The Boston-Beer-Party

Boston 032

Die Waterfront von Boston. Florentine liegt in dem Mooring-Feld am linken Bildrand.

Seit fünf Tagen liegen wir mit Florentine nun mitten im Herzen von Boston. Die Füße schwer und der Kopf voller Eindrücke. Wir haben uns wieder einmal einfach nur treiben lassen, und trotzdem reicht das Erlebte für einen Reiseführer und eine Abhandlung der amerikanischen Geschichte.

Boston 063

So erleben wir den Blick auf Boston aus dem Cockpit von Florentine, wenn wir den Blick nach links …

Boston 068

… und nach rechts richten.

Beschränken wir uns auf ein paar Appetithäppchen: Schon die Anreise war ein Traum. Auf der Ostseite des Cap-Cod-Canals haben wir uns nach der Abreise von Martha’s Vineyard für zwei Tage auf die Lauer gelegt, um das passende Wetter abzuwarten, und wir wurden belohnt. Sonne und Rückenwind mit 4-5 Beaufort entsprechen so ziemlich dem feinsten, was sich Fahrtensegler erträumen können. Der Blick nach vorn aber immer hochkonzentriert:

  1. wegen der unzähligen Hummerkörbe, denn wir befinden uns mitten im Lobster-Land
  2. wegen der vielen Wale, die hier ihre Kinderstube eingerichtet haben.

Das Seehandbuch warnt ausdrücklich, man möge gut Ausguck halten, um keinen Wal überzumangeln, die hier in den Gewässern vor allem im Juli und August gemächlich ihre Bahnen ziehen und sich die Bäuche vollschlagen. Die Anbieter von Whale-Watching-Touren geben sogar eine Geld-zurück-Garantie, wenn sie ihren zahlenden Gästen keinen der Riesen präsentieren können.

Wir gehören zu der kleinen exklusiven Minderheit, die keinen Wal vor die Linse bekommen hat. Aber wir sind auch selber schuld. Wir hatten uns nämlich für den kürzesten und direkten Weg dicht unter der Küste und gegen einen Schlenker hinaus aufs offene Meer entschieden. Denn Sohn Jakob hatte sich für einen Kurzbesuch in Boston angemeldet. Geplante Anreise genau an dem Tag, als die Lufthansa-Piloten die Langstrecke lahm legten. Jakob verlegte kurzerhand die Anreise um einen Tag vor, und darum hatten wir es ein wenig eilig. Da gehen die eigenen Kinder den Walkindern vor, und die Wale müssen warten. Wir kommen ja noch mal zurück …

Boston 002

Segelyacht mit Galeonsfigur

Auch den berühmten Ort Plymouth, Ankunftshafen der Pilgerväter und ihrer Mayflower haben wir aus diesem Grund unterwegs links liegen lassen müssen („Nix verpasst“, sagen sogar viele amerikanische Segler die dort gewesen sind, „die volle Touri-Abzocke“).

Direkt vor Boston liegen rund 30 Inseln – den schwedischen Schären mal wieder nicht ganz unähnlich und mit ähnlich anspruchsvollen, sich windenden Fahrwassern. Eine dieser Inseln ist eine einzige große Kläranlage mit riesigen, weithin sichtbaren Faultürmen, und wir lernen die erste Geschichte aus der jüngeren Bostoner Geschichte: Vor gut 30 Jahren war Boston noch ein wirtschaftlich und kulturell hoch potentes aber riesiges, stinkendes Dreckloch, mit einer Hauptverkehrsader, die als Stelzen-Autobahn mitten durch die Stadt und am Ufer entlang führte. Die Abwässer wurden direkt vor der Haustür in den Hafen entsorgt. Lebensqualität: Null! Dann kam „The Big Dig“ – das große Graben.

