Im Konvoi weiter Richtung Süden

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Alle festen Brücken über den Intercoastal Waterway sollten eine Durchfahrtshöhe von 65 Fuß (19,5 Meter) haben. Bei Hochwasser ist es aber oft auch weniger. Florentines Mastspitze ragt 18,5 Meter in die Höhe. Jede Passage ist daher mit Herzklopfen verbunden.

Meile um Meile streben wir weiter nach Süden in wärmere Gefilde, immer dem schmalen Fahrwasser des Intercoastal Waterway folgend, der sich oft nur wenige hundert Meter vom offenen Atlantik getrennt mäandernd durch die Landschaft windet. Wir passieren Dünengebiete und Marschlandschaften, tuckern durch überflutete Wälder in denen die Bäume ihr Leben ausgehaucht haben, und dann wieder blicken wir am Ufer auf mondäne Anwesen.

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Einsam, überschwemmt und viel Strömung hier

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South Carolina: der Baustil wird südlicher

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Hier könnte auch gleich Scarlett OHara die Freitreppe runterkommen.

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Holz ist der Baustoff der Wahl in dieser hurrikangefährdeten Region, egal wie groß oder wie hoch das Gebäude werden soll …

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… Später wird das Haus dann etwa so wie dieses hier aussehen …

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… oder diese hier.

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In South Carolina sehen wir viele schwimmende Casinos

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Wir erleben die Amerikaner als geschichtlich interessiertes Volk. Fast alle älteren Gebäude tragen Plaketten mit dem Datum der Errichtung. Diese Hinweistafel in Southport lässt uns jedoch schmunzeln: Errichtet um 2001! Tja, wenn man es doch genauer wüsste, aber lang ist’s her…

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Southport ist übrigens die „glücklichste Küstenstadt in Amerika“ dürfen wir hier lesen …

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… Und so sieht die Hauptstraße in der „glücklichsten Küstenstadt Amerikas“ aus.

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Vorgeschmack auf Weihnachten

Die meisten Nächte verbringen wir in einsamen Creeks, kleinen Seitenarmen des Intercoastal Waterway. Mit den ersten Sonnenstrahlen geht es dann wieder ankerauf und wir erleben den nächsten Tag in der Natur. Fischadler sehen wir, Pelikane, Reiher und die Spuren von Alligatoren im Schilf am Ufer. Traumhaft, Wunderbar.

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Von North Carolina nach South Carolina bis nach Georgia hinein. Jedes Mal, wenn wir einen neuen Bundesstaat betreten bzw. befahren, müssen wir uns telefonisch bei der Customs and Border Protection melden, hier in den Südstaaten inzwischen sogar täglich. „You call us every time, when you move your boat!“. Ob das wohl der aktuellen Terrorgefahr geschuldet ist oder ob sie hier im Süden einfach pingeliger sind? Wir melden uns jedenfalls als typische Deutsche brav an und ab.

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Reise im Konvoi

Seit einer guten Woche sind wir nicht mehr allein unterwegs. Mit zwei US-amerikanischen Einhandseglern haben wir uns zu einem Konvoi zusammengetan. Zwei abgefahrene Buddies, die wie wir auf ihren Booten leben und über die man ganze Bücher schreiben könnte. Tyler, mit 31 Jahren der Jüngste in unserem Konvoi, ist ein richtiger Naturbursche und unser Leithammel, da er den Intercoastal schon mehrfach befahren hat. Tyler betreibt in Portland, Maine, hoch im Norden Nahe der kanadischen Grenze eine kleine Segelschule als Ein-Mann-Betrieb. Sein 30 Fuß kleines Schiff „Resurgam“ ist nicht nur sein Zuhause sondern gleichzeitig auch seine Betriebsstätte auf der er den Seglernachwuchs ausbildet. Jollensegeln und Skippertraining auf anderen Eignerschiffen hat er ebenfalls im Angebot. Doch leider ist die Segelsaison im hohen Norden viel zu kurz. Darum plant Tyler nun ein weiteres Standbein und eröffnet im sonnigen Florida eine zweite Segelschule, die er dann in den Wintermonaten betreiben will.

