Und nun sind sie weg und wir sind allein an Bord

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Es ist Samstag, Kathrin und Peter müssen überraschend nach Deutschland zurück und wir, Siggi und Jochen werden während dieser Zeit auf die gute Florentine aufpassen. Boatsitting sozusagen, aber alles der Reihe nach.

Nachdem wir aus Antigua kommend Statia Island erwanderten – ein Muss ist der tolle Blick in die urwaldähnliche Kaldera – müssen wir St Martin anlaufen, da Kathrin und Peter leider sofort nach Deutschland zurückfliegen müssen, anstatt wie geplant mit uns Richtung BVIs (British Virgin Islands) zu segeln. Der Flug wird gleich nach der Ankunft für den nächsten Tag gebucht. Wir sind mit unseren Gedanken bei Ihnen, als wir Sie am Samstag am Taxi verabschieden.

Mit einem Schlag sind wir nun für eine Woche für das Wohl und Wehe der Florentine verantwortlich. Wir liegen im Yachthafen Fort Louis auf der Französischen Seite von St. Martin oder holländisch ausgedrückt: Sint Maarten.

Zuerst einmal steht die Pflicht an, bevor die Kür kommen kann. Wäsche waschen, Proviant bunkern und kleine Reparaturen wie Relingstützen erneuern. Hierfür ist die Infrastruktur in St. Martin goldrichtig.

Die Wäsche wird bei Shrimpy’s ,TO Stützpunkt von St. Martin gewaschen….. ,wenn man nicht das Dinghi benutzt, bedarf es eines Fußmarsches von etlichen Kilometern, der einem den Schweiß aus den Poren treibt. Aber egal, an Bord bewegt man sich eh zu wenig.

Dagegen ist der Gang zum Super U schon fast Kindergeburtstag. Es wird ohne Ende Proviant gebunkert, und wir erlauben uns, den Fahrservice des Supermarktes in Anspruch zu nehmen – kostet zwar stolze 15 Euro, aber dafür staunen wir nicht schlecht, als wir von einem Truck zur Marina zurückgebracht werden, der Kofferraum eines normalen PKW‘ s hätte auch gereicht.

Abends wird nach einem leckerem Essen überlegt, welche Möglichkeiten die restliche Woche bieten könnte, denn eins ist klar, dass wir am nächsten Tag aus der Marina raus wollen. Wir liegen lieber vor Anker, schwimmen, schnorcheln und faulenzen .

Der Nachbarlieger, eine ca. 25 m Yacht, nimmt uns auch die Entscheidung ab. Er lag ohne Vorspring längsseits am Steg und brachte mit dem leichten Schwell, der im Hafen stand, den Anlegesteg mächtig in Bewegung. Das Geknarze der Fender noch ne Nacht ertragen …, neee das wollten wir nun doch nicht, also Abmelden und Bezahlen im Hafenbüro und ab nach Grand Case, einer kleinen Nebenbucht, 6-7 sm nördlich der Bucht Marigot. Die Segel für das kleine Stück haben wir nicht gezogen, sondern sind unter Zuhilfenahme der Nanni motort. Schnell einen Ankerplatz ausmachen, Anker eingraben, Motor aus, schwimmen und Ruhe! Kein Fendergeqietsche, ruckende Festmacher, nur der Wind , die Wellen und einige Seeschwalben die kreischend ihre Bahnen ziehen.

Anguilla BVI 035

Wir verbringen zwei Tage in der Bucht mit einer schöneren Kulisse als im Hafen, setzen mit dem Dinghi über, schlendern am Strand die Restaurants ab, Grand Case ist die Flanier- und Restaurantmeile von St Martin, alles schön französisch Haute Cusine. Uns ist jedoch eher nach etwas creolisches ursprüngliches, was wir leider vergebens suchen.

In einer netten Strandbar wollen wir unseren Sundowner einnehmen und ggfs. auch schauen, was denn die Karte so hergibt.. Der Sundowner nahm uns die Entscheidung ab, weil wir danach einfach zu träge waren noch 10 m zu laufen. So macht man das also in der Karibik, Kundenbindung auf karibischer Art, uns wars Recht, das Essen lecker, das Dinghi nicht weit, also konnte noch ne Roseflasche dran glauben. Der Sonnenuntergang war wie immer fantastisch, oder lag’s vielleicht doch am Sundowner?

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Nun noch die Florentine unter all den anderen Ankerliegern wiederfinden…welches nochmal ist unser Boot? Ach nehmen wir doch das ohne Ankerlicht, hatten vergessen es anzustellen. Tja Bordroutine ist bei uns noch nicht ganz da. Tags drauf lichten wir den Anker, wollen übersetzten zur 15 sm entfernten Insel Anguilla ( unter britischer Verwaltung ) Und was mußten wir dann vorher machen ?! Richtig… Ausklarieren aus dem französischem Teil. Also zurück nach Port Louis Anker auswerfen und schnell den Papierkram erledigen, bevor die Behörde in die Mittagspause geht.

Hier geht alles problemlos von statten, der Officer im Büro hilft sogar bei der bürokratischen Hürdenbewältigung..wow. Dann noch schnell Anker auf… und Richtung Anguilla segeln das war der Plan. Allerdings nach Anker auf im engem Ankerfeld von Port Louis Bay Marigot rauschte die Kette plötzlich wieder Richtung Tiefe, eine leichte Hektik an Bord brach aus, aber wir haben es ja nochmal geschafft den Anker wieder zu klarieren und hochzuhieven.

