Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu

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Interessanterweise fährt man in den Cohansey River laut Karte über Land

Die 220 Seemeilen nach Cape May haben wir in einem Rutsch hinter uns gebracht, aber was für ein Rutsch! Der Wind, Gott sei Dank von achtern, hatte deutlich mehr zu bieten, als vorhergesagt. Aus den angesagten 15 bis 22 kn wurden 25 bis 30 kn und mehr. Dazu gesellte sich die entsprechende Welle, zum Schluss an die 4 m. Wir mussten vor dem Wind kreuzen. Es war Arbeit und kein Spaß, aber wir haben es nach 36 Stunden mit Einbruch der Dunkelheit nach Cape May geschafft, wo wir schon von unseren Freunden Sabine und Thomas von der BRÖSEL erwartet wurden. Kurze Begrüßung, ein Ankommerbier und ab in die Falle.

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Die BRÖSEL beim Runden von Cape May, da war noch ordentlich Welle

Am nächsten Tag in Flotille mit BRÖSEL und HECLA (ein britischer Freund von den Brösels) rund Cape May und den Delaware River hinauf. Der Wind hatte ein bisschen nachgelassen und so kamen wir in den Genuss von feinem Halbwindsegeln mit kaum Welle. Abendlicher Endpunkt war der Cohansey River, ein Seitenfluss, in den wir ohne Ortskenntnis nie hineingefahren wären. Die Zufahrt ist in unserer elektronischen Seekarte tiefblau, das heißt ungeheuer flach, da hätten wir uns so nie drüber getraut, aber die Brösels waren dort schon gewesen und sind uns voraus gefahren. Es war überall tief genug, nie unter 5m Wassertiefe.

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In the middle of nowhere liegt die Marina im Cohansey River

Der Cohansey River mäandert tief und mit ordentlich Strömung durch Schilf und Marschwiesen, wir kamen uns fast vor wie in Nordfriesland. Die „Marina“ besteht aus einem langen wackeligen Schwimmsteg, das Anlegen war mit der Strömung nicht ganz einfach, gegen die Strömung dann doch… Keine Duschen gab es, aber einen Pavillon mit Moskitonetzen, in dem wir uns abends zu fünft dem Rotwein ergaben.

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An einem langen wackeligen Schwimmsteg hängen Florentine und eine Handvoll andere Schiffe

Die Planung für den nächsten Tag sah vor, den Delaware River hinauf zu segeln und dann durch den Chesapeake-and-Delaware-Canal bis Chesapeake City zu tuckern. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Kaum aus dem Cohansey River heraus und das Großsegel gesetzt, machte unsere Nanni plötzlich merkwürdige ungesunde Klappergeräusche. Beim Öffnen der Motorraumklappe quoll uns Qualm entgegen. „Motor aus“ war der Ruf des Käptns. Die Fehlersuche ergab ein verschmortes Kabel und eine herausgedrückte Glühkerze, die wir allerdings erst nach Foto und Rücksprache mit dem niederländischen Nanni-Händler als solche identifizieren konnten. Mit Bordmitteln war das erst mal nicht zu beheben, also ließen wir die BRÖSEL und die HECLA, die uns seelischen Beistand geleistet hatten, ziehen und machten uns unter Segeln auf den Weg nach Delaware City.

Nach Murphys Gesetz hatten wir natürlich sowohl Strömung als auch Wind gegen uns und so brauchten wir für das Aufkreuzen der 18 Seemeilen sechs bis sieben Stunden. Mühsam nähten wir unsere Zickzacknaht in den Delaware River. Erst zum Schluss hatten wir dann die Strömung mit auflaufendem Wasser mit uns. Delaware City liegt an einem kleinen schmalen Seitenkanal des Delaware River, der bei unserer Ankunft dort mit etwa zwei Knoten vorbeiströmte. Ohne Motorunterstützung und bei inzwischen fast eingeschlafenem Wind war es gar nicht so einfach, das Nadelöhr zu treffen. Der Anleger unter Segeln gelang mit Hilfe des Marinapersonals, das bereit stand die Leinen anzunehmen. Puh!

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Fest in Delaware City, erschöpft und erleichtert

Heute Morgen wurden wir von einem Motorboot in die Nähe der Werkstatt geschleppt und harren nun der Reparaturarbeiten. Neue Batterien wollen sie uns auch besorgen hier. Erst mal liegen wir hier geschützt und sicher und können durchatmen und Wunden lecken.

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Die Marina ist ein langer Schwimmsteg in einem schmalen Kanal

Statistik:

Block Island – Cape May, 224 sm, Anker, 0 €

Cape May – Cohansey River, 53 sm, Marina 36 $, keine Duschen

Cohansey River – Delaware City, 27 sm, Marina 72 $, Dusche Note 2

Logge gesamt seit Heeg: 10337 sm

 

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Eine Antwort zu “Erst hatten wir kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu

  1. Nicht die Köpfe hängen lassen! Bald geht es weiter in Richtung Sonnenschein, Strand und Parties – EVERY DAY !!
    Alles Liebe Petra

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