Blutmond und Klabautermann

Delaware 020

Das Marinapersonal in Delaware City ist wahnsinnig freundlich und sehr um uns bemüht. Eine Glühkerze für unsere Nanni wird nicht im Bootsbedarf bestellt (88 $ das Stück), sondern beim Landmaschinenhändler, wo sie nur ein Drittel kostet. Dazu muss man wissen, dass der Basismotor unserer Nanni ein Kubota-Motor ist, der in vielen Land- und Baumaschinen verbaut wird. Auch neue AGM-Batterien statt der bisherigen Nassbatterien können bis an den Steg geliefert werden, angeblich auf den Millimeter passend. Naja, so ganz dann doch nicht, aber Charlie hilft auch beim Einsetzen und beim Aussägen der Abdeckungen für den Batteriekasten. Was nicht passt, wird eben passend gemacht.

20150923_112123

Die zerbrochene Glühkerze, keiner der Spezialisten hat je so etwas gesehen

20150923_112052

Und das Loch, in das sie hineingehört

Delaware 016

Eine lange Diskussion gibt es um die zerbrochene Glühkerze. Ein Mini-Teil aus der Mitte fehlt. Wo ist es? In den Zylinder hineingefallen oder pulverisiert beim Zerbrechen? Über den Auspuff fortgeblasen oder im Motoröl schwimmend? Wir finden es nicht und gehen das Wagnis ein, nach Einbau der neuen Glühkerze und nach Öl- und Filterwechsel den Motor zu starten. Bingo! Nanni schnurrt wieder. Am nächsten Tag wird noch das Ventilspiel überprüft und dann sind wir wieder mobil. Und haben viele neue technische Ausdrücke auf Englisch gelernt und den Mechanikern ein paar Anlässe zum Schmunzeln gegeben. Zum Beispiel als Kathrin statt nach einer „glow plug“ (Glühkerze) nach einer „glew pin“ (Glühbirne) fragt. Frauen eben…..

Am letzten Abend lernen wir noch Bill kennen, der an seinem Boot arbeitet, um es für eine mehrjährige Langfahrt fit zu machen. Bill hat Fragen bezüglich der Visapflicht in Europa an uns und über das Schengenabkommen. Er möchte für drei Jahre europäische Gewässer bereisen. Dabei stellen wir fest, dass es für Amerikaner noch schwieriger ist, Europa länger zu bereisen als für uns die USA. Nicht EU-Ausländer dürfen sich innerhalb von 180 Tagen nur 90 Tage im Schengenraum aufhalten. Da kann man als US-Amerikaner einen Segeltörn in Europa auf dem eigenen Kiel gleich knicken. Eine Verlängerung ist unter strengen Auflagen nur über die nationalen Ausländerbehörden möglich, die im Moment ohnehin nicht über Langeweile klagen können. Falls eine/r unserer Leser/innen eine Lösung weiß: Wir würden Bill gerne mit einem guten Tipp weiterhelfen.

Am nächsten Morgen um acht steht Bill bereit und fährt uns zu einem großen Supermarkt, denn Delaware City verdient seinen Namen nicht, es ist ein Dorf mit schlecht bestücktem Kramerladen. Bill schenkt uns eine Stunde seiner Zeit, einfach so und wartet geduldig, bis wir verproviantiert sind.

Mit einsetzender Tide motoren wir (juhuuu, die Nanni läuft) durch den Chesapeake-and-Delaware-Kanal bis Chesapeake City, wo wir für eine Nacht ankern. Auch Chesapeake City verdient seinen Namen nicht wirklich, was sich hier so alles City nennt, unglaublich. Im Vergleich zu diesen Citys sind Finnentrop oder Kirchhundem im Sauerland echte Großstädte.

Nächster Halt nach einem prima Segeltag: Der Sassafras River auf der Ostseite der Chesapeake Bay, ein landschaftlich wunderschöner Fjord. Hier genießen wir das Schauspiel des „Blutmonds“, das für uns zu wesentlich zivileren Zeiten als für die Europäer zu sehen ist.

Delaware 027

Ein Blutmond? Dutzende! Durch die Schiffsbewegungen und/oder die unruhige Hand des Fotografen

Die Wettervorhersage verspricht für die kommende Woche nichts Gutes. Zeitweise wurden im Windfinder bis zu 56 Knoten vorhergesagt. Dieser Wert wird im Windfinder nicht mehr in Dunkelrot sondern mit einem bräunlichen Farbton unterlegt. Das haben wir vorher auch noch nie gesehen. Und darum haben wir uns bereits jetzt in einen geschützten Hafen nach Rock Hall verkrümelt, wo wir den angesagten Starkwind abwarten wollen. Aktuelle Prognose: 30 Knoten plus. Wir haben an der kostenlosen Townpier festgemacht und harren der Dinge, die da kommen. Hoffentlich vertreibt uns hier keiner, sonst müssen wir in eine Marina umziehen, aber nach den ganzen Reparaturen braucht unser Portemonnaie Erholung.

Und so hoffen wir, dass nun der Klabautermann (war es etwa der Pumuckl?) mit der Mondfinsternis endgültig ausgezogen ist und auf anderen Schiffen sein Unwesen treibt.

Delaware 028

An der Townpier in Rock Hall

Statistik:

Delaware City – Chesapeake City 15 sm, Hafengeld: keines (Anker)

Chesapeake City – Sassafras River 22 sm, Hafengeld: keines (Anker)

Sassafras River – Rock Hall 25 sm, Hafengeld bisher keines (kostenlose Townpier), Duschen Note 4

Advertisements

Eine Antwort zu “Blutmond und Klabautermann

  1. Gott sei dank läuft die Nanni wieder! Herzlichen Glückwunsch und Mast und Schotbruch! Liebe Grüße aus Taufkirchen…Steffi

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s