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Unser Scout Tyler mit seiner „Resurgam“

North Carolina 101Unser zweiter Begleiter ist Doug mit seiner ebenfalls 30 Fuß langen „Winsome Lass“. Bis vor drei Monaten war Doug noch aktiver Kämpfer bei den Spezialkräften der bekannt-berüchtigten Navy Seals. Die letzten 34 Jahre hat er an allen Orten auf der Welt verbracht, wo die USA in kriegerische Auseinandersetzungen verstrickt waren: Irak, Afghanistan, Libanon, Libyen, Syrien … Wieder zusammengeflickt wurde er nach mehreren Verwundungen ein paar mal in Deutschland. Jede Menge Drähte und viel Titan halten seinen geschundenen Körper jetzt zusammen, wie er erzählt. Vor drei Monaten ist Doug mit posttraumatischen Belastungsstörungen aus dem Militärdienst ausgeschieden. Anstelle von aufwendigen psychologischen Sitzungen und Psychopharmaka hat Doug sich mit dem Kauf eines Segelschiffes seine eigene Therapie verschrieben, um wieder „runter zu kommen“. Nur 5000 Dollar hat er für sein Schiff bezahlt, das er nun von vom fast arktischen Neufundland nach Florida überführt.

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Stolz zeigt Doug ein Tattoo, das ihn als Mitglied der Special Forces ausweist.

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Doug und seine Winsome Lass

Bis auf eine Navionics-App auf seinem I-Phone und einem Kompass hat Doug keine nautischen Instrumente an Bord. Alle seine Neuanschaffungen (UKW-Funk, Kartenplotter, Radar, Fernseher, Computer) wurden ihm bereits kurz nach seinem Aufbruch in Neufundland bei einem Stopp auf einer kleinen Insel geklaut. „Sogar mein Whisky und meine Zigaretten“, was er besonders bedauert. Doug bewegt sich nun seit Norfolk immer im Kielwasser von Tyler und lässt sich bis nach Florida lotsen. Und wir sind die dritten in dem kleinen Konvoi, der manchmal noch für ein oder zwei Tage Zuwachs bekommt, wenn sich ein anderes Boot von uns lotsen lässt. Auch wir sind froh über unseren Lotsen Tyler, der sich auf dem ICW auskennt und uns (meist) sicher um gefährliche Flachstellen herumführt, die nach dem Hurrikan Joaquin noch nicht alle betonnt sind. Und als wir doch einmal festsaßen, kehrten beide sofort um und Doug schleppte uns wieder frei.

Mit Tyler und Doug verbringen wir wunderbare Abende an Bord von Florentine, wir kochen, essen, trinken und musizieren zusammen. Zwei Gitarren, mehrere Flöten und Gesang, unser Musikgeschmack deckt sich weitestgehend und wir haben viel Spaß.

Inzwischen sind wir in Savannah, Georgia, angekommen, aber das ist eine andere Geschichte…

Statistik:

Wrigthsville Beach – Southport, 25 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Southport – Calabash Creek, 22 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Calabash Creek – Guendloos Creek, 43 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Guendloos Creek – Brown Island, 31 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Brown Island – Whiteside Creek, 31 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Whiteside Creek – Charleston, 15 s, Hafengeld 65 €, Duschen Note 1

Charleston – Ashepoo River, 37 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Ashepoo River – Hilton Head, 39 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Hilton Head – Savannah, 26 sm, Hafengeld 65 €, Duschen Note 1+

Gesamtstrecke seit Heeg: 11102 sm

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Eine Antwort zu “Im Konvoi weiter Richtung Süden

  1. Lieber Peter,
    in Ermangelung eurer aktuellen US-Handynummer auch noch einmal auf diesem Weg: Herzlichste Glückwünsche zu deinem Geburtstag und nur das Beste.
    Bis bald,
    Eure
    Malte,Sille und Toni

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