Dschungelbuch No. 2

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Jakob bei der Erkundung der Unterwasserwelt vor Antigua.

 

Wir verbringen ausgesprochen geruhsame Tage vor Anker bei Pigeon Island, mit Baden, Lesen, Schlafen und vor allem mit Schnorcheln. Der hier angesiedelte Jaques-Cousteau-Nationalpark spricht für sich selbst. Eine herrliche Korallenlandschaft mit vielen bunten Fischen und mit vier großen Schildkröten, die um unseren Anker herum das Seegras abweiden. Wir können uns gar nicht satt sehen. Am vorletzten Tag dreht der Wind auf Süd und plötzlich wird es in der ruhigen Ankerbucht ausgesprochen schaukelig. Die Dünung steht genau herein und Peter ist empört, dass Kathrin wegen der Schaukelei das Kochen verweigert. Wo sie doch über den Atlantik so brav täglich….

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An den fischenden und platschenden Pelikanen können wir uns einfach nicht sattsehen.

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Wir fahren zurück nach Riviere Sens in die Marina, tanken, Vorräte auffüllen und unseren Besuch abholen. Hierfür hatten wir eigentlich einen Mietwagen reserviert, der aber dann wegen Carneval plötzlich doch nicht zur Verfügung steht. Ein netter Mensch nimmt uns mit dem Auto mit in die nächste Stadt zum nächsten Autoverleih: auch hier alles ausgebucht. Angeblich auf Wochen hinaus. Jetzt ist guter Rat teuer und die Taxis vom Flughafen Point-a-Pitre auch, das wissen wir schon. Wir beschließen, erst mal einen Großeinkauf zu machen.

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Der Security-Man an der Kasse verspricht, uns ein Taxi zu rufen. Als wir den Einkaufswagen bis zum Rand gefüllt haben, steht da zwar kein Taxi, aber ein freundlicher Mann mit Lieferwagen, wahrscheinlich der Cousin oder Schwager des Securitys, der uns für kleines Geld zurück zum Hafen bringt. Ihn fragen wir natürlich, ob er uns nicht tags darauf zum Flughafen und zurück shutteln könne. Er kann nicht, notiert aber unsere Telefonnummer und verspricht, sich zu kümmern. Und es klappt: am nächsten Tag bringt uns Roger in seiner verbeulten, verdreckten und rostigen Schleuder zum Flughafen und mit Besuch und Gepäck auch wieder sicher zurück. Und das für etwa die Hälfte des üblichen Taxipreises. Die eigentlich geplante Inselrundfahrt muss mangels fahrbaren Untersatzes leider ausfallen und so legen wir mit Jakob und Jana am nächsten Morgen ab, Ziel: nochmal Pigeon Island. Da war es so schön, das wollen wir den Beiden nicht vorenthalten.

Weiter geht es nach Deshaies, einer kleinen Bucht im Nordwesten Guadeloupes, gut besucht und vom Cruising Guide von Chris Doyle wärmstens empfohlen. Was der „Reeds“ an der europäischen Atlantikküste ist, ist der „Doyle“ hier in der Karibik – the Yachtsmans Bible. Was Mr. Doyle schreibt, stimmt übrigens fast alles, aber eben nur fast. Wir folgen seiner Empfehlung, den Fluss in Deshaies für etwa ein bis zwei Stunden hinauf zu wandern und dann in einer Viertelstunde über eine Straße wieder zurück. Ja und da beginnt es, unser Dschungelbuch-Abenteuer No.2.

Wir starten etwa um 15 Uhr, also reichlich Zeit bis zum Sonnenuntergang. Der Weg führt über große und kleine Felsen, teils rund geschliffen vom Wasser, teils kantig, teils wackelig, teils nicht. Immer wieder müssen wir auch durch das Bachbett die Seite wechseln. Schweißtreibend und durchaus sportlich, die Angelegenheit. Laut Mr. Doyle ist der Weg spielend auch für Fünfjährige zu bewältigen. Die klettern aber vielleicht geschickter als wir, noch dazu haben wir falsches Schuhwerk an. Jedenfalls zieht und zieht sich der Weg und irgendwann haben wir alle vier Bedenken, den Weg noch im Hellen zu schaffen.

