Benimmkurse für Boatboys

Grenadinen 139

Peter erinnert sich an seinen ersten Karibiktörn vor 20 Jahren: „Die Karibik könnte so schön sein, wenn, ja wenn nur diese nervigen Boatboys einem nicht überall auflauern würden.“ Doch die Karibik von heute ist eine andere – zumindest was die Boatboys angeht. O-Ton früher: „Hey, skipper! I’m your Boy, okay! I‘m your Boy!!“ Die aggressive Tonlage kam einem Angebot gleich, das man besser nicht ablehnen sollte. Ansonsten konnte eine unruhige Nacht drohen, in der man seine Landleine und alle Ausrüstungsgegenstände am besten nicht aus den Augen ließ. Man hatte keine Wahl. Ließ sich anstandslos zeigen, wo man den Anker zu droppen hatte, kaufte Obst und Brot zu völlig überteuerten Preisen und reichte eine 10-Dollar-Note nach der anderen über die Bordwand. Es handelte sich schlicht um eine Form von Erpressung.

Und heute: Es gibt sie immer noch die Boatboys. Kleine Gefälligkeiten kosten immer noch einen Zehner, oder 15 EC-Dollar (3 bis 5 Euro) aber der Ton ist Gott sei Dank ein anderer geworden und die Gegenleistung stimmt – besonders fiel uns das in St. Vincent auf. Das Karibikparadies war aufgrund seiner Boatboys und der schlechten Sicherheitslage unter Seglern in Verruf geraten. Viele machten einen großen Bogen um die Insel, bis die Inselregierung reagierte und ihren Boatboys Benimmkurse verordnete. Mit Erfolg. Ein Bestandteil der Kurse muss garantiert die Gesprächsführung gewesen sein: „Hi, welcome in paradise. Happy new year. My name ist Joseph, the Rastaman. Had you a nice trip? “ Der smalltalk erstreckt sich noch eine ganze Weile, bis er endlich rauslässt, dass er eine sichere Boje, frisches Obst, Brot, einen Ausflug in den Regenwald oder andere Sachen im Angebot hat. Unter solchen Geschäftsbedingungen lassen wir uns gerne auf einen kleinen Handel ein. Und wenn der dritte oder vierte Boatboy an die Bordwand klopft, reichen ein paar freundliche Worte, dass man nun schon alles habe und wunschlos glücklich sei, und der Mann zieht weiter zum nächsten Boot, nicht jedoch, ohne uns einen schönen Tag gewünscht zu haben. „Have a nice day!“ Kurzum, wir haben die Boatboys schätzen gelernt, und nehmen ihre Dienste gerne in Anspruch.

So war es auch, als wir in Roseau, der Hauptstadt des unabhängigen Inselstaates Dominica, eintrudelten. Boatboy Marcus band unser Schiff an eine seiner sicheren Festmachebojen (bei 30 Meter Wassertiefe bis kurz vor dem Ufer ist an Ankern nicht zu denken). Desmond brachte uns mit seinem Wassertaxi bis zur Tür des Zollbeamten, und Titus machte sich für uns auf den Weg, ein neues Sicherungsseil für unser Dinghi zu organisieren, nachdem der Käptn das alte versenkt hatte. Noch‘n Wunsch?“ Welcome in paradise!“ Nur vor Pancho sollten sich Segler in Roseau in acht nehmen, wurden wir von andern Boatboys gewarnt. Pancho, das Schlitzohr, bindet Boote gegen Bezahlung an Bojen, die ihm gar nicht gehören. Auch lädt er sich gerne mal selbst auf einen Drink an Bord ein, und dann wird man ihn nur schwer wieder los.

Dominica, unser jetziger Aufenthaltsort, gefällt uns ausgesprochen gut. Die Insel ist ursprünglich, gebirgig, üppig bewachsen und trotzdem noch nicht von Yachties überlaufen. Die Einklarierungsformalitäten waren die einfachsten und schnellsten, die wir bislang in der Karibik erlebt haben. Auf der Insel gibt es 365 Flüsse – für jeden Tag im Jahr einen. Und einen dieser Flüsse, den Indian River werden wir morgen mit Hilfe eines Guides unter den Boatboys erkunden.

In ein paar Tagen machen wir uns dann auf den Weg nach Guadeloupe.

Und hier noch ein paar Bilder aus den vergangenen Tagen…

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„HMS Diamond Rock“. Dieser Felsen, der Diamond Rock an der Südspitze von Martinique, war mal ein wichtiger Verteidigungsposten für die Britische Marine und hat als Schiff Ihrer Majestät (Her Majesties Ship, HMS Diamond Rock) Eingang in die Geschichtsbücher gefunden und wird heute noch von Schiffen der britischen Kriegsmarine durch Dippen der Nationalflagge geehrt.

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Das ist kein Plastikmüll, sondern die Boje eines Hummerkorbs. An der Küste Martiniques schwimmen hunderte von diesen „Markierungsbojen“, die sich mit ihren Leinen gerne im Schiffspropeller verfangen. Da heißt es, verschärft Ausguck halten.

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Ankerplatz unter einem Vulkan in Saint Pierre (Martinique). Saint Pierre war früher die Hauptstadt von Martinique., bis die Stadt bei einem Vulkanausbruch vor 100 Jahren nahezu komplett zerstört wurde.

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Die Rupert Bay im Norden Dominicas. Von hier aus starten wir morgen zu einer Erkundung des Indian River.

 

Statistik:

Martinique Le Marin – Petit Anse d´Arlet: 19 sm, Hafengeld: keines (Ankern)

Petit Anse d´Arlet – St. Pierre Martinique: 18 sm, Hafengeld keines (Ankern)

St. Pierre – Roseau (Dominica): 36,5 sm, Hafengeld: 27 EC$ (9€)

Roseau – Rupert Bay, Portsmouth (Dominica) : 21 sm, Hafengeld keines (Ankern)

Logge gesamt seit Heeg: 6510 sm

Duschen: Wasserflasche

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3 Antworten zu “Benimmkurse für Boatboys

  1. Liebe Florentiner,
    wir haben euch heute schon bei Marinetraffic „beobachtet“ und geahnt, dass ihr euch dort oben im Norden von Dominique einen Platz sucht. Schön, dass ihr auch immer wieder Fotos anfügt, so dass wir ein bisschen teilhaben dürfen am Flair der Karibik. In Berlin haben wir jetzt ruhiges „Umdienullgradwetter“, aber die ersten Vögel zwitschern schon. Dadurch kommt manchmal ein Hauch von Frühlingsgefühlen auf. Wir sind ein wenig gespannt, ob ihr die Jahreszeiten so gar nicht vermissen werdet und Genießer des fast immer warmen Wetters seid.
    Viel Spaß morgen beim Erobern von Dominique
    In Gedanken bei euch sind
    Wolfgang und Katrin mit einem lieben Gruß von Klaus

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