„Der Hafen ist voll“ – voller leerer Plätze

Kurz vor Sonnenuntergang fällt der Anker vor der Insel La Graciosa.

Kurz vor Sonnenuntergang fällt der Anker vor der Insel La Graciosa.

Ziemlich unspektakulär verlief die 277 Meilen lange Überfahrt von Madeira auf die Kanaren, auch wenn der Wind nicht so mitspielte, wie wir es uns erhofft hatten. Den Großteil der Strecke konnten wir nur mit Nannis Hilfe zurücklegen, da der Wind für die von uns bevorzugte natürliche Fortbewegungsart des Segelns nicht ausreichte. Dafür hielt sich allerdings auch die Schaukelei in Grenzen. So verbrachten wir die meiste Zeit der 56 Stunden dauernden Überfahrt mit Lesen und Schlafen. „Erholung auf See“, sagt man dazu wohl im Kreuzfahrt-Jargon. Hilfreich für die Nachtwachen erwies sich der von Jakob mitgebrachte I-Pod. Mit Musik und Hörbuch gehen vier Stunden Nachtwache viel schneller vorbei.

Als erste Station auf den Kanarischen Inseln haben wir uns für die kleine Insel Graciosa entschieden. Catia, die allzeit hilfsbereite Frau im Hafenbüro von Quinta do Lorde, war so freundlich, für uns im voraus einen Liegeplatz in dem kleinen Inselhafen zu reservieren. Auch alle notwendigen Personal- und Bootspapiere hatte sie vorab an die zuständige Regionalverwaltung der Kanaren gemailt.

Ansteuerung von La Graciosa am Horizont

Ansteuerung von La Graciosa am Horizont

Diese Arbeit hätte sie sich allerdings auch sparen können. Offensichtlich landen alle Reservierungsanfragen bei der zentralen Hafenbehörde der Kanaren in einem großen Spamordner. Bei unserer Ankunft kurz vor Sonnenuntergang in der Marina von Graciosa konnte der Marinero in seinen Unterlagen keine Reservierung für Florentine in seinen Unterlagen finden, und ohne Reservierung könne er uns auch keinen Liegeplatz zuweisen, denn der Hafen sei ausgebucht. „It’s full!“ – der Hafen ist voll. Von dieser Behauptung ließ er sich auch nicht durch unseren Hinweis auf ein halbes Dutzend freier Liegeplätze abbringen. Mit einer Handbewegung zeigte er uns die Richtung nach draußen zur Ankerbucht.

Dort sollten wir dann im Laufe der nächsten drei Tage eine große Zahl weiterer Segler treffen, die ebenso wie wir vorab einen Liegeplatz in der Marina reserviert hatten, aber schließlich wegen „Überfüllung des Hafens“ abgewiesen wurden, obwohl längst nicht alle Liegeplätze belegt waren. Wir waren nicht wirklich böse drum, denn Ankern in klarem Wasser, wenn auch nicht ganz einsam, passt zur vorangegangenen Erholung auf See. Endlich ist auch für uns das Wasser warm genug zum Baden – vor Mitte Oktober gehen wir grundsätzlich nicht ins Wasser.

Land in Sicht! Unser erster Landkontakt bei der Ansteuerung der Kanaren.

Land in Sicht! Unser erster Landkontakt bei der Ansteuerung der Kanaren.

Unseren Segelfreunden Petra und Klaus von der „Lubini“ ist es letztendlich zu verdanken, dass wir heute doch eine der freien Boxen in der Marina beziehen durften. Petra und Klaus hatten im Rahmen eines ausgedehnten Landspaziergangs persönlich im örtlichen Hafenbüro vorgesprochen, und ihre Charmeoffensive hatte Erfolg. Jetzt liegen wir also in der Marina mit fließendem Wasser am Steg, aber ohne Strom und Internet. Da die Siesta jetzt (16.30 Uhr Ortszeit) beendet sein dürfte, machen wir uns in wenigen Minuten auf den Weg. Vielleicht finden wir in eine Bar mit WiFi, um dieses Ahoi loszuschicken. Und wenn wir besonders großes Glück haben, treffen wir sogar noch einen Menschen im Hafenbüro, um dort einklarieren und unser Hafengeld bezahlen zu können…

Update: Das Hafenbüro hat von Freitag Mittag bis Montag Morgen geschlossen. So lange dauert die Wochenend-Siesta hier. Dafür gab es Tapas satt ohne WiFi in einem Restaurant am Hafen.

Update 2: Haben gerade in der 3. Reihe des Dorfes eine kleine Bar mit WiFi gefunden. Yep!

Statistik:

Weg über Grund: 2854 sm

Madeira – Isla Graciosa: 277 sm

Hafengeld Isla Graciosa: bisher 3 Tage vor Anker 0 Euro

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Eine Antwort zu “„Der Hafen ist voll“ – voller leerer Plätze

  1. Wenn es nach dem Marinero geht, kommt kein Schiff in den Hafen. Das mussten wir damals auch erfahren; da der Hafenmeister Pedro aber zufällig auch mal körperlich anwesend war, durften wir direkt an einem Liegeplatz festmachen. Köstlich, es hat sich NICHTS verändert! Kein Strom, dafür aber reichlich Wasser. Achtet darauf, ob die Einheimischen schwimmen gehen. Falls nicht, gibt es wahrscheinlich Feuerquallenalarm. Nur den Seglern sagt man nichts, warum auch??

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