Unsere letzten Stunden sind gezählt …

Spaziergang am Atlantikstrand

Spaziergang am Atlantikstrand

zumindest in den Vereinigten Staaten. Seit Wochen erleben wir eine stabile Nordwindlage. Das war gut, solange wir Florentines Bug Kurs Süden gerichtet haben. Doch jetzt müssen wir „links abbiegen“ und den Golfstrom queren, der mit 3 bis 4 Knoten von Süd nach Nord schiebt. Nordwind und Südstrom vertragen sich aber überhaupt nicht. Die dabei entstehende Welle als unangenehm zu bezeichnen ist eine maßlose Untertreibung. Das ist Rock’n Roll auf dem Wasser.

Herzklopfen bei jeder Brücke. Die offizielle Sollhöhe der Brücken über der Intercoastal Waterway ist 65 Fuß; je nach Wasserstand kann es auch mal weniger sein. Unsere knappste Durchfahrt war bei 62,5 Fuß. Hier kratzt BRÖSELS Antenne schon am Beton.

Herzklopfen bei jeder Brücke. Die offizielle Sollhöhe der Brücken über der Intercoastal Waterway ist 65 Fuß; je nach Wasserstand kann es auch mal weniger sein. Unsere knappste Durchfahrt war bei 62,5 Fuß. Hier kratzt BRÖSELS Antenne schon am Beton.

Vor ein paar Tagen sind wir wieder auf unsere Freunde Sabine und Thomas von der BRÖSEL gestoßen. Die Brösels wollen genau wie wir auf die Bahamas. Und da die Brösels erstens saunett sind und zweitens die Florida-Bahamas-Route schon ein paarmal gesegelt sind, haben wir beschlossen, eine Weile gemeinsam mit ihnen zu reisen.

Wiedersehen mit unseren Freunden von der BRÖSEL am Nikolaustag

Wiedersehen mit unseren Freunden von der BRÖSEL am Nikolaustag

In Palm Beach, unserem jetzigen Standort, wollten wir uns gemeinsam auf die Lauer legen, um ein geeignetes Wetterfenster abzupassen. Tja, und gerade in Palm Beach eingetroffen öffnet sich schon das Fenster. In ein paar Stunden, morgen um halb fünf in der Frühe, lichten wir den Anker.

Unser Ankerplatz im Lake Worth, Palm Beach

Unser Ankerplatz im Lake Worth, Palm Beach

Unser erstes Ziel ist Westend auf Grand Bahama. Dort können wir einklarieren, unsere 300 US $ für das Cruising Permit abliefern, eine Mütze Schlaf nehmen und danach geht es auch schon weiter. Bis zum kommenden Wochenende müssen wir die sicheren Gewässer von Nassau erreichen., denn dann soll das Wetter ungemütlich werden. So die Prognosen. Weihnachten wollen wir auf den Exuma Cays sein. Dort hat es uns bei unserem Aufenthalt im Frühjahr am besten gefallen.

Die vergangenen Tage haben wir mit Putzorgien, Wäsche waschen und Powershoppen verbracht. Zur Erinnerung: Lebensmittel und Süßwasser sind auf den Bahamas sauteuer. Florentine liegt jetzt bestimmt 10 Zentimeter tiefer im Wasser. Selbst für unsere Atlantiküberquerung haben wir nicht so viel Vorräte gebunkert wie jetzt für unseren Bahamas-Törn. Wer Lust hat, bei uns auf ein Glas Wein oder eine Dose Bier vorbeizuschauen, der ist herzlich eingeladen. Wir haben jetzt ausreichend an Bord.

Ankerbucht in Vero Beach. Der Andrang ist so groß, dass die ausgelegten Mooringtonnen mit Dreierpäckchen belegt  sind. Wir haben uns dort lieber vor den eigenen Anker gelegt.

Ankerbucht in Vero Beach. Der Andrang ist so groß, dass die ausgelegten Mooringtonnen mit Dreierpäckchen belegt sind. Wir haben uns dort lieber vor den eigenen Anker gelegt.

Was war sonst noch in den letzten Tagen unseres USA-Aufenthaltes? Von Vero Beach aus haben wir letztendlich doch noch den Start der Atlas-Frachtrakete zur ISS-Raumstation live erleben können – als kleinen leuchtenden Punkt am Himmel mit einem ordentlichen Kondensstreifen.

Deutlich zu erkennen, oder? Start der Atlas-Frachtrakete zur Raumstation ISS.

Deutlich zu erkennen, oder? Start der Atlas-Frachtrakete zur Raumstation ISS.

