Zwei Wochen Bahamas – Adrenalin und Entspannung

Moritz mit den Ammenhaien

Moritz mit den Ammenhaien

Schwimmende Schweine, kuscheln mit zahmen Ammenhaien, urzeitliche Gürteltiere, die einem aus der Hand fressen, tauchen in der James-Bond-Thunderball-Grotte, ein Unterwasserkonzert mit Claudia Schiffer am Copperfield-Piano und Spaziergänge auf einer trockenfallenden Sandbank: Die vergangenen zwei Wochen mit Sohn Moritz und Freundin Ana auf den Exumas waren in der Tat aufregend, anregend und abwechslungsreich. Trotzdem will sich bei mir auf den Bahamas kein Wohlgefühl einstellen. Schuld daran ist das Wetter. Es spielt verrückt. Keine Woche, in der nicht eine starkwindige Front über uns hinweg zieht. Gerne mit Böen in Sturmstärke, vorzugsweise aus dem westlichen Sektor. Die wenigen geschützten Ankerplätze für Wind aus dieser Richtung kann man an einer Hand abzählen, und sie sind schnell von anderen Schutz suchenden Schiffen belegt.

Rund 125 Seemeilen liegen zwischen Georgetown und Nassau, eine Strecke, die wir mit Ana und Moritz gechillt in kurzen Etappen absegeln wollten. Doch bereits in Georgetown blies uns der Wind auf die Nase, ein paar Tage später mussten wir uns in der teuren Compass Cay Marina verkriechen, und auch jetzt haben wir uns drei Tage vor dem geplanten Rückflug der Beiden wieder zum Schutz in Nassau in einer Marina verkrochen. Wieder Westwind mit 40 Knoten … Und die nächste Front ist bereits im Anmarsch, wie wir den Gribfiles entnehmen können.

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Dunkle Wolken kündigen die nächste Schlechtwetterfront an.

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Und noch ’ne Front …

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… und noch eine …

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… und da ist auch schon die nächste.

Und wenn uns das Wetter mal in Ruhe lässt, sorgen wir selbst dafür, dass Blutdruck und Puls nicht in den Keller gehen. Wir starten dann einfach zu einer kleinen Wanderung über eine Privatinsel. Eine knappe Stunde soll der Weg von der Compass Cay Marina zum Bubble Bath, einem natürlichen Whirlpool an der Nordspitze der Insel dauern. Auf dem Hinweg entlang der Alantikküste verlief auch alles nach Plan. Um ein wenig Abwechslung in unser langweiliges Leben zu bringen, entschieden wir uns auf dem Rückweg für den – angeblich ausgeschilderten – „Dschungel Trail“ auf der Leeseite der Insel, der uns durch einen Mangroven-Wald führen sollte. Wirklich eine schöne Route im warmen Licht der untergehenden Sonne, überwiegend immer am Strand entlang.

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Spaziergang zum Bubble Bath entlang derr Atlantikküste von Compass Cay

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Bad im Bubble Bath, ein natürlicher Whirlpool zwischen Felsen hinter der Brandungszone

Nach einer Stunde dann ein Schild: „Dschungel Trail“. Wurde auch Zeit, denn in einer Stunde wird es hier schlagartig finster und der Strandweg ist in ein flaches Kliff übergegangen. Der ausgeschilderte Dschungel-Trail macht seinem Namen alle Ehre. Wirklich üppiger Bewuchs. Und zwar so üppig, dass wir nach 100 Metern einstimmig befinden, dass es sich hier niemals um den empfohlenen Trail handeln könne. Den ganzen Weg zurück und wieder an der Atlantikseite entlang? Keine Option. Dann würden wir niemals im Hellen an der Marina ankommen. Moritz, dessen Hochgebirgs-Flip-Flops inzwischen den Geist aufgegeben hatten, erobert barfuss den 28 Meter hohen Compass Hill. Von oben kann er auch die Marina ausmachen – aber keinen Weg.

Allmählich dämmert uns, warum das Marinapersonal empfahl, eine Handfunke mit ins kleine Marschgepäck zu packen. Über Kanal 16 setzen wir einen Notruf ab: „Hallo, Compass Cay Marina, wir haben uns verlaufen! Wir stehen hier am Schild Dschungel Trail und kommen nicht weiter.“

Hier muss irgendwo der Dschungel Trail sein, hier müssen wir durch.

Hier muss irgendwo der Dschungel Trail sein, hier müssen wir durch.