Zurück ist keine Option, also versuchen wir es querfeldein durch den Regenwald in die Richtung, in der wir die Straße vermuten. Es geht steil bergauf und so richtig Spaß hat keiner mehr, erst als wir wirklich auf die Straße stoßen, sind wir wieder glücklich. Die „Viertelstunde“ steil bergab entpuppt sich eher als eine Stunde, die Kathrins Füßen in den Crogs den Rest gibt. Blasen ohne Ende. Na ja, selbst schuld, wenn man mit dem falschen Schuhwerk losmarschiert.

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Nach dem Ausklarieren, das wir glücklicherweise noch kurz vor Sonnenuntergang in Deshaies geschafft haben, wollen wir alle nur noch ins Wasser und Schweiß und Dreck abwaschen. Der anschließende Sundowner schmeckt himmlisch!

Der Montag ist dann fußschonend, wir legen frühmorgens ab und segeln die vierzig Meilen bis Antigua. Feiner Halbwindkurs und nicht zu viel Wind bescheren uns einen wunderbaren Karibiksegeltag. Wir laufen nach English Harbour ein, eine geschichtsträchtige Bucht, in der Lord Nelson bereits erfolgreich sein Unwesen getrieben hat. Hier gibt es zwar eine Marina, aber nur 73 Liegeplätze und ein Dock für Superyachten. Wir ankern in der Bucht mit Bug- und Heckanker, da hier jeder in eine andere Richtung schwojt und wir unliebsame Begegnungen mit anderen Ankerliegern um Mitternacht vermeiden wollen.

Am nächsten Morgen darf nur der Käptn an Land zum Einklarieren beim Zoll, bei der Einwanderungsbehörde und bei der Hafenbehörde. Und dann geht es ans Zahlen: Einklarierungsgebühr, Nationalparkabgabe, Müllabgabe, Cruising Permit, auf den Schlag sind wir um 75 € ärmer. Nachmittags darf dann auch der Rest der Mannschaft an Land und wir besichtigen die liebevoll restaurierten Bauten aus Lord Nelsons Zeit. Und die Mega-Yachten, die hier liegen. Es ist schon ein Plätzchen für the Rich and the Beautyful… Wir fühlen uns natürlich zugehörig, nicht was das „Rich“ angeht, aber sonst!

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Dies ist nicht irgendeine Palme…

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… sondern eine königliche Palme – von Queen Elisabeth II persönlich in English Harbour eingebuddelt.

Auch hier lässt es sich wunderbar schnorcheln, bei der Kontrolle unserer Anker sehen wir Schildköten und Stachelrochen und in der Ecke der Bucht liegt ein Wrack, das Jakob und der Käptn ausgiebig erkundet haben.

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Statistik:

Guadeloupe (Riviere Sens) – Pigeon Island : 13sm, Hafengeld keines (Anker)

Pigeon Island – Deshaies: 9 sm, Hafengeld keines (gemeindeeigene Bojen)

Deshaies – English Harbour (Antigua): 42,6 sm, Hafengeld keines (Anker)

Logge gesamt seit Heeg: 6634 sm

 

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2 Antworten zu “Dschungelbuch No. 2

  1. AQUARIAs Grüße diesmal aus Tübingen (so eine Art Winterurlaub)!
    Da AQUARIA so auffällig klein ist, wurden wir damals in Englisch Harbour auf eine Megayacht aus Bayern zu Dinner und Drinks eingelden, denn das Eignerehepaar und deren Gästen hatten nicht geglaubt, dass man auch mit einer Yacht unter 10m toll über den Atlantik segeln kann. (Zum Glück hatten wir Jakett und Kleidchen mit…)
    Jetzt hier in Tübingen macht es noch mehr Spaß Eure Abenteuer unter tropischer Sonne zu lesen.
    Aber nächste Woche geht es wieder nach Portugal auf’s Schiff, den März über bekommen wir wieder Besuch und im April sollten wir dann mal wieder segeln!
    Liebe Grüße aus dem sonnigen (aber kalten) Norden!
    Dorothea und Uwe

  2. Ihr Lieben,
    viel Spaß und Erholung in diesem traumhaften Licht!!
    Trinkt ein „kleines“ Gläschen für mich mit.
    Petra

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