Sightseeing-Törn endet im Gewittersturm

Schwein gehabt auf den Bahamas. Als die Sau jedoch unser Dinghi entern wollte, wurde uns die Angelegenheit aber doch zu mulmig.

Schwein gehabt auf den Bahamas. Als die Sau jedoch unser Dinghi entern wollte, wurde Kathrin die Angelegenheit aber doch zu mulmig.

Obwohl wir schon so lange nichts von uns hören ließen, sind wir wider Erwarten nicht eingelocht worden. Das Einklarieren am Montag gestaltete sich harmlos bis auf den „Eintrittspreis“, den man für die Bahamas zahlen muss. Für ein Cruising Permit ist man auf einen Schlag um 300 US $ ärmer. Wäre Florentine nur 25 Zentimeter kürzer (max .35 Fuß), wären wir mit 150 $ davon gekommen. Mist! Dafür fallen aber keine Hafengebühren an, denn Marinas, die wir anlaufen könnten, sind erstens dünn gesät und zweitens zu teuer und drittens in so flachem Wasser, dass uns das Ankern in jedem Fall und sowieso am liebsten ist.

Mit dem Dinghi fahren wir die halbe Meile an Land in den Victoriasee zum überfüllten Dinghisteg und bunkern, was das Zeug hält. Wasser gibt es kostenlos am Steg, die Auto-Tankstelle ist gleich um die Ecke und der Supermarkt auch. Nach drei Fahrten sind wir wieder gerüstet für die nächsten ein bis zwei Wochen. Alles Flüssige wird in Kanistern transportiert und in die Tanks gefüllt.

Bahamas 030

Der Dinghi-Anleger im Victoria See von George Town. Im Hintergrund die Dinghi-Passage. In der Unterführung setzt Gezeitenstrom bis zu 4 Knoten. Da muss unser Elektro-Außenborder von Torqeedo alles geben…

Bahamas 023

Karibische Gelassenheit

Wir treffen den Katamaran CAYLUNA wieder, Frank und Birgit hatten wir auf Dominica kennengelernt. Die Beiden warten auf Chartergäste und nehmen uns mit zu „Eddies“ Kneipe, wo montags für die schwimmenden Dauercamper immer Ringelpietz mit Anfassen ist. Und tatsächlich, nach dem Abendessen spielt eine fünfköpfige Combo zum Tanz auf und es wird voll. Segler und Motorbootfahrer, hauptsächlich aus den USA und im Rentenalter, rocken, was das Zeug hält. Der Abend wird allerdings unter deutscher Flagge eröffnet: Ein greiser schwarzer Einheimischer mit grün gefärbten Haaren, Sakko und Hut zieht Kathrin auf die Tanzfläche. Und er kann es! Peter lacht Tränen….

Am nächsten Tag geht es los zu den vielen Cays (Inselchen) von Exuma. Der erste Stopp ist Rudder Cut, wo wir das erste Highlight unter Wasser besichtigen. Hier hat David Copperfield, der Besitzer der nächsten Insel, einen Flügel samt Meerjungfrau versenkt. Wer es genau wissen will, hier ist die Position: 23°52´174N, 76°14´171 W. Sehenswert. Wir ankern ganz in der Nähe, allerdings bei ziemlicher Strömung.

DCIM100GOPRO DCIM100GOPRO DCIM100GOPRO

Donnerstag verabschieden wir uns von CAYLUNA samt Gästen und segeln weiter nach Staniel Cay. Hier gibt es gleich zwei Sehenswürdigkeiten: Die Thunderball-Grotte, in der der gleichnamige James-Bond-Film gedreht wurde und den Strand mit den schwimmenden Schweinen. Hier leben wilde Schweine am Strand, die von diversen Seglern reichlich gefüttert werden. Als wir morgens mit unseren Essensresten an den Strand fahren, haben die Schweine allerdings wohl noch nicht richtig gefrühstückt. Hungrig und zutraulich versuchen sie ins Dinghi einzusteigen. Kathrin kriegt die Krise und Peter fotografiert das Ganze.