Der Durchgangsverkehr wurde in einen Tunnel verlegt, die Kanalisation erneuert und eine gigantische Kläranlage draußen auf einer der Inseln errichtet. Eine der größten und teuersten Baumaßnahmen weltweit. Kosten: etwa 15 Milliarden Dollar. Heute ist die Boston Waterfront ein wahres (und schweineteures) Schmuckkästchen. Und genau vor diesem Schmuckkästchen liegen wir jetzt mit Florentine an einer Mooring-Boje für 45 Dollar die Nacht (einen Liegeplatz in einem der sündhaften teuren Yachtclubs können wir uns leider nicht leisten).

Ein Shuttle-Boot bringt uns nach einem Anruf über UKW-Sprechfunk an Land, die historische Innenstadt selbst lässt sich bequem zu Fuß erkunden. Eine gute Orientierung ist der Freedom-Trail, eine Linie roter Ziegelsteine, die in den Gehweg eingelassen ist. So verpassen wir keine der zahlreichen Sehenswürdigkeiten zur Geschichte der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung, deren Aufzählung hier den Rahmen sprengen würde.

Boston 031

Kathrin und Sohn Jakob im Shuttle-Boot

Boston 012

Das Old State House aus dem Jahr 1713 inmitten der Wolkenkratzer

Boston 014

Quincy Market: früher Markthalle, heute Fresstempel

Weitere Exkursionen führen uns zu Fuß in den Theater-Distrikt, nach China Town und Little Italy mit seinen vielen Restaurants. Eins der schönsten Restaurants, das wir dort entdeckt haben trägt den Namen Florentine (das kann ja wohl kein Zufall sein!)

Boston 017

Boston ist auch bekannt für seine Brauereien. Als Pärchen mit Münchner und Dortmunder Wurzeln haben wir die Harpoon-Brewery besichtigt und gemeinsam mit Jakob eine kleine Boston-Beer-Party zelebriert. Die Harpoon-Brewery ist eine Mikro-Brauerei die sich auf die Herstellung besonderer „Craft“-Biere spezialisiert hat. Diese handwerklich produzierten Biersorten werden nur in kleiner Auflage produziert und erfreuen sich bei Bier-Liebhabern trotz des mehrfachen üblichen Preises nicht nur in Deutschland sondern auch in den USA wachsender Beliebtheit.

Boston 040

Besichtigung der Harpoon-Brewery …

Boston 037

… mit anschließender Verkostung

Ebenfalls der geistigen Bereicherung diente ein Ausflug in den Bostoner Stadtteil Cambridge zur legendären Harvard-Universität – einer der besten, begehrtesten und teuersten Universitäten weltweit (52 000 Dollar Studiengebühr pro Jahr; Quelle: Wikipedia) Ich muss gestehen, uns Dreien hat der Geist von Harvard nicht ergriffen – trotz schöner alter Gebäude und vieler junger Menschen aus allen Nationen. War es das trübe Wetter an diesem Tag oder fehlten uns die Studentenkneipen?

Boston 052

Inschrift über dem Portal zu einem der zahlreichen Harvard-Yards: „Enter to grow in wisdom – Tritt ein, in Weisheit zu wachsen“

Boston 053

Eingang zur Harvard-Library

Boston 055

Ein trüber Tag in Harvard: Nicht viel los auf dem Gelände

Boston 056

Blick von der Lounge im Harvard-Athletic-Club in das universitätseigene Schwimmbad.

Boston 050

Quidditch ist die bekannteste Sportart in der Zaubererwelt von Harry Potter. Man spielt diesen Sport auf Besen fliegend hoch oben in der Luft. Harvard-Studenten können das offensichtlich.

Boston wird in diesem Jahr unser nördlicher Wendepunkt sein. Auf den ursprünglich geplanten Abstecher nach Maine verzichten wir, und wir richten Florentines Bug wieder Richtung Süden. Auch hier steht der Herbst vor der Tür. Die Sonne ist immer noch kräftig – wenn sie scheint -, aber in den vergangenen Tagen war es mitunter auch ungemütlich kalt und regnerisch.

Statistik:

Pocasset – Sandwich (Cap Cod Canal), 9 sm, Hafengeld 82 €, Dusche Note 2

Sandwich – Boston, 48 sm, Hafengeld 46 € (Mooring), keine Dusche

Logge gesamt seit Heeg: 9909 sm

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s