Klaus-Peters Gast Ahoi – Unendliche Weiten

Atlantik 006

Unendliche Weiten – O.K., das Bild ist geklaut aus dem Logbuch des Raumschiffes Enterprise. Aber Schiff ist schließlich Schiff. Und die Vorstellung vom Senegal achteraus, von Venezuela Backbord voraus und von Martinique, Mustique und weiteren fremden Inselwelten recht voraus hat schon etwas von fernen Galaxien.

Ohne den Worb-Antrieb der Enterprise (wie immer man den schreibt) und angesichts seglerischer Tagesetappen sind Entfernungen bis zum Land zudem wirklich galaktisch. Mehr als eine Woche ohne Blickkontakt zu einem anderen Schiff – nicht mal auf den Displays von Radar und AIS tauchen Signale auf. Zu der/den Liebsten daheim besteht seit drei Wochen kein Kontakt. UKW schweigt. Immerhin besteht gelegentlich verrauschte Kurzwellen-Kommunikation zu den Skippern auf zwei Wegbegleitern.

Leben ist schon anders während einer Atlantiküberquerung. Habe ich mir das so vorgestellt? Ehrlich gesagt ja! Wir sind schon das Dreamteam, das ich erhofft habe. Keine Konflikte, keine Nörgeleien, hohe Verantwortung für das gemeinsame Projekt und z.B. die Wachen. Kathrin sorgt zusätzlich zu ihren seglerischen Anteilen für tägliche warme Mahlzeiten und Knabbervorrat für die Nacht. Ganz coole Bordfrau strickt sie auch bei 25 Knoten Wind und 6 Metern Welle gern stundenlang unter Deck. Der Captain ist aus Überzeugung zugleich leitender Bordingenieur. Peter vollzieht täglich das Schiff einem Inspektionsrundgang und legt wann immer nötig eine (wie man in Dortmund sagen würde) Reparaturschicht ein. Natürlich ist er Zuppelkönig geblieben und kennt die optimale Stellung seiner Segel. Die beiden sind fest verwachsen mit ihrer Florentine. Ich bin da wirklich eher Gast.

Und Florentine ist ohnehin topp. Was Peter und Kathrin für ihr Langzeitprojekt konzipiert und investiert haben geht auf von Energie bis Ray Marie. Größere Ausfälle gab es bisher nicht. Nur der Sprung ins moderne Funk- oder Satteliteninternet blieb uns verwehrt. Vielleicht aber macht das einen Teil der besonderen Erfahrung aus?

Schiff und Crew wurden durchaus gefordert. Zwei Sturmnächte haben wir hinter uns. Vor allem die zweite hat uns hart getroffen mit zusätzlich Gewitter und Wasser ohne Ende, nächtlichem Beilieger über einige Stunden. Florentine hat es gut überstanden und wir haben uns längst erholt. Dass es auch solche Momente geben würde, war ja nicht unwahrscheinlich. Aber es gibt auch wie jetzt gerade wieder gemütliche Sonnentage mit mäßigem und konstantem Wind.

Grenzerfahrungen bringen nicht nur 40 Knoten Wind und Kreuzseen. Aber die auch. Viele Jahre Segelerfahrung helfen da. Der Atlantik ist eine Erweiterung, die ich nicht missen möchte – aber auch eine Erfahrung, die ich nicht schon zu Beginn eines Segellebens hätte machen wollen. Einsamkeit bei Nacht mit nur Dunkelheit rund um oder der Blick auf Welle und Wolken bei Tag über unzählige Stunden machen den Kopf leer und fahren Bewusstsein richtig runter. Viel Zeit zum Träumen oder Meditieren. Wieviel man davon speichern kann wird sich zeigen.

Alltag auf dem Atlantik hat auch viele kleine Besonderheiten. Dazu gehört sicher das Salzwasserbaden an Deck mit optischen und akrobatischen Herausforderungen. Gut, dass uns keiner sieht! Eingeschäumt mit Salzwassershampoo wird auch Teak zu schlüpfrigem Parkett. Modisch haben wir sicher in Schlechtwetterstunden Zeichen gesetzt. Die Kombination aus Schwerwettersegeljacke mit unten nix hat ihre Vorteile. Sie stößt aber an ästhetische Grenzen und ist womöglich auch nicht ohne Verletzungsrisiken.

Ein Gastfazit schon vor dem Ende (noch drei, vier, fünf Tage – je nachdem): Großartig, dass ich Dank Kathrins und Peters Projekt dieses Abenteuer starten konnte. Ich hätte es auch aus heutiger Sicht wieder angetreten. Ob ich den Atlantik noch einmal queren wollte? Ich weiß es nicht. Einfach nur wiederholen werde ich unsere Odyssee sicher nicht. Es müssten schon noch einmal besondere Umstände perfekt zueinander passen. Und auch dann würde es mir schwer fallen, noch einmal so lange komplett getrennt zu sein. Dies wird also höchst wahrscheinlich mein längstes Seestück sein. Eines dass ich nicht missen möchte, aber auch nicht toppen muss.

Danke schön an Kathrin, Peter und Florentine!

Dienstag, 9. Dezember

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Unsere Freunde beim Abschied in Lanzarote

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Skipperbriefing

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Auf dem Weg zum Start

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Kathrin beim Auspacken ihrer Adventsgeschenke, Hurra, Wolle!

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Peter beim Auspacken seiner Geburtstagsgeschenke

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Klaus-Peter nimmt im Cockpit eine Meerwasser-Dusche.

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Bad im Atlantik auf 5000 Meter Wassertiefe

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5 Antworten zu “Klaus-Peters Gast Ahoi – Unendliche Weiten

  1. Lieber Peter, freue mich sehr über dein gelungenes Abenteuer, die glückliche Ankunft, das du deinen Traum verwirklichen konntest und doch ein Bad im Atlantik genommen hast, ohne zu wissen, wieviel böse Fische 5000 Meter unter dir sind :-). Ich kenne sie ja vom Tauchen. Dir noch eine entspannte Zeit auf Martinique und wir freuen uns alle sehr, wenn du wieder da bist. Liebe Grüße aus Dortmund und einen guten Rückflug wünschen Susi und Jörg – unbekannterweise liebe Grüße an Kathrin und Peter

  2. Ahoi an das FLORENTINE-Team! Ich habe Eure Reise auf der Website verfolgt, Gratuliere zu der sicheren Überquerung und dem Frieden an Bord. Wer hat denn nun die Wette mit den Überquerungs-Tagen gewonnen? Ich jedenfall nicht, der ich auf 21 Tage getippt hatte. Bei beiden meiner Atlantiküberquerungen wollte ich nie, dass es aufhört, insofern ist die Frage auch egal. Hauptsache es war SCHÖÖÖÖÖÖN:
    Euere Klaus Hympendahl

  3. Lieber Klaus Peter ,
    freue mich für dich, das du dies erleben konntest.
    Ein toller Bericht mit Gedanken und Eindrücken der Überquerung.
    Toll das es Euch gelungen ist auch gesund rüber zu kommen. Genießt noch die Zeit zusammen.
    LG an Kathrin und Peter

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