Eine Etappe später haben wir im Peck Lake geankert. Von unserem Ankerplatz trennten uns nur hundert Schritte durch einen kleinen Mangrovenwald vom Atlantik. Der Strand und die Brandung waren eindrucksvoll, die Begegnung mit einer Invasion kleiner Sch…viecher eher weniger. Die Mistdinger heißen hier „No see him“ (man sieht sie nicht), aber man spürt sie – sogar noch nach ein Tagen. Wir könnten uns totkratzen… Den Sonnenuntergang im Peck Lake haben wir darum schwitzend unter Deck verbracht, alle Luken und den Niedergang mit Mückengittern verrammelt.

Florida 073

Keine Windpocken, sondern Bisswunden der kleinen Sch…viecher. Allein rund hundert am rechten Unterschenkel.

Florida 053

Mit dem Dhingi zum Mangroven-Wäldchen …

Florida 056

… und 100 Schritte später stehen wir mit den Füßen im Atlantik.

Was bleibt hängen von unserem Törn entlang der US-Ostküste? Beindruckende und pulsierende Großstädte, eine faszinierende Natur entlang des Intercoastal Waterway und idyllische Ankerplätze in Buchten und Creeks, insbesondere in New England und in der Chesepeake Bay. In den meisten Klein- und Mittelstädten möchte ich aber nicht tot überm Zaun hängen: so gesichtslos, so trostlos, so leblos. Dort waren wir in der Regel die einzigen Fußgänger bzw. Radfahrer und fühlten uns teilweise wie Landstreicher ohne motorisierten Untersatz.

Florida 066

Dezent dekoriertes Ausflugsschiff

Florida 063

Sheriff auf dem Wasser

Florida 035

Ausgefalle Privatyacht

Florida 039

In Florida hat die Bauqualität noch einmal zugelegt.

Ein immer wiederkehrendes Erlebnis ist die die Kontaktfreude, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft der US-Bürger. Nur ein Beispiel: Nach jeder Passage einer Klappbrücke bedankt sich jeder Skipper per Funk bei den Brückenwärtern: „Danke für die Öffnung der Brücke! Wir schätzen Ihren Dienst und wünschen Ihnen einen wunderbaren Tag!“ Und auch beim 10. oder 20. Skipper eines langen Konvois erwidert der Brückenwärter freundlich: „Danke, Captain! Ich wünsche Ihnen eine gute und sichere Fahrt!“

Viele Menschen engagieren sich ehrenamtlich als „Volunteer“ (Freiwillige). So nahm uns an der öffentlichen Pier von Sisters Creek ein „self appointed Greeter“ (ein selbsternannter Begrüßer) die Leinen die entgegen, überreichte uns seine Visitenkarte und bat, man möge ihn kontaktieren für kleine Besorgungsfahrten oder einen Flughafentransfer. In Vero Beach wird der kostenlose öffentliche Busverkehr ausschließlich von ehrenamtlich tätigen Senioren betrieben. In Deutschland werden 70-jährige Leistungsträger bedrängt, ihren Führerschein freiwillig abzugeben. In Vero Beach erhalten sie stattdessen den Personenbeförderungsschein.

Und dann wären da noch die zahlreichen und wunderbaren Freundschaften auf Zeit, wie man sie wohl nur als Böötchenfahrer auf Langfahrt erleben kann. Es vergeht wirklich kaum ein Tag, an dem nicht jemand mit seinem Dinghi vorbeikommt und an die Bordwand klopft. An gemeinsamen Gesprächsthemen herrscht kein Mangel und schon hat man die nächste Verabredung zum Sundowner. An vielen Ankerplätzen gibt es ein Wiedersehen mit „alten Bekannten“, so mit Laurie und Paul und mit Heather und Roger aus Kanada, mit Tammy und Jim aus den USA oder mit John aus England. Nur um ein paar Namen aus der vergangenen Woche zu nennen. Ein paar von Ihnen werden wir irgendwann und irgendwo auf den Bahamas wiedersehen. Und auch darauf freuen wir uns schon jetzt!

Weihnachtliches Florida

Weihnachtliches Florida

In Amerika ist alles ein bisschen größer, auch die Bonbongläser.

In Amerika ist alles ein bisschen größer, auch die Bonbongläser.

Statistik:

Titusville / Cape Canaveral – Indian River /Coconut Point , 49 sm, Hafengeld keines (Anker)

Indian River /Coconut Point – Vero Beach, 26 sm, Hafengeld keines (Anker)

Vero Beach – Peck Lake, 39 sm, Hafengeld keines (Anker)

Peck Lake – Palm Beach / Lake Worth, 22 sm, Hafengeld keines (Anker)

Gesamtstrecke seit Heeg: 11534 sm

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s