Auf Sand gebaut

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Gran Canaria, Teneriffa, Lanzarote, Gomera: die Kanaren halt. Kennt man doch! Aber mal ehrlich: Schon mal vorher was von La Graciosa gehört? Diese kleine Insel gehört ebenfalls zu den Kanaren. Hätte uns hier jemand im Dunkeln ausgesetzt, hätten wir am nächsten Morgen vermutet, irgendwo in Marokko oder in Mexico gelandet zu sein. Sand wohin das Auge blickt. Und wenn der Wind auffrischt, hat man den Sand gleich in den Augen. Auf jeden Fall hat man ihn aber ausgiebig zwischen den Zehen. Am Horizont ein paar karge Hügel. Vereinzelt sieht man ein paar Riesenkakteen und eine Palme, die nach Wasser schreit. Die Hauptstraße ist eine Sandpiste mit einer Reihe flacher, weißer Häuser. Selten trifft man dort auf Menschen.

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High Noon in la Graciosa, man hört fast die Titelmelodie von „spiel mir das Lied vom Tod“

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Ab und zu wächst doch was

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Abends – ausgestorben

Die meisten Urlauber kommen als Tagesgäste nach La Graciosa, denn die Insel ist ein großes Naturreservat und bildet zusammen mit einigen unbewohnten Felseninseln ein „Meeresschutzgebiet mit dem Schwerpunkt Fischfang“. Ein Hotel oder einen Swimmingpool sucht man hier vergebens. Und trotzdem, oder gerade deshalb, fühlen wir uns hier pudelwohl. Es gibt hier einen kleinen Supermarkt, eine Bäckerei, ein bis zwei Restaurants und (wichtig für uns!) eine Bar mit Internetzugang. Die Preise sind wie früher (Bier/Wein: 1,50 €, Mittagessen: 5 €), und jeder Sonnenuntergang ist großes Kino. Ach, geht’s uns schlecht!

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So wird hier die Post ausgetragen

Doch nun haben wir genug vom turbulenten Stadtleben. Gleich geht’s wieder raus in die Bucht, vor Anker. Schwimmen mit Köpper von der Bordwand, ausruhen, lesen, etwas trinken, etwas essen und das Gleiche dann wieder von vorn. Ausgiebig Schlafen nicht zu vergessen, denn um halb acht wird es hell und um halb acht wird es wieder dunkel. In zwei oder drei Tagen werden wir uns dann nach Arrecife auf Lanzarote verholen. Dort werden wir dann mit den Vorbereitungen für unsere Atlantiküberquerung beginnen, aber davon später mehr …

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Dramatische Sonnenuntergänge – täglich

Äh, um jedem falschen Eindruck vorzubeugen: Auch auf La Graciosa bleiben wir unserem Motto treu: Wir reparieren uns an den schönsten Plätzen um die Welt. In den vergangenen zwei Tagen ging es um die Baustelle Kurzwellen-Funk, Amateurfunk, SSB, HAM-Radio, Pactor-Modem. Seit unserer Abreise aus Holland im Mai fahren wir eine schweineteure Anlage spazieren, ohne bislang einen Funkspruch oder eine E-Mail damit abgesetzt zu haben. Doch nun sehen (bzw. hören) wir Licht am Horizont, dank Alfons von der Segelyacht Murada. Alfons ist Physiklehrer, Amateurfunker und außerdem noch saunett und hilfsbereit. Zwei volle Arbeitstage hat er unsere Anlage gecheckt, zerlegt, gelötet und wieder zusammengebaut.

Hintergrund: Als bekennende Technik-Deppen (aber mit Funkzeugnis!) haben wir uns auf der diesjährigen Messe boot in Düsseldorf beraten und eine Anlage zusammenstellen lassen, nachdem wir ausführlich geschildert hatten, für welche Zwecke wir das Gerät brauchen (Empfang von Wetterdaten und Versand von E-Mails auf See, Funkrunden mit anderen Seglern etc.). Und was haben wir bekommen: eine Amateurfunkanlage, die in den für Segler relevanten Frequenzbereichen blockiert ist! Kein Wunder also, dass auf den gängigen Seefunkfrequenzen bislang kein Funkgespräch und kein Datenaustausch zustande kam.

Alfons hat nun einige kleine, mikroskopisch feine Metallbrücken von der Platine entfernt, und damit das Amateurfunkgerät auch für Seefunkfrequenzen geöffnet, dann noch ein paar Änderungen im Setup, ein paar zusätzliche Kabelverbindungen und und und … Ehrlich: Ohne Alfons hätten wir die ganze Mimik bei nächster Gelegenheit versenkt oder dem nächsten selbsternannten oder echten Experten Hunderte von Euros in den Hals geworfen, damit er die Anlage zum Laufen bringt. Unsere Leidensgrenze auf dieser Baustelle war eindeutig erreicht.

Statistik:

Weg über Grund: 2854 sm

Madeira – Isla Graciosa: 277 sm

Hafengeld Isla Graciosa: 8,15 Euro, Duschen: nicht vorhanden

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4 Antworten zu “Auf Sand gebaut

  1. Hömmmaaa! Ich glaub‘ das ja wohl nich‘! Ihr fühlt euch pudelwohl auf dieser Sandinsel, weil ihr keinen Swimmingspool entdeckt habt? Habt ihr stattdessen vielleicht ein paar Kamele durch die Dünen rennen sehen oder gar eine Oase, zu der ihr auf allen Vieren hingerobbt seid, oder so….? Oder habt ihr vielleicht nur zuviel Sonne und Rotwein gehabt?
    Nichts für ungut – ich merke, es geht euch ausgesprochen gut. Das freut mich sehr – und: Macht genau weiter so!
    Herzlich, Euer
    Malte

  2. Was für ein verschlafener Ort. Wovon leben die Menschen dort? Vom Fischfang?

    Schön, dass eure Funkanlage nun wieder funktioniert. So einen Alfons kann man gar nicht hoch genug schätzen.

    Viel Freude noch und lieben Gruß

    Vera 🙂

  3. Trotz aller Technik Probleme: Ich beneide Sie. Gruessen Sie mir Lanzarote, wo ja beständig die Sonne scheint. Hier wird es jetzt ziemlich ungemuetlich. Fuer heute Nacht ist die erste Sturmflut mit Windstärke 10 und mehr angekündigt. Habe im Regen gerade alles festgezurrt, was fliegen kann. Gerne denke ich da an Lanzarote. Viel Glück.

  4. La Graciosa ist irgendwie nicht von dieser Welt. Wunderbar 🙂 Und schön, dass die Funke jetzt richtig funktioniert. Dann könnt Ihr ja jetzt auch E-Mails direkt von Bord senden. Genießt die Zeit im Paradies und lasst es Euch gut gehen!

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