Bahamas 036 Bahamas 039

DCIM100GOPRO DCIM100GOPRO DCIM100GOPRO

Nächster Halt: Soldier Cay. Hier liegt das Wrack eines kleinen Flugzeugs auf ungefähr 4-5 m Tiefe. Auch hier setzt heftiger Strom. Unser Anker hält erst auf den zweiten Versuch, dafür gibt es wunderbar viele Fische zu sehen. Fast ein Seewasseraquarium.

DCIM100GOPRO DCIM100GOPRO

Langsam müssen wir nördlicher, denn unsere Flüge für Ende Mai ab Washington sind gebucht! Also motorsegeln wir am Freitag bis zur nächsten größeren Insel, Eleuthera. Die besteht hauptsächlich aus einer riesigen Lagune mit 4-5 m Wassertiefe und einem schmalen Insel-Riff-Saum außenrum. Das Wasser ist sogar für uns Warmduscher zu warm, 29° sind einfach nicht mehr erfrischend! Um Eleuthera wieder zu verlassen, müssen wir die Lagune einmal gesamt queren, 40 Seemeilen. Dieses Mal aber unter Segeln mit einem harten Am-Wind-Kurs und 5-7 Windstärken. Florentine galoppiert mit bis zu 7,5 kn.

In der schmalen Ausfahrt haben wir heftigen Gegenstrom und müssen kräftig mit dem Motor mitschieben. An der engsten Stelle überholt uns natürlich eine große Motoryacht mit mächtiger Welle, von der später noch die Rede sein wird. Wir segeln die letzten fünf Meilen bis zur kleinen Insel „Royal Island“ wo wir in einem wunderbaren kleinen Naturhafen den Anker fallen lassen. Nein, nicht nur fallen lassen, sondern wie immer kräftig einfahren und anschließend abschnorcheln, ob er auch hält (Kathrins Job). Wir sind müde von dem langen Tag und fallen früh in die Kojen. Vor uns ankern die Überholer mit interessanter Unterwasserbeleuchtung, sogar das Beiboot ist nachts blau beleuchtet.

Kleiner, aber sicherer Hafen für ein Schiff mitten in den "Stromschnellen" con Current-Island. Der Name ist Programm. Hier setzt der Strom mit bis zu 6 Knoten...

Kleiner, aber sicherer Hafen für ein Schiff mitten in den „Stromschnellen“ von Current-Island. Der Name ist Programm. Hier setzt der Strom mit bis zu 6 Knoten…

Morgens kurz vor fünf Uhr, es ist noch stockfinster, wird Kathrin von einem kräftigen „Klonk“ wach. Und noch einmal „Klonk“. Wie ein Schachterlteufel schießt sie aus dem Vorluk und sieht das blaubeleuchtete Beiboot an Florentines Bug schlagen. Und ganz nah die große Motoryacht, deren Anker offensichtlich nicht gehalten hat und die jetzt auf uns zu treibt.

Erst mal fendern und den Käptn wecken. Dann mehr Ankerkette stecken und versuchen, von den Stinkebootfahreren wegzukommen. Das hilft aber nur kurz, dann haben wir den gleichen Salat wie vorher. Wir schreien und brüllen so lange, bis wir die Crew aus dem Tiefschlaf geholt haben. Die Motoryacht gibt Gas nach vorne, wobei sie fast den nächsten Ankerlieger rammt, und dann wieder den Anker schmeißt. Mehr kann man im Dunkeln wohl auch nicht machen. Immerhin sehen wir, dass im Salon der riesige Fernseher angeht, was bedeutet, dass wohl immerhin einer wach bleibt. Auch für uns ist die Nacht vorbei, bei so viel Adrenalin ist an einen gemütlichen Morgenschlaf nicht mehr zu denken. Wir kochen Kaffee und stellen fest: Ein Gutes hat die ganze Geschichte ja. Wir können direkt mit Sonnenaufgang aufbrechen nach Abaco Island. Schäden konnten wir glücklicherweise keine an unserem Schiff feststellen.

Und so schaffen wir die 55-Meilen-Strecke nach Abaco bis 17:30 und nur unter Segeln.

Hier legen wir uns nun auf die Lauer und warten auf ein Wetterfenster zum Absprung nach Norfolk, Virginia. Dort bzw. in der Chesapeake-Bay wollen wir unsere Florentine für ein paar Wochen parken und Heimaturlaub machen. Mal wieder frieren…..

