Raumfrachter zur ISS muss ohne uns starten

 

St. Augustine feiert in diesem Jahr das 450-jährige Bestehen und geht auf die Besiedlung durch spanische Eroberer und Entdecker zurück.

St. Augustine feiert in diesem Jahr das 450-jährige Bestehen und geht auf die Besiedlung durch spanische Eroberer und Entdecker zurück.

In großen Schritten geht es südlicher, Tyler hat es eilig, er hat Termine mit seinen ersten Segelschülern in den Florida Keys und will schnellstmöglich ganz in den Süden. Die wirklich bezaubernde Stadt St. Augustine allerdings kennt er noch nicht und lässt sich auf einen Zwei-Tages-Stopp ein. In St. Augustine ist schlecht ankern. Der Grund hält schlecht, und es setzt heftig Strömung, der Tidenhub beträgt 1.80m. Für die zahlreichen günstigen Moorings an der Waterfront gibt es schon eine Warteliste, also schleichen wir uns einen kleinen Nebenfluss, den St. Sebastians River hinauf, und binden Florentine an der „Rückseite“ von St. Augustine fest.

Es ist der Tag nach Thanksgiving, ein langes Wochenende, und in den Marinas antwortet niemand auf unsere Anrufe. Also fahren wir einfach in eine freie Box und fragen mal nach. Und prompt kommt Larry und weist uns drei freie Plätze zu. Larry ist kein Marina-Mitarbeiter sondern Dauerlieger und nach eigener Aussage ehrenamtlicher „Watchdog“ (Aufpasser) in der Oasis-Marina. Er macht uns einen sensationell günstigen Preis bei Barzahlung und wir widersprechen nicht. Die Duschen sind die besten seit ganz langer Zeit und die Menschen, die hier auf ihren Booten leben, sind superfreundlich: „ Wollt ihr nicht lieber bei uns auf dem Motorboot duschen, dann müsst ihr nicht so lange laufen? Wollt ihr unsere Schlüsselkarte zum Verlassen des Geländes haben? Braucht ihr was aus dem Supermarkt? Wir fahren Euch hin…“

Radltour durch die grünen Vororte von St. Augustine

Radltour durch die grünen Vororte von St. Augustine

Das älteste hölzerne Schulhaus der USA

Das älteste hölzerne Schulhaus der USA

Florida 020

Florida 018

Florida 013

Florida 012

Die historische Altstadt von St. Augustine

Die historische Altstadt von St. Augustine

Abends gibt es eine Einladung zum Sundowner auf das riesige Motorboot, wir erfahren, dass Larry auch der „Dock-Dog“ oder „Big-Mouth-Larry“ heißt und wir sollen bloß vorsichtig sein und ihm kein Geld geben. Zu spät! Bei unserer Abreise am Montag Morgen steht dann auch prompt der Besitzer der Marina am Steg und fragt nach Bezahlung. Wir verweisen auf Larry und ernten ein leicht säuerliches Lächeln. Ob er wohl was von unserer Gebühr zu sehen bekommt?

Daytona Beach sehen wir nur vom Ankerplatz aus, es gibt ein großes Treffen mit zwei Kanadiern von der „Two Outrageous“ (Die zwei Verrückten), die wir zuletzt in Solomons Island in der Chesapeake Bay getroffen haben. Am Ende sitzen wir mit einem knappen Dutzend Segler von sechs Schiffen bei den „Zwei Verrückten“ und werden dort nach allen Regeln der kanadischen Gastfreundschaft abgefüllt und abgefüttert.

Sonnenaufgang am Ankerplatz von Daytona Beach

Sonnenaufgang am Ankerplatz von Daytona Beach

Im Konvoi mit fünf anderen Booten geht es am folgenden Tage weiter nach Titusville. Auf dem Weg durch ein Naturschutzgebiet sehen wir zahlreiche Delfine, Fischadler, Pelikane und Manatees – von denen allerdings nur den Rücken. Manatees waren uns erst mal kein Begriff, aber Wikipedia hilft: es handelt sich um seltene Rundschwanzseekühe, die in Florida besonderen Schutz genießen.

Intercoastal-Marker mit Hinweis auf das Manatee-Schutzgebiet und Bitte (an die rasenden Motorbootfahrer) um langsame Fahrweise. Langsam bedeutet hier in Florida tagsüber max. 30 Knoten und nachts max. Tempo 25. Zum Vergleich: Unsere Reisegschwindigkeit beträgt 5 bis 6 Knoten (ca. 10 km/h).

