Die unendliche Geschichte……

Lanzarote 097

…. der Kommunikationsprobleme

Nachdem wir das Thema Proviantierung zufriedenstellend abgeschlossen haben, ergeben sich neue und alte schwerwiegendere Probleme.

Auf dem Atlantik sind wir per Handy und UKW-Funk nicht erreichbar, aber auf eine Verbindung zum Land doch angewiesen oder wir wünschen sie uns zumindest, um unsere Position durchgeben zu können, Wetterberichte zu empfangen und E-Mails zu senden. Dies sollte entweder über ein Satellitentelefon oder über Kurzwellenfunk mit einem Modem funktionieren (wir haben bereits mehrfach darüber berichtet).

Eine Horrorstory, nein zwei!

Ein Satellitentelefon haben wir über Ebay Kleinanzeigen vor etwa drei Wochen erworben und den österreichischen Verkäufer gebeten, dieses an unseren Mitsegler Klaus-Peter zu schicken, damit er es am Freitag bei seiner Anreise mitbringen kann. Alle haben gespannt gewartet, wann es ankommt, dann war ja auch noch Bahnstreik, also haben wir uns in Geduld geübt. Bis heute. Klaus-Peter hat nun telefonisch nachgehakt, wo das Päckchen geblieben sein könnte, und es stellte sich heraus, dass der Verkäufer es sinnigerweise an unsere alte, seit sieben Monaten nicht mehr gültige Adresse in Dortmund geschickt hatte – wo es natürlich nicht mehr ankommen konnte. Eine Nachforschung bei DHL ergab, dass es sich auf der Rückreise nach Österreich befindet, weil nicht zustellbar. Aber wo genau, konnte uns keiner sagen. So werden wir unsere Reise wohl nun ohne Satellitentelefon antreten müssen. Bleibt nur zu hoffen, dass der gute Mann fähig ist, das zurückgekehrte Telefon bis Mitte Dezember wenigstens an unsere Münchener Postanschrift zu senden, damit unsere nächsten Besucher Moritz und Ana uns es quasi als Weihnachtsgeschenk in die Karibik mitbringen können.

Teil zwei der Horrorstory begann bereits im Januar. Auf der großen Bootsmesse in Düsseldorf bestellten wir bei Bonito, einem Händler für Funkgeräte, ein Kurzwellenfunkgerät mit einem Pactormodem, um von See aus über Kurzwelle Daten senden und empfangen zu können (Wetterberichte und E-Mails) sowie nötigenfalls auch auf Seefunkfrequenzen mit anderen Seglern Kontakt aufnehmen zu können. Der Einbau und vor allem die Inbetriebnahme einer solchen Anlage ist nicht ganz trivial, das war uns bewusst und deshalb haben wir bekennenden Technikdeppen unseren Freund und Amateurfunker Andreas zu Hilfe gerufen. Er baute das Ding ein, schaffte mit Peter zusammen eine Erdung im Schiff, ohne ein Loch in den Rumpf bohren zu müssen, indem sie einen 2 qm großen Teil des Rumpfes von innen mit Kupferfarbe ausmalten. Teuer, das Zeug! Vom Preis her hatten wir das Gefühl, wir hätten auch Blattgold nehmen können…

Ausprobieren konnten wir es vor dem Start aber nicht, weil das Achterstag, das als Antenne dient, erst Stunden vor unserer Abreise gesetzt wurde, und nicht, wie versprochen, einen Monat vorher. So mussten wir unterwegs alleine ohne fachkundige Assistenz versuchen, das ganze ans Laufen zu bringen. Das mitgelieferte Antennenkabel erwies sich um 1,5 m zu kurz. Weder in Frankreich noch in Spanien war ein entsprechender Ersatz zu bekommen. Ein Anruf beim Händler Bonito und die Bitte, uns doch das passende Kabel zu besorgen, ergab die Antwort, dass er es auch erst woanders besorgen müsse und sein Verdienst dabei so gering sei, dass wir uns doch gefälligst selbst darum kümmern sollten. Zuletzt haben wir es aus Deutschland mitbringen lassen. Das bescherte uns zumindest schon mal ein Rauschen auf allen möglichen Frequenzen, aber auch nicht mehr. Sohn Jakob popelte mit Hingabe am Gerät und an der Software rum. Peter verbrachte Tage und Nächte mit dem Lesen von Manuals, die alle von Nerds für Nerds geschrieben sind und hatte dementsprechend oft schlechte Laune anschließend. Ein Durchbruch schien erreicht, als wir Physiklehrer Alfons kennen- und lieben lernten. Er opferte etwa zwei Tage, um festzustellen, dass man uns ein Amateurfunkgerät verkauft hatte, bei dem die Seefunkfrequenzen nicht freigeschaltet waren, und er konnte dieses Problem auch noch beheben! Nun konnten wir immerhin schon mal was hören und Alfons konnte auch uns hören.

Aber die Datenverbindung klappte immer noch nicht. Die mitgelieferten Kabel waren falsch gepolt und nicht zu gebrauchen. Wir bestellten in Deutschland bei Bonito Ersatz und ließen es von Freund Andreas mitbringen, der uns seit gestern hier besucht. Und – man ahnt es schon – die Kabelverbindung war wieder verkehrt. Andreas hat einen ganzen Urlaubstag geopfert und geschraubt und gelötet, anschließend hat Jakob Peter nochmal per Telefonkonferenz bei der Software unterstützt. Resultat: es geht nicht, aber es geht voran.

Lanzarote 093

Andreas bei der Arbeit

b

Nochmals vielen Dank an Bonito für die ungenügende Beratung und Unterstützung! Wir haben ja auch nur die geringfügige Summe von 3700 Euro investiert.

Trotz alldem sind wir fröhlich und nehmen es gelassen. Früher sind die Segler auch ohne Satellitentelefon und Wetterbericht über den Atlantik gesegelt.

Die angebotenen Seminare haben wir brav besucht, um festzustellen, dass wir gar nicht mehr so viel dazu zu lernen hatten, wir scheinen zumindest theoretisch ganz gut vorbereitet zu sein. Wie gut, wird der Praxistest dann schon zeigen. Atlantik – wir kommen!

Lanzarote 092

Florentine mit großer Wäsche – im Regen

Advertisements

3 Antworten zu “Die unendliche Geschichte……

  1. Jetzt aber mal raus mit der Sprache: Wo wohnt dieser Bonito? Wenn ihr einverstanden seid, fahre ich den mal abends besuchen…
    Herzliche Grüße
    Malte

  2. Peter, wer braucht schon Funk oder Telefon, wenn es auf grosse Fahrt geht. Ist doch viel wichtiger, dass Ihr keinen Müll über Bord werft, die Plastikflaschen sammelt und die Taschentüchern liebevoll kleinreist. Mit der Geschichte konnte ich schon zwei Partys belustigen. Auf den zerrissenen Taschentüchern könntet Ihr kleine Botschaften – auch an den geschäftlich allzu umtriebigen Bonito – aufschreiben und steht somit im direkten Draht zur Welt.

  3. hau haua ha, gruß aus Kiel von nem alten Schulkumpel. Tolle Sache, die ihr da macht!!! Schönet Schiff. Wünsch euch was,
    handbreit,
    Wolfgang
    P.S: unterstütze gern das „Projekt“ Hausbesuch 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s