Danach schönstes Raumschotsegeln Richtung Anguilla. Spät nachmittags kommen wir in Anguilla an und heißen Q unter dem Union Jack, die Flagge Anguillas haben wir leider nicht, ist aber egal, wir sind nicht die einzigen die so einlaufen. Ankern in einer herrlichen Bucht auf 5 m Um uns herum liegen nur unwesentlich größere Schiffchen, alles so über 20m allerdings sind auch ein paar kleine Yachten aus Deutschland da, die sich so langsam Richtung Norden aufmachen.

Am nächsten Morgen heißt es für uns zum ersten Mal, einklarieren. Die Schauergeschichten über mürrische Port control, Customs und Immigration Offiziere von Peter im Hinterkopf machen wir das Dinghi klar, stecken die Schiffspapiere ein und dampfen los Richtung Strand der weißgolden die Bucht umrahmt. Dort angekommen empfängt uns erst einmal ein Schild: Welcome to Paradise . Na wenn so das Paradies aussieht, dann haben wir ja nichts zu befürchten, denke ich und stoße die Tür zum Office auf …. Und …nicht is mit mürrischen Officern und so weiter, drei freundliche Damen in Uniform strahlen mich an und heißen mich im Paradies willkommen. Ja, Peter vielleicht liegts ja nicht an den Officern…..

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Ich flachse noch ein wenig mit den Damen der Behörde, und danach schlendern wir unseren ersten richtigen karibischen Strand ab, einfach wunderschön. Hier bleiben wir bis Freitag, dann müssen wir zurück nach St Martin, Kathrin und Peter wollen Samstag zurück an Bord kommen.

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Donnerstag briest der Wind auf und ebbt auch abends nicht ab, na das kann ein schöner Ritt Richtung St Martin werden, wir müssen hoch am Wind segeln um die Marigotbucht anliegen zu können.

Früh morgens um 07:00 Uhr ziehen wir das Groß im 2. Reff hoch und segeln erst einmal tief Raumschots Richtung Insel Anguilletta um dann hoch an den Wind zu gehen. Die Welle wird höher und höher je näher das Ende der Insel naht. Nun die Fock noch gerefft ausrollen, mittlerweile bläst es uns mit 5-6 Bft. entgegen. Aber die Florentine schüttelt das locker ab, und geht gut durch die Welle. Der Kurs, na ja, da müssen wir ja wohl noch ein Schlag raus machen um die Marigot Bucht unter Segeln zu erreichen. Den Schlag wollen wir allerdings erst unter Land machen, da wir hoffen dass dort die Wellen nicht mehr so hoch sind. Kurz unter Land dann die Wende der Wendewinkel ist nicht für Regattafreaks und liegt so bei 100° aber uns ist es egal, wir haben Zeit und erfreuen uns an der Segelei.

Bis , bis zu dem Zeitpunkt das der Reacher sich ein wenig selbständig macht und sich ausrollt, schnell die Reffleine des Reachers gepackt , und einrollen , was nicht so einfach ist, denn gerade bei diesem Malheur knallts uns mit 6-7 Bft in die Segel. Doch wir schaffen es gerade noch das Segel wieder einzurollen bemerken aber das es gelitten hat, das Achterliek hatt’s auf einem Meter Länge zerrissen. Mist, und das auf einem Freitag. Wo alle Segelmacher ins Wochenende gehen .

Nun heißt es aber ganz schnell ab in die Marina, wir sind früh dran, vielleicht klappst ja doch noch mit der Reparatur.

Anlegen in Marina Port Louis, einklarieren, Segel abschlagen, Eric aus Bielefeld der hier mit seiner Yacht auf seine Lebensgefährtin wartet, langweilt sich und da kommen wir ja wie gerufen, er hilft uns tatkräftig.

Die Marineros helfen uns wo sie können, Ted aus der Marina telefoniert alle Segelmacher ab, aber die sind alle völlig ausgebucht. Auch North sails signalisiert, keine Zeit zu haben. Guter Rat ist teuer…

Wir entscheiden uns das Segel in einem Leihwagen den ich mittlerweile besorgt habe, zu packen und den Segelmachern es direkt zu zeigen. Da könnte ja noch was gehen. Gesagt ,getan. Eric mit seiner Revierkenntnis lotst uns zum nächstgelegenen Segelmacher ; Stützpunkt North Sails. Wir schildern die Lage nochmals und zeigen dem Stützpunktleiter Ernst Looser unser Segel und er erklärt sich dann doch bereit das Segel bis Samstag zu reparieren. Uns fällt ein Stein vom Herzen. Nochmals ein herzliches Dankeschön für die tolle Unterstützung .

Da wir ja nun ein Auto hatten, brausten wir damit nochmals zum Supermarkt und bunkerten nochmal Frisches nach, schließlich möchten Kathrin und Peter morgen kommen und Sonntag wollen wir endlich Richtung BVI segeln. Endlich…

Sie kommen mit minimaler Verspätung in St Maarten an und wir nehmen Sie herzlich in Empfang. Unser Boatsitting hat ein Ende. Wir sind vereint und können endlich am Sonntag Richtung BVI starten.

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Das ist aber dann wieder eine andere Geschichte die Ihr liebe Leser dann im normalem Blog weiter verfolgen könnt.

Ein Fair Wind euch allen

Eure Gastblogger

Siggi und Jochen

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