Fluch der Karibik Teil eins bis drei

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Am 24.12. legen wir mit Sohn Moritz und Freundin Ana ab, ganze zwei Meilen weit. Nach Bunkern für zwei Wochen sind wir alle verschwitzt und wollen nur noch baden. Wir legen uns in der Bucht St.Anne vor Anker und springen kollektiv unter Juchzen ins Wasser. Heiligabend mal anders, mit Burger grillen, aber mit Weihnachtsoratorium.

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Weihnachtsschwimmen

 

Am nächsten Tag machen wir uns gegen Mittag auf einen längeren Schlag, 100 Meilen nach Süden. Anas erste Atlantiknachtfahrt mit Florentine. Erst läuft es prima, wie gehabt, zwischen den Inseln der Düseneffekt mit viel Wind, hinter den Inseln eher Flaute. Dann passiert es ausgerechnet dem Käptn, beim Ausreffen der Genua, natürlich im Dunkeln, vertüdelt sich die Leine der Rollreffanlage. Das bedeutet auch bei mehr Wind mit viel Segel zu fahren. Viel Schlaf kriegen wir alle nicht mehr bis Bequia, wo wir am frühen Vormittag einlaufen und einklarieren. Wir bekommen eine Mooringboje in der ersten Reihe direkt vor dem berühmten Hotel Frangipani, treffen Crews von der Atlantic Odyssey wieder und erfreuen uns abends an der absolut schrillen Weihnachtsbeleuchtung. Mit einem Pick-up-Taxi geht es in „Fernandos Hideaway“, ein Geheimtipp, in dem der catch of the day täglich superlecker zubereitet wird. Wir schlemmen und haben das Gefühl: zwick mich mal!

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Ana nach überstandener Nachtfahrt

Ana nach überstandener Nachtfahrt

Am 28.12. geht es weiter Richtung Süden in die Tobago Cays ans Horse Shoe Riff. Auch dort wird uns von einem netten Boatboy eine Mooringboje gereicht. Direkt nebenan kann man mit Schildkröten schnorcheln, etwas weiter am Riff mit vielen bunten Fischen.

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Am zweiten Abend lassen wir uns von dem netten Boatboy Michael an Land shutteln zum Lobster-Barbecue. Füße im Sand, Kerzen in leeren Wasserflaschen, Palmen, Wind, Mond und Sterne, schon wieder das zwick-mich-mal-Gefühl. Besteck und Getränke haben wir selber mitgebracht.

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Hier lebt er noch, der Lobster

 

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Hier werden die Lobster gekillt

 

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Lobster Barbecue

 

Als alles verzehrt ist, lassen wir uns zurück aufs Schiff bringen, überprüfen nach dem letzten Sundowner nochmal, ob alles gut verzurrt ist und gehen schlafen. Am nächsten Morgen ist das Erstaunen groß: WO IST UNSER DINGHI? Abgetrieben? Nein, geklaut! Wir fahren nochmal den Strand ab, aber es ist nicht wiederzufinden. Sehr ärgerlich!

Erstmal ist das nicht schlimm, weil wir als nächstes Petit St. Vincent anlaufen, eine Privatinsel, auf der man sowieso nicht an Land gehen darf. Beim Passieren des Riffs sehen wir DAS Postkartenmotiv: ein einsamer Sandhaufen mit Sonnenschirm drauf. Und dann ankern wir in dem klarsten türkisen Wasser, das man sich vorstellen kann. Anker unten und Kopfsprung ins Wasser!

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Silvester geht es am Wind nach Mayreau, wo wir an einer Boje in der Nähe des Fähranlegers festmachen. Die Einladung einiger Langfahrtsegler zum Sundowner am Strand müssen wir mangels Dinghi ausschlagen, aber wir lassen uns die Laune nicht verderben und tafeln fürstlich ins neue Jahr hinein. Ab jetzt fragen wir bei jeden Boatboy, der an die Bordwand klopft, nach einem gebrauchten Dinghi, leider ohne Erfolg.

 

Neujahr segeln wir mit viel Wind nach Canouan, auch hier machen wir an einer Boje fest, wir tanken Wasser vom Boatboy und auch hier können wir nicht an Land.

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So geht hier Wassertanken an der Boje

 

Am zweiten Januar ist unser Ziel eigentlich Mustique, aber dafür ist viel zu viel Wind, es bläst mit 30 bis 49 Knoten. Nachdem eine Welle von beiden Seiten ins Cockpit eingestiegen ist, die Brille des Käptn trotz Brillenbändsel mitgenommen hat und unter Deck alles durcheinandergeflogen ist, entscheiden wir uns, wieder nach Bequia zu fahren. Es ist ein harter Kampf gegen Wind und Welle, aber als wir in Bequia in die Princess Margaret Bay einlaufen, sehen wir zu unserer großen Freude alte Bekannte: Die „Vida“ und die „Hapa Na Sasa“ ankern hier. Am nächsten Morgen schwimmen Moritz und Ana zum Strand und gehen einkaufen, wichtige Dinge wie Rum, Toilettenpapier, Nudeln und Zigaretten. Sie bringen alles trocken zum Schiff zurück. Nachmittags bringt uns Bernhard von der Vida trockenen Fußes zum Strand und wir mieten ein Pick-up-Taxi und machen eine Inselrundfahrt mit Besuch einer Schildkrötenaufzuchtstation.

