterwasserschiff.

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3 Antworten zu “Schröders Expedition ins Tierreich

  1. Oh- sehr interessant, darf ich sagen Peter – Bernhard- Schröder ? Vielen Dank, das habe ich nicht gewusst- ich meine, dass die Meeräsche der Müllfisch ist. Liebe Grüße, Anja

  2. Ihr alten Fischverächter … 🙂 Der erste Fisch, den ich auf unserer Tour geangelt habe, war eine Meeräsche. Schmeckte super … auch wenn man nicht so genau drüber nachdenken sollte, wie die sich so ernähren. Auf jeden Fall habe ich die mit etwas Brot am Haken geangelt. War gar nicht so schwer.
    Gute Überfahrt!

  3. Liebe Katrin, lieber Peter, seit dem Englischen Kanal verfolgen mein Mann und ich euren Törn. Aufmerksam gemacht hat mich mein Kollege Klaus Windmann. Er weiß, dass wir auch Segler sind und machte uns auf den geplanten Langzeittörn von euch aufmerksam mit dem Hinweis, dass uns das bestimmt interessiert. Und wie es uns interessiert!!!! Ihr habt eine sehr angenehme Art, über das Erlebte zu schreiben. Immer wieder freue ich mich, wenn eine neue Mail kommt, die ich gleich meinem Mann weitersende, damit er auf dem Weg zur Arbeit auch mal schmunzeln kann.
    Als Segler können wir so viele Dinge, die ihr beschreibt, nachempfinden. Manchmal kann man ja auch durchaus etwas aus dem Missgeschick anderer lernen. Soll nicht heißen, dass wir euch lauter Missgeschicke wünschen. Es sind ja auch Berichte von euch dabei, wie ihr die eine oder andere Situation gemeistert habt. Auch diese Erfahrungsberichte sind interessant. Auch wenn wir mit unserem Schiff „nur“ auf der Ostsee oder dem Haff segeln.
    Nun habe ich eben gerade die Info von Marinetraffic bekommen, dass ihr Lissabon verlassen habt. Daraufhin bin ich gleich rein in die Echtzeitkarte und tatsächlich zeigt eure Schiffsspitze genau gen Madeira…….
    Wir wünschen euch für den ersten größeren Törn auf dieser langen Reise immer eine Handbreit…… (Das dürfte aber kein Problem sein) und immer moderaten Wind.
    Wir sind ganz aufgeregt und fiebern mit euch.
    Seid unbekannterweise ganz lieb gegrüßt
    von
    Katrin und Wolfgang aus Berlin

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