Starker Wind und sture Beamte

Wildpferd am Ufer unseres Ankerplatzes in Beaufort.

Wildpferd am Ufer unseres Ankerplatzes in Beaufort.

Eine hübsche Kleinstadt mit Geschichte (immerhin 300 Jahre!), Wildpferde am Ufer und ein Delphinpaar als Dauergäste vor unserer schwimmenden Haustür: Es gibt wahrlich schlechtere Ankerplätze als unser Wohnsitz auf Zeit in der Ankerbucht von Beaufort, North Carolina.

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Die Hafenpromenade von Beaufort

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In Beaufort befindet sich einer der ältesten Friedhöfe in den Vereinigten Staaten, …

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… einige der Grabstätten wurden im 18. Jahrhundert angelegt und erinnern an die ersten Siedler und gefallene Helden im Unabhängigkeitskrieg.

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Dieses restaurierte Haus wurde von den ersten Siedlern in Beaufort im Jahr 1731 errichtet.

Gut, dass wir den Sonnentag nach unserer Ankunft für einen kleinen Stadtbummel und eine Dusche in der Stadt-Marina genutzt haben, denn bereits am nächsten Tag öffnete der Himmel seine Schleusen und sorgte dafür, dass wir die nächsten 48 Stunden unsere Köpfe nicht mehr nach draußen wagten. Immerhin war es ein warmer Regen. Die Heizung blieb aus, aber dafür wurde es unter Deck feucht-schwül. Selbst die Wäsche in den Schränken fühlte sich klamm an.

Mehrmals am Tag besuchte uns ein Delphinpaar während unseres regnerischen Zwangsaufenthaltes am Ankerplatz von Beaufort.

Mehrmals am Tag besuchte uns ein Delphinpaar während unseres regnerischen Zwangsaufenthaltes am Ankerplatz von Beaufort.

Die hohe Luftfeuchtigkeit hielt auch noch ein paar Tage an, nachdem sich die Sonne wieder blicken ließ. Wir verholten uns fünf Seemeilen weiter in eine Marina im benachbarten Morehead City zum Wäsche waschen, und um unsere Vorräte wieder aufzustocken. Zwei von drei Waschmaschinenladungen konnten wir noch durch den Trockner schicken. Die dritte Ladung hängten wir aber zum Trocknen an Bord auf, da uns die Zeit davonrannte, weil noch ein wichtiger Behördengang anstand. Um es kurz zu machen: Die Wäsche war auch nach 24 Stunden in der Sonne noch feucht (kein Wunder angesichts einer Luftfeuchtigkeit von 94 Prozent) und der Besuch bei der Customs and Border Protection (Zoll- und Grenzschutz, eine Abteilung der allmächtigen US-Heimatschutzbehörde) war eine große Enttäuschung.

Wir wollten bei der Customs und Border Protection unsere Aufenthaltserlaubnis vorzeitig verlängern lassen (zur Erinnerung: Florentine darf ein ganzes Jahr in den USA bleiben, wir jedoch nur maximal ein halbes Jahr am Stück). Bereits bei unserer Wiedereinreise in die USA nach unserem Heimaturlaub hatten wir uns am Flughafen Washington Dulles um eine längere Aufenthaltserlaubnis bemüht. Leider vergeblich. Originalton des Grenzbeamten nach zweistündiger Wartezeit im Kreise verdächtiger Schmuggler und vermeintlich illegaler Einwanderer mit dunkler Hautfarbe: „At january 3rd you’re out!“ (Am 3. Januar seid ihr wieder draußen!)

Wir hätten gerne eine längere Aufenthaltserlaubnis erhalten, um uns auf unserem Weg nach Süden nicht so abhetzen zu müssen. Wegen der Hurrican-Saison (offizielles Ende neuerdings erst am 30. November) müssten wir uns aus versicherungsrechtlichen Gründen nördlich des 35. Breitengrades (etwa Beaufort, North Carolina) aufhalten (was wir jetzt nicht tun). Jetzt müssen wir die 1000 Meilen bis zur Südspitze von Florida im Eiltempo absolvieren und noch einen zusätzlichen Abstecher zu den Bahamas einplanen, da wir im Februar und März in Kuba einige Freunde als Mitsegler mit an Bord nehmen wollen. In Kuba wiederum dürfen wir nicht zu früh eintreffen. Dort gilt die Aufenthaltserlaubsnis nur für vier Wochen (mit der Möglichkeit einer einmaligen Verlängerung um weitere vier Wochen).