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Auf dem Weg zum Sundowner im Frangipani-Hotel treffen wir weitere alte Bekannte, „Lubini“ und „Rote Grütze“, die wir zuletzt auf den Kanaren gesehen hatten. Die Freude ist riesig, Atlantikerlebnisse und Tipps für die weitere Reise müssen ausgetauscht werden. Abends gibt es riesige Lobsterpizza bei „Macs“, es ist so viel, dass sogar Moritz nicht alles aufessen kann. Zurück zu Florentine fahren wir mit dem Wassertaxi, unsere Chauffeuse hat eine Stirnlampe mit Positionsleuchten auf dem Kopf und ist ungeheuer nett. Da immer noch ordentlicher Starkwind aus Nordost bläst, bleiben wir einen weiteren Tag und treffen alle Freunde nochmal. Der Abend klingt auf der Vida aus, mit leiser Wehmut, die vier sind uns sehr ans Herz gewachsen und segeln jetzt weiter nach Süden, während wir uns wieder auf den Weg nach Martinique machen müssen.

Eigentlich wollten wir uns am 4.1. zeitig auf den Weg nach St. Vincent machen. Aber der Käptn kommt und kommt nicht vom Ausklarieren zurück. Er ist wieder mit dem netten weiblichen Wassertaxi unterwegs und als wir ihn endlich kommen sehen, hat er ein Dinghi im Schlepptau! Er hat die Wartezeit bei der Behörde genutzt und mal eben ein Beiboot erstanden. Kein neues, nein, es sieht ziemlich oll aus, hat auch nur noch ein Paddel, aber besser als kein Dinghi ist es allemal. Ausprobieren können wir es nicht, die Zeit drängt, denn wir müssen wieder gegen Wind und ordentlich Welle motoren. In St. Vincent schaffen wir es bis zur Cumberland Bay, ein geschützter Platz, wo man mit Buganker und langer Landleine zum Strand festmacht. Hier besuchen uns besonders viele Boatboys, die alles Mögliche zu verkaufen haben und sich kollektiv durch sehenswerte Zahnlücken auszeichnen. Am Ufer im Schatten sitzen einige Einheimische, die würzige Dinge rauchen und uns genauestens beobachten. So richtig wohl fühlen wir uns nicht, im Hinterkopf immer noch den ehemals schlechten Ruf von St. Vincent bezüglich Überfällen. Also bleibt das Dinghi trocken und wir an Bord.

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St. Vincent Soufriere Bay

 

Am nächsten Morgen geht es weiter nach St. Lucia, wieder mit starkem Gegenwind und Welle, aber auch unter Delfinbegleitung. Wir schaffen es nicht in den Norden von St. Lucia, sondern wir legen uns an eine Boje im Schatten der berühmten Pitons, zwei spitzkegelige vulkanische Berge von mehr als 700 Metern Höhe, das Wahrzeichen von St. Lucia. Hier wiederum können wir nicht von Bord, weil es zu spät zum Einklarieren ist. Aber baden wollen wir noch, bevor die Sonne untergeht. Da sehen wir auf dem Wasser ganz nahe beim Schiff ein wahres Gemetzel, es muss ein Schwarm Thunfische oder Doraden sein, das Wasser scheint zu kochen, silbrige Flossen zucken auf. Das Hygieneschwimmen geht daraufhin ziemlich schnell und wir entfernen uns nicht sehr weit von der Badeleiter. Das Dinghi haben wir zu Wasser gelassen und brav mit Drahtseil angekettet.

Morgens vor der Abreise hat der Käptn einen Anfall von Arbeitswut und steigt mit Schwamm und Reinigungsmittel ins Dinghi, um es etwas ansehnlicher zu machen. Ein Aufschrei und schallendes Gelächter von Moritz und Ana lassen Kathrin an Deck springen: Der Käptn sitzt bis zu den Waden im Wasser, Schwamm und Putzzeug in der Hand und kann es gar nicht fassen. Der Boden des Dinghis hat sich auf der einen Seite komplett abgelöst, war wohl nur mit Spucke geklebt. Eine Reparatur scheidet aus, wir geben dem Bötchen seine Freiheit und lösen die Leine, um es an den Strand schwimmen zu lassen, wo es ein Boatboy aufsammeln kann und wieder mit Spucke kleben kann. Eine kurze, aber teure Episode, die unter Erfahrung verbucht werden muss, oder unter Strukturhilfe? Noch nicht mal gefahren sind wir damit. Der Käptn ist in Sack und Asche und bittet um sofortige Aberkennung der Geschäftsfähigkeit, was ihm natürlich abgeschlagen wird. Er freut sich schon auf die wahrscheinlich zahlreichen mehr oder minder augenzwinkernden Kommentare zu Fluch der Karibik Teil drei.

