Und der Himmel begann zu weinen …

Martinique 046

… als unser Freund und Atlantiksegler Klaus-Peter uns verließ.

Doch von vorne: Nach einer enthusiastischen Begrüßung am Steg durch die anderen Atlantic-Odyssey -Teilnehmer und einigen Begrüßungsgläsern fielen wir alle drei in einen tiefen, komatösen Schlaf, nur unterbrochen durch das Hochschrecken zu den üblichen Nachtwachezeiten. Merkwürdig war das fehlende Schaukeln und die Stille: kein Gluckern, kein Knarzen, kein Rauschen mehr.

Am nächsten Morgen stand zunächst Einklarieren auf dem Plan. Bereits der Weg zum Hafenbüro trieb uns den Schweiß auf die Stirn – wer hatte denn hier die Heizung angemacht? Unser Gang war noch ein wenig breitbeinig und der Boden schwankte ab und zu.

Als Nächstes haben wir die wichtigsten Bedürfnisse befriedigt: DUSCHEN und einen Weg zum Markt, um frisches Obst und Salat zu erwerben. Der Appetit auf Frisches war riesig! Der lokale Markt war ein Erlebnis für sich, nicht nur die Vielfalt der Stände, sondern auch der bereits auf Flaschen gezogene Rumpunsch, den man auch gleich probieren konnte. Da mussten natürlich auch gleich zwei Flaschen auf Vorrat mit. Das zusätzlich angebotene Aphrodisiakum haben wir allerdings verschmäht.

Martinique 048 Martinique 050

Die nächsten Tage vergingen mit Putz- und Reparaturarbeiten, Schiff entsalzen, Wäsche waschen und Treffen mit den anderen Atlantiküberquerern, um Erlebnisse auszutauschen und das wunderbare Gefühl zu teilen: WE DID IT!

Sonntag Abend hatten die Veranstalter dann noch eine Party für die Spätankommer organisiert, mit Planters Punch, Fingerfood und einer lokalen Band, die aufspielte, dass es allen in den Füßen zuckte.

Martinique 008

Am Montag pumpten wir das Dinghi auf und erkundeten die Bucht, die wir beim Einlaufen ja nur im Dunkeln gesehen hatten. Etwa eine Stunde waren wir unterwegs zu einem schönen Sandstrand, der zum örtlichen Club Med gehörte, wo wir aber problemlos zum Baden anlanden konnten. Türkisblaues Wasser (28°), Sandstrand, Palmen – so hatten wir uns das vorgestellt! Allerdings haben wir es sowohl auf dem Hin- wie auch auf dem Rückweg geschafft, mit dem Dinghi auf eine Untiefe aufzulaufen. Dies scheint einigen anderen Skippern auch schon passiert zu sein. Man sieht einige Wracks von ehemals wohl schönen Yachten. Das Anker- und Mooringfeld ist riesig, mehrere hundert Schiffe von klein bis groß, von luxuriös bis heruntergekommen liegen dicht nebeneinander.

DCIM100GOPRO DCIM100GOPRO DCIM100GOPRO

Tags darauf mieteten wir für zwei Tage ein Auto, um etwas von der Insel zu sehen. Die Tipps zum Sightseeing, die wir bekommen hatten, erwiesen sich als prima:

La Savanne d´Esclaves, eine Art Freilichtmuseum zur Geschichte der Sklaverei auf Martinique mit Hütten, in denen die später freigelassenen Sklaven lebten, und allen Pflanzen, Kräutern und Bäumen, die sie zum Leben benötigten. Toll, Guaven direkt vom Baum zu probieren und zu lernen, dass eine Ananas zwei Jahre bis zur Ernte benötigt. Einen Brotfruchtbaum hatten wir auch noch nie von Angesicht zu Angesicht gesehen und jetzt wissen wir auch, wie eine Kalebasse wächst.

Martinique 063

La Savanne d´Esclaves

Die Kochstelle befindet sich draußen vor der Wohnhütte.

Die Kochstelle befindet sich draußen vor der Wohnhütte.

Martinique 060

Die Hütten sind winzig uns bestehen nur aus einer Schlafgelegenheit…

Martinique 058

… und aus einem kleinen Wohn- und Arbeitsraum.

Martinique 055

Hütte mit Ausstellungsstücken und Informationen zur Geschichte der Sklaverei aus Martinique.

Martinique 016

Ein Paar Sandalen

Auf dem Weg zum nächsten Highlight machten wir für ein Stündchen Halt bei Mr. Bricolage, einem Baumarkt, um Ersatzteile zu besorgen. Wir wissen gar nicht, was uns länger darin festgehalten hat, die große Auswahl an Gartenschläuchen, Toilettenbrillen, Schrauben oder doch die Aircondition?