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Mit Florentine tuckern wir durch einen Truppenübungsplatz. Warnschilder am Ufer des Intra Coastal Waterway warnen vor scharfem Feuer, dann wird die Passage für einige Stunden gesperrt.

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Wir nutzten eine Feuerpause für eine sichere Passage mit Blick auf diverse Panzer und andere Waffen am Ufer.

Trotz des Zeitdrucks kommen wir auf unserem Weg Richtung Süden aber nicht so richtig zügig voran. Nach zwei sonnigen Tagesetappen wurden wir jetzt gerade wieder durch eine Kaltfront ausgebremst. Bei Dauerregen und Starkwind mit Böen bis zu 30 Knoten haben wir unseren Schlammhaken am Ankerplatz von Wrightsville Beach eingegraben, um die Kaltfront an einem sicheren Platz abwettern zu können. Außerdem müssen wir auf unserem Weg entlang des Intercoastal Waterway immer wieder einige Schwing- und Klappbrücken passieren, die ab 30 Knoten Wind aus Sicherheitsgründen ihren Betrieb einstellen.

Blick von unserem Ankerplatz in Wrightsville Beach auf einige Häuser an der Waterfront. Wrightsville Beach ist ein beliebter Ferienort in North Carolina. Die richtig teuren Feriendomizile befinden sich laut unseres Törnführers in "gated communities", streng bewacht hinter hohen Mauern.

Blick von unserem Ankerplatz in Wrightsville Beach auf einige Häuser an der Waterfront. Wrightsville Beach ist ein beliebter Ferienort in North Carolina. Die richtig teuren Feriendomizile befinden sich laut unseres Törnführers in „gated communities“, streng bewacht hinter hohen Mauern.

In zwei Tagen hoffen wir unsere Fahrt fortsetzen zu können.

P.S. „Oh, das ist aber ein tristes Ahoi“, meint Kathrin gerade beim Gegenlesen. „Ja“, entgegne ich, „unsere Reise ist nicht immer eitel Sonnenschein und easy living. Das sollen unsere Freunde, unsere Familien und die vielen anderen Leser unseres Blogs ruhig wissen.“ Aber: Kathrin hat natürlich – wie immer – Recht: Uns geht’s saugut! An sonnigen Tagen tuckern wir in kurzen Hosen und T-Shirts durch eine traumhafte Landschaft, während bei euch in Deutschland zu Hause schon seit Wochen die Heizung bullert und die ersten Geschäfte ihre Advents-Deko rauskramen. Und ein paar Tage an einem geschützten Ankerplatz mit einem guten Buch unter Deck, während wir der unparteiischen Kommentierung des hochverdienten Siegs im Revierderby gegen Schlacke 04 von Nobby Dickel per BVB-Netradio lauschen, haben auch ihren besonderen Reiz, bevor uns die Herbstsonne in den Südstaaten wieder auf den Pelz brennt.

Dünen, Marschlandschaft und immer wieder Feriendomizile säumen die Ufer des Intra Coastal Waterway.

Dünen, Marschlandschaft und immer wieder Feriendomizile säumen die Ufer des Intra Coastal Waterway.

Statistik:

Beaufort (North Carolina) – Morehead City, 5 sm, Hafengeld 50 €, Duschen Note 2

Morehead City – Swansboro, 18 sm, Hafengeld 27 €, Duschen Note 4,

Swansboro – New River, 13 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

New River – Wrigthsville Beach, 32 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Gesamtstrecke seit Heeg: 10833 sm

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Eine Antwort zu “Starker Wind und sture Beamte

  1. Heizung? Bullern? Vorwegen! 20 Grad – und das im November. Gerade aus Rom zurück, war es dort mit 28 Grad sogar noch hochsommerlich. Herzliche Grüße aus der ,,alten Heimat“. Wir denken oft an euch und wünschen euch das Beste. Passt auf euch auf – bis bald.
    Malte, Sille und Toni

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