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Tja

 

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Der Piton mit dem freigelassenen Dinghi

Auf dem Weg in die Rodney Bay Marina stecken wir die Nase noch in die berühmte Marigot Bay, eine Bucht, in der sich der Sage nach früher die englische Flotte so gut verstecken konnte, dass die vorbeisegelnden Franzosen sie nicht ausmachen konnten. Die Bucht liegt so geschützt und tief ins Land eingeschnitten, dass sie auch als Hurricane Hole gilt, eine Bucht, in der man einen Hurricane sicher überstehen kann. Ein letztes Mal ankern wir zu einem Badestopp in der Rodney Bay, bevor wir zum Ein- und Ausklarieren in die Marina fahren. Wir hoffen auf zollfreien Diesel und auf günstiges Bier, bevor die französischen Preise von Martinique wieder zuschlagen.

Das mit dem günstigen Bier war ein Wunschtraum, der sich nicht erfüllte, aber das Piton-Bier schmeckt lecker. Moritz, der für einen Tag zum Skipper erklärt wurde, erledigt die Zoll- und Ausklarierungsformalitäten, bevor wir uns gleich auf den Weg nach Martinique machen.

Statistik:

Martinique – Bequia 100sm, Hafengeld Bequia 50 EC$

Bequia –Horse Shoe Riff 25 sm, Hafengeld 50 EC$

Horse Shoe Riff – Petit St. Vincent 6 sm, Hafengeld 0 (Anker)

Petit St. Vincent – Mayreau 6 sm, Hafengeld 50 EC$

Mayreau – Canouan 13,8 sm, Hafengeld 50 EC$

Canouan – Bequia 24 sm, Hafengeld 0 (Anker)

Bequia – St. Vincent, Cumberland Bay 14 sm, Hafengeld 50 EC$

St. Vincent, Cumberland Bay – St. Lucia, Soufriere Bay 40 sm, Hafengeld 50 EC$

St. Lucia, Soufriere Bay – St. Lucia, Rodney Bay Marina 17 sm, Hafengeld 77 EC$

Logge gesamt seit Heeg: 6393 sm

Duschen: nicht vorhanden, Hygieneschwimmen mit anschließender Süßwasserdusche aus der Flasche: Note 1

Verlustliste: 1 kleines, aber gutes Dinghi

1 Brille

1 größeres, aber nicht gebrauchsfähiges Dinghi

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7 Antworten zu “Fluch der Karibik Teil eins bis drei

  1. Liebe Freunde, schön wieder von euch zu hören. Wir haben euch alle schon vermisst. Ein später frohes neues Jahr mit weiterhin viel Beschleunigung wünschen der ganzen Besatzung Melanie und Peter

  2. Ihr Lieben,
    was für ein Pech! Aber über den „Schnellkauf“ musste ich doch herzlich lachen – eine irre Geschichte. Bei diesem Sch…wetter sind Eure Fotos noch schöner anzusehen. Wie aufdringlich sind die boatboys? Eher nett oder nervig? Ich erinnere mich, dass Peter nicht ganz so überzeugt von diesen jungen Menschen war.
    Viel Spaß weiterhin und ich bin sehr gespannt, wann ihr ein neues Beiboot haben werdet.
    Liebe Grüße
    Petra

  3. Florentine Ahoi,

    willkommen im Neuen Jahr. Es ist schön, Euer AIS-Signal wieder zu sehen. Euer „Verschwinden“ vom Bildschirm habe ich (wohl zu Recht) als den Übergang in ein anderes Koordinatensystem gedeutet, in dem das Beklauen eines Fremden einen geringeren Stellenwert hat. Bei aller Sympathie, hier wird fast soviel geklaut wie in Deutschland ! Da hilft nur vorausschauende Vorsicht, Drahtseil, Vorhängeschloss und Luken dicht.

    Schickt mal wieder eine Mail.

    M&S-Bruch

    Ralf

  4. Hallo Peter,
    beim nächsten Mal machst Du einfach ein verwegenes Gesicht, gehst mit der Stimmlage tiefer und schon wird niemand daran zweifeln, Captain Jack Sparrow persönlich gegenüber zu stehen…… und den wagt ja bekanntlich keiner über´s Ohr zu hauen!!!!

    Liebe Grüße aus Hamm und lasst Euch dadurch nicht die Laune verderben.
    Siggi und Jochen

  5. Hallo Katrin, Dir geht es gut, das strahlen die Bilder aus.
    Eine toller Törn.
    Bei uns im Amt ist es sehr „lebendig“, die neuen Kolleginnen passen gut ins Team.
    Wir vermissen Euch trotzdem (Eva und Dich).
    Frau Düterhaus hat am 19.3. Ihren letzten Arbeitstag. Wir bekommen dann einen neuen Chef, mal gucken, was uns erwartet.
    Weiterhin eine gute Reise.
    renate

  6. Hallo, grüßt uns weiterhin die Karibik.
    Uli kennt Teile davon, von Martinique bis Grenada, Atlantiküberquerung ist aus bestimmten Gründen nicht sein Ding.

    Genießt die Zeit, wir wären jetzt gerne bei Euch.
    Eure Bilder sind toll.

    Renate Br.

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