Nachtrag:

Eigentlich sollte dieses Ahoi schon seit zwei bis drei Tagen versendet sein, aber das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auf dem Weg nach Marsh Harbour, wo wir an Land gehen, einkaufen, Internet genießen und ausklarieren wollten, hat uns in der Lagune bei 3-4 m Wassertiefe ein heftiger Gewittersturm erwischt. Glücklicherweise hatten wir die Segel schon geborgen, denn es pfiff uns mit bis zu 50 kn Wind um die Ohren, das ist Windstärke 10 nach der Beaufortskala. Dazu ein Wolkenbruch mit einer Sichtweite unter 50 Meter. Uns blieb nur eins: Anker werfen und viiieel Kette stecken. Nach etwa zwei Stunden, als der Sturzregen nachgelassen hatte, konnten wir ein bisschen Schutz bei einer kleinen Insel suchen. Aber der starke Wind blieb und es wetterleuchtete die ganze Nacht weiter.

Gut geschlafen haben wir beide nicht. Florentine hat nachts so heftig an ihrer Ankerkette gezerrt, dass es die 8mm starke Ankerkralle aus Edelstahl verbogen hat. Tags darauf liefen wir bei immer noch um die 25-30 kn Wind nach Marsh Harbour ab und ankerten. Bei dem Wind und vor allem der kurzen steilen Welle konnten und wollten wir jedoch die nächsten 24 Stunden nicht ins Dinghi steigen und so kommt das Ahoi erst jetzt. Die Wunden sind geleckt, das Schiff wieder sauber und trocken, die Tanks gefüllt und wenn der Wettergott will, laufen wir in den nächsten Tagen wirklich aus mit Ziel USA.

Ach ja und übrigens sind wir jetzt seit genau einem Jahr an Bord von Florentine!

DCIM100GOPRO

Noch ein Nachtrag:

Haben gerade in Marsh Harbour ausklariert. 84 US $; die nehmen es hier von den Lebendigen. Da fallen die 6 $ für eine Dose Bier, die wir gerade hier in der Bar abgedrückt haben schon gar nicht mehr in Gewicht. Prost!

Bahamas 044

Hier, in der Marsh Harbour Marina, sitzen wir gerade und schicken dieses Ahoi ab.

Bahamas 045

Bitte anschnallen! Dies ist kein Folterstuhl, sondern der Traum eines jeden Hochsee-Sportfischers.

 

Statistik:

George Town, Great Exuma – Rudder Cut: 36 sm

Rudder Cut – Staniel Cay: 27sm

Staniel Cay – Soldier Cay: 18 sm

Soldier Cay – Eleuthera Island: 49 sm

Eleuthera Island – Royal Island: 50 sm

Royal Island – Man of War Bush (Abaco): 56 sm

Man of War Bush – Man-o-War Cay / Dickies Cay (Abaco): 34 sm

Dickies Cay – Marsh Harbour: 5 sm

Jeweils vor Anker, also kein Hafengeld

Logge gesamt seit Heeg: 8191 sm

Advertisements

4 Antworten zu “Sightseeing-Törn endet im Gewittersturm

  1. Hallo Ihr beiden , wünschen euch für die Überfahrt einen schönen und angenehmen Wind der euch in eure gewünschte Richtung bläst.
    LG aus Hamm von Siggi und Jochen

  2. Hallihallo ! Schade, dass es kein Foto von der tanzenden Kathrin gibt – dafür sind alle anderen wieder interessant und es ist wie immer spannend was man so von Euch liest. Toitoitoi fürs nächste Abenteuer
    wünschen Barbara u Volkmar aus Doerpn

  3. Schönes Ahoi, danke für die vielen Bilder, so können wir hier von zu Haus ein wenig an eurem Traum teilhaben.
    Das Kunstwerk “Flügel mit Meerjungfrau” könnte von unseren “SAGO´s” aus Essen stammen, in Beton gibt es das ja schon.
    Euch eine gute Fahrt, bis bald, wir sehen uns im Ruhrgebiet, liebe Grüsse aus Essen, Ute & Andreas.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s