Long Island Sound – Kleine Plagen im Paradies

Platz für ein Eigenheim findet sich auch auf der kleinsten Insel.

Platz für ein Eigenheim findet sich auch auf der kleinsten Insel.

Zehn Tage Großstadt sind einfach genug, auch wenn die Großstadt New York heißt. Wir wollen zurück in die Natur, eine lauschige Nacht in einer idyllischen Bucht vor Anker verbringen. Ein laues Lüftchen lädt uns ein, noch an der Mooringtonne die Segel zu lüften. Wir sind tiefentspannt, nein schlafmützig! Denn bereits beim Ablegen unter Segeln fangen wir uns unsere eigene Mooringleine ein und hängen fest.

Das Wasser sieht nicht gerade appetitlich aus, und so nehmen wir das Angebot unseres Wassertaxi-Chauffeurs Dave, einen Taucher zu organisieren, gerne an. Ein paar Minuten und 30 Dollar später sind wir frei und können endlich ablegen. Wir werden dabei herzlich von Sabine und Thomas von der BRÖSEL verabschiedet, mit denen wir bereits in den Bahamas und jetzt wieder in New York wunderbare Abendstunden im Cockpit verbracht haben. Wir werden uns in ein paar Monaten irgendwo im Süden der Staaten wieder treffen – wo auch immer. Sicher!

Long Island Sound 001

Wir haben uns unsere eigene Mooringleine eingefangen und hängen fest. Ein Taucher war zufällig in der Nähe und befreit uns wieder.

Long Island Sound 005

Winke-Winke zum Abschied von New York: Sabine und Thomas, unsere Freunde von der BRÖSEL, mit Wassertaxi-Chauffeur Dave, der uns in den vergangen Tagen regelmäßig an Land geshuttelt hat.

Nach fünf entspannten Segelstunden – nur einen Katzensprung von „Big Apple“ entfernt finden wir unser erstes Kleinod: Sheffield Island, eine von vermutlich hunderten kleineren und größeren Inseln im Long Island Sound. Na gut, die Insel ist kein Geheimtipp. Auch unter vielen Motorboot- und Jetski-Skippern hat sich der Ankerplatz vor dem wunderhübschen Leuchtturm herumgesprochen. Sie fahren Kringel um uns herum und haben Spaß – den wir nur bedingt teilen können. Der Motorlärm und die Schaukelei durch den enormen Wellenschlag nerven gewaltig!

Unser Ankerplatz vor dem altem Leuchtturm auf Sheffield-Island

Unser Ankerplatz vor dem altem Leuchtturm auf Sheffield-Island

Der nächste Tag führt uns nach Milford Harbor, berühmt für seine Austern. Rechts von der Hafeneinfahrt türmt sich eine braune Geröllhalde. Das Geröll entpuppt sich beim näheren Hinsehen als Berg von Austernschalen. Wir sind keine Fans dieser Schalentiere und tragen nicht zum weiteren Anwachsen dieser Geröllhalde bei. Wir drehen mit Florentine eine Runde durch den Hafen, immer ein Auge auf dem Echolot und sind dabei nicht wirklich entspannt. Verdammt flach hier. Genau wie in den Bahamas bleiben uns auch hier im Long Island Sound viele schöne Buchten und Häfen verschlossen, da wir mit 1,80 Meter zu viel Tiefgang haben. Da sind die Motorboote und Katamarane uns gegenüber deutlich im Vorteil. Schmeißen wir halt unseren Schlammhaken draußen in der Bucht vor dem Hafen über Bord, genießen die wunderbare Aussicht und sparen das Hafengeld von 72 Dollar.