Im Norden der Hauptstadt Fort-de-France liegt in den Bergen der Jardin de Balata, ein botanischer Garten vom Feinsten. Der teure Eintritt von 13 € war sofort nach dem Eingang vergessen, als wir uns von Kolibris umschwirrt wiederfanden, die dort an kleinen Tränken mit Zuckerwasser gefüttert werden. Und der Garten ist einen Besuch wert, seht selbst:

Martinique 021

Wohnhaus am Eingang zum Jardin de Balata

Martinique 022

Kolibri an der Zuckerwasser-Bar

Martinique 029

Was macht der Klaus-Peter da unten auf dem Boden?

Ach so!

Ach so!

Martinique 033

Spaziergang auf dem Baumwipfel-Pfad.

Martinique 023 Martinique 025 Martinique 030 Martinique 036 Martinique 041

Martinique 073 Martinique 078

Auf dem Heimweg musste noch ein Halt bei einer Rumdestillerie eingelegt werden, die sich allerdings im Moment noch im Winterschlaf befindet. Ab Februar, wenn das Zuckerrohr geblüht hat und geerntet werden kann, wird sie für 3-4 Monate in Betrieb genommen, den Rest des Jahres stehen die Förderbänder und Pressen still und werden gewartet. Auch eine Verkostung musste sein…

Martinique 084

Mit dieser Maschine aus dem Jahr 1926 wird der Saft aus dem Zuckerrohr gepresst – der Grundstoff für die Rum-Herstellung.

Martinique 037

Keine Destillerie-Besichtigung ohne anschließende Verkostung des Produktes

Den Dienstag widmeten wir der Ostküste und der Hauptstadt Fort-de-France. Hier ist es quirlig, lebendig, gar nicht so touristisch und furchtbar heiß. Freie Parkplätze sind in der Stadt eine absolute Rarität, ebenso haben wir vergeblich nach einem lauschigen Café oder einem schnuckeligen Restaurant Ausschau gehalten. Wir haben dann Hunger und Durst ebenso wie die Einheimischen in einem lokalen Schnellrestaurant gestillt – wobei das Wörtchen „schnell“ hier eine ganz andere Bedeutung hat. Am späten Nachmittag lieferten wir mit nicht nur einem weinenden Auge Klaus-Peter am Flughafen ab. Es war schön mit Dir, mein Lieber und wir vermissen Dich jetzt schon!

Martinique 042

Tsunami-Warnschild in Le Vauclin an der Atlantikküste im Osten Martiniques.

Gestern mussten wir umziehen, eine Woche kostenloses Liegen war im Atlantic-Odyssey-Paket inbegriffen. Jetzt hat man uns vom VIP-Steg vertrieben in eine der hinteren Ecken der Marina verlegt. Ist aber gar nicht so schlimm, da die anderen Schiffe, die ja meist vor uns angekommen waren, sich fast alle schon auf den Weg zu neuen Ankerplätzen gemacht haben. Wir sind froh, trotz Hochsaison und vieler Vorreservierungen noch bis Weihnachten bleiben zu können. Dann machen wir uns mit dem nächsten Besuch – Sohn Moritz mit Freundin Ana – auch auf den Weg nach Süden.

Advertisements

4 Antworten zu “Und der Himmel begann zu weinen …

  1. Liebe Florentine-Crew, ich kann immer noch Euren Enthusiasmus teilen, obwohl ich schon mehrfach in Martinique angekommen war. Ihr habt das auch wunderbar dokumentiert. Ich bereite meinen Gästen an Bord und auch zu Hause oft den berühmten T-Punch zu, den Ihr ja inzwischen genossen habt. Weiterhin sicheres Segeln und die richtigen Winde. Euer Klaus Hympendahl

  2. Liebe Florentine-Crew super das es mit der Atlantiküberquerung so gut geklappt hat.
    Wegen drr Flaute ist meine Fahrtzeitschätzung
    ja gründlich daneben gegangen.Na ja…mein
    Zahnarzt ärgert sich…..

    Um wenigstens annähernd das Gefühl von dem schönen warmen Meerwasser bei euch zu bekommen
    habe ich mich zur Ahoilektüre in die warme Badewanne gesetzt. Draussen heult der angekündigte Orkan und es regnet in strömen.

    Zu Weihnachten sind im Sauerland 10 Grad und
    Dauerregen gemeldet. Sie sind zu beneiden.

    L.G. Olav Schulte

  3. Hallo Ihr Lieben,
    während ich Bilder mit glücklichen Seglern vor Palmen betrachte, lässt der Starkwind gerade den Hagel an die Scheiben prasseln. Ich gebe zu, dass sich zur leichten Winter-Depression der Neid gesellt hat.
    Trinkt einen Rumpunsch für mich mit!

    Gruß Lutz

  4. …nun genießt Ihr die Karibik also in vollen Zügen. Tolle Bilder und es gibt Rumpunsch an Bord von FLORENTINE! Huu huu, da bekommen wir heftig Fernweh und können uns nur schwer bremsen, die Leinen loszuwerfen.
    Liebe Grüße
    die AQUARIA-Crew
    in Lagos, Algarve, heute am 4. Advent wolkenlos, 17°C, nachts 5°

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s