Intercoastal-Marker mit Hinweis auf das Manatee-Schutzgebiet und Bitte (an die rasenden Motorbootfahrer) um langsame Fahrweise. Langsam bedeutet hier in Florida tagsüber max. 30 Knoten und nachts max. Tempo 25. Zum Vergleich: Unsere Reisegschwindigkeit beträgt 5 bis 6 Knoten (ca. 10 km/h).

Das Paradies unter der Sonne Floridas hat einen Haken: Zum Schutz vor Moskitos haben viele Häuser riesige Schutzkäfige über ihren Terassen nd Swimmingpools errichtet.

Das Paradies unter der Sonne Floridas hat einen Haken: Zum Schutz vor Moskitos haben viele Häuser riesige Schutzkäfige über ihren Terassen und Swimmingpools errichtet.

Eine Reise entlang des Intercoastal Waterway eröffnet uneingeschränkte Blicke in die Riveryards luxuriöser Anwesen und schmucker Ferienhäuser.

Eine Reise entlang des Intercoastal Waterway eröffnet uneingeschränkte Blicke in die Riveryards luxuriöser Anwesen und schmucker Ferienhäuser.

 

Nicht alle "Snowbirds" (Zugvögel) schippern wie wir mit dem Boot in Richtung Süden. Viele Rentner sind mit rollenden Eigenheimen unterwegs und schlagen ihr Winterdomizil an schönen Plätzen in Florida auf.

Nicht alle „Snowbirds“ (Zugvögel) schippern wie wir mit dem Boot in Richtung Süden. Viele Rentner sind mit rollenden Eigenheimen unterwegs und schlagen ihr Winterdomizil an schönen Plätzen in Florida auf.

Robinson Crusoe am Ufer des Intercoastal Waterway

Robinson Crusoe am Ufer des Intercoastal Waterway

In Titusville nehmen wir tränenreichen Abschied von unseren zwei amerikanischen Einhandseglern. Die beiden wollen weiter, wir beschließen, hier zwei oder drei Tage zu bleiben. Titusville ist ganz nah an Cape Canaveral und hier soll am 3.12. eine Rakete als Frachttransporter zur internationalen Raumstation ISS starten. Das lassen wir uns doch nicht entgehen!

Den Besuch im Kennedy-Space-Center vergessen wir allerdings ganz schnell wieder, der Eintritt mit 50 $ pro Nase und das Taxi mit 60 $ sind uns dann doch zuviel. Stattdessen legen wir uns hinter einer Brücke auf die Lauer und fiebern beim Countdown mit. Im Online-Hafenhandbuch „Active Captain“ wird dieser Ankerplatz als „Launch-View“, also als beste Möglichkeit, den Start zu beobachten, gepriesen. Es regnet und bläst böig, der Start wird dreimal verschoben und dann abgesagt. Aber heute ist ein neuer Tag. Ab 17.30 Uhr öffnet sich für eine halbe Stunde ein neues Startfenster, und wir bleiben einfach vor Anker liegen und hoffen das Beste. Heute wenigstens kein Regen, allerdings viel Wind mit 20 -25 kn.

Nachtrag: Leider zu viel Wind, auch heute kein Raketenstart. Und morgen soll es noch ein wenig stürmischer werden. Der Raumfrachter wird in der kommenden Woche ohne uns abheben müssen.

Statistik:

Fernandina Beach (Florida) – Sisters Creek, 26 sm, Hafengeld keines (kostenlose Pier)

Sisters Creek –St. Augustine, 40 sm, Hafengeld 25 $, Duschen Note 1*

St. Augustine – Daytona Beach, 50 sm, Hafengeld keines (Anker)

Daytona Beach – Titusville, 46 sm, Hafengeld keines (Anker)

Gesamtstrecke seit Heeg: 11398 sm

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Eine Antwort zu “Raumfrachter zur ISS muss ohne uns starten

  1. Ground Control to Major Tom
    Ground control to Major Tom
    Commencing countdown, engines on
    Check ignition and may God’s love be with you
    fällt mir da von Bowie wieder ein!
    Tja da wird wohl der imaginäre Major Tom , weil unbemannter Raumfrachter, ohne Euch abgehoben sein!
    Trotzdem echt tolle Eindrücke vom Staate Florida.
    Wir sind in Gedanken bei euch und beim Kerzenanzünden auf’m Adventzkranz denken wir an Euch.
    Fröhliche warme Adventzeit euch beiden

    Siggi und Jochen

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