Der Gezeitenstrom im Long Island Sound ist mit gut zwei Knoten nicht von schlechten Eltern, und so lassen wir es am nächsten Tag wieder geruhsam angehen. Erst gegen Mittag holen wir den Anker aus seinem gut haltenden Schlammbett hoch und lassen uns vom Ebbstrom unter vollen Segeln mit einem lauen Lüftchen Richtung Osten schieben. Die Enteninsel, Duck Island, ist unser nächstes Etappenziel. Dort erwarten uns bei unserer Ankunft am frühen Abend bereits unsere Freunde aus der Motorboot- und Jetski-Fraktion. Ja, auch dieses kleine Paradies ist nicht frei von Plagen.

Apropos Plagen: Hier gibt es richtig fiese, stechende Fliegen, von deren Bissen man trotz Antibiotika- und Cortionsalben locker zwei Wochen lang was hat. Sehen aus wie unschuldige Stubenfliegen, aber wenn man sie killt, hinterlassen sie blutige Spuren. Die Fliegenklatsche ist im Dauereinsatz, denn  Antibrumm oder Autan lässt die Viecher kalt. Notfalls beißen sie auch in die Fußsohlen.

Unterwegs haben wir einen kleinen Abstecher in die Thimble Islands unternommen. Die Thimble Islands sind einfach der Knaller! Eine Ansammlung von Granitfelsen mit hübschen Häusern drauf. Ein wenig erinnern uns die Thimble Islands an den Schärengarten vor Göteborg. Alles aber viel kleiner und noch viel enger. Wie gerne wären wir hier länger geblieben. Doch es gibt nur wenige Ankerplätze, und diese wenigen Plätze bieten kaum Platz zum Schwojen und nur schlechten Halt auf dem felsigen Boden. Wenn hier der Wind auffrischt, ist es aus mit der Nachtruhe. Dann heißt es Obacht! Erfahrungsberichte von anderen Skippern in der Online-Community Active Captain berichten von den schönsten aber auch von den schrecklichsten Nächten, die sie hier je vor Anker erlebt haben.

Hier ein paar Eindrücke von den Thimble-Islands:

Thimble Islands 6 Thimble Islands 5 Thimble Islands 4 Thimble Islands 8

Wir trauen dem Wetter nicht so ganz. In der Regel ist es zwar tagsüber schwachwindig und drückend heiß, in der Nacht erleben wir aber immer wieder eine Zunahme des Windes auf bis zu 20 Knoten. Erst gestern Nacht haben wir stundenlang Wetterleuchten am Horizont beobachten können, und ein Blick in unsere Wetter-App mit Regenradar zeigte uns den Durchgang einer verheerenden Front ein paar Meilen landeinwärts.

Heute, am Montag, den 17. August liegen wir in einer geschützten Bucht vor Fisher Island. Der Ausblick aus dem Cockpit ist wie immer – einfach traumhaft. Aber wir wollen euch ja nicht nerven. Immer diese kitschigen Sonnenuntergänge. Heute schon wieder. Langweilig … aber nicht für uns!

Fisher Island 1

Ausblick von unserem Ankerplatz auf Fisher Island bei unserer Ankunft …

Fisher Island 2

… und ein paar Stunden später.

Statistik:

City Island (New York) – Sheffield Island : 24 sm, Anker 0 €

Sheffield Island – Milford Harbor: 20 sm, Anker 0 €

Milford Harbor – Duck Island: 29 sm, Anker 0 €

Duck Island – Fisher Island: 23 sm, Anker 0 €

Logge gesamt seit Heeg: 9673 sm

 

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2 Antworten zu “Long Island Sound – Kleine Plagen im Paradies

  1. Langweilig werden Eure Berichte nie.
    Erst recht nicht, wenn es hier in Deutschland gerade 48 h durchregnet. Dann sind Fotos von herrlichen Sonnenuntergängen traumhaft.
    LG von Siggi aus Hamm und Jochen aus Dehli.

  2. Liebe Kathrin, lieber Peter,
    nein, langweilig sind Eure Berichte nie! Wir amüsieren uns immer prächtig über Euren launigen Schreibstil und freuen uns, von euch zu hören. Alles Liebe von Gabi und Mirko

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