Antwort: „Dann seid ihr richtig. Kann aber sein, dass der Dschungel-Trail nicht so gut zu erkennen ist. Da müsst ihr einfach durch und ein paar Minuten später kommt ihr dann auf einen breiten Weg. Dieser Weg führt zu einer Brücke, die allerdings noch im Bau ist. Dort müsst ihr durch das Wasser zum anderen Ufer waten und dann sind es nur noch ein paar Meter. Alles klar?“ „Alles klar!“

Kurzfassung der folgenden halben Stunde: Mit Todesverachtung, ohne Rücksicht auf Spinnen, Kriechtiere, Krabbler und Kratzspuren am ganzen Körper haben wir uns eine Schneise durch das Unterholz geschlagen, finden wieder einen richtigen Weg und schließlich auch die Brückenfragmente. Na gut, durchwaten ans andere Ufer geht nicht. Ist doch ein bisschen tiefer. Also Schwimmen. Das klappt auch mit T-Shirt ganz gut. Aber Vorsicht! Rucksack mit Fotokamera, Handfunke und Handy immer schön über dem Kopf halten. Dann lockeres Auslaufen bis zur Marina. Trockene Sachen und belebende Getränke.

Die mutige Ana geht voran.  Nur schwimmend erreicht sie das andere Ufer.

Die mutige Ana geht voran. Nur schwimmend erreicht sie das andere Ufer.

Nach dem Ausschlafen das nächste Adrenalinerlebnis: Schwimmen mit Ammenhaien. Der Besitzer von Compass Cay, der die Insel übrigens vor etlichen Jahren für treu geleistete Dienste von seinem ehemaligen Brotherrn geschenkt bekam, hat hier ein Pärchen Ammenhaie gefangen und angefüttert. Den beiden gefiel das so gut, dass sie blieben und sich vermehrten. Und so leben hier im Hafenbecken ein gutes Dutzend große und kleine Haie, die regelmäßig gefüttert werden und zutraulich sind. Das Geräusch allerdings, wenn die Kiefer zuschnappen beim Füttern, macht doch ein bisschen Gänsehaut. Unter Wasser hört man es nicht, Gott sei Dank. Die Inseln nebenan gehören übrigens dem Aga Khan und Sean Penn….

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Peter beim Bad mit den Ammenhaien

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Moritz – Selfie mit Haien

Auf Allans Cay, unserer letzten Station vor Nassau, konnten dann kleinere Drachen gefüttert werden, die berühmten Iguanas – zu Deutsch Leguane. Hier ankerten wir schon bei etwa 25 kn Nordostwind und hielten bis spät in die Nacht Ankerwache. Hält er, hält er nicht? Was ist mit der Strömung und treibt es uns auf die mittig liegende Sandbank oder nicht? Alles gut und am nächsten Morgen ließen wir uns von dem mittlerweile auf Südost gedrehten Wind mit 20 – 25 kn über die Bahamasbank schieben, im strömenden Regen. Spannend war die Einfahrt in die Palm Cay Marina, gespickt mit vielen Korallenköpfen, die bei diesem Wetter nicht wirklich gut zu sehen waren. Aber die Karte von Garmin ist sehr genau, sowohl was Felsen, als auch Tiefenangaben angeht. Hätten wir die vor einem Jahr schon gehabt, hätten wir uns einige Situationen mit trockenem Mund und auch einige Grundsitzer ersparen können. Geiz ist ein Laster!

Iguanas

Iguanas auf Allans Cay

Das schönste an Nassau? Die Duschen in der Marina, zwar gibt es insgesamt nur zwei für alle Einlieger, aber die sind sauber und warm. Nassau selbst ist eine Ansammlung von Banken, Juwelieren und Souvenir-Ramschläden, nicht zu vergessen die üblichen Fastfood-Ketten. Halt ein Anlegeplatz für große Kreuzfahrtschiffe, nach unserer Erfahrung sind diese Touri-Meilen nahe dem Hafen austauschbar.

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Florentine und Brösel ankern vor einer Sandbank.

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Angespülte Koralle auf einer Sandbank

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So schön können die Bahamas sein

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Weiteres Fundstück auf der trockengefallenen Sandbank: ein Seestern

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Privatinsel von Aga Khan, Johnny Depp oder doch von David Copperfield?

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An diesem Anblick können wir uns einfach nicht sattsehen.

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Spaziergang auf einer Sandbank

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Besuch einer verlassenen Forschungsstation …

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… und Versorgung mit frischem Obst. Die Schale der Früchte ist etwas hart.

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Besuch der schwimmenden Schweine

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Selfie mit Schweinen

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Ana und Moritz sind begeistert.

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Ana und Moritz in der Thunderball-Grotte

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Moritz am versunkenen Copperfield-Piano. Im Hintergrund lauscht Meerjungfrau Claudia Schiffer.

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Dieser Rochen ergreift jedoch die Flucht.

Morgen verlassen uns die Youngsters wieder und wir bereiten uns langsam auf den Sprung nach Kuba vor.

 

… Nachtrag durchs Jungvolk:

Nachdem der Käptn den abenteuerlichen Teil unseres Bahamas-Trips bereits eindrucksvoll geschildert hat, ist es nun an uns ein paar Zeilen über die entspannten und entspannenden Momente an Bord von Florentine zu verfassen. Denn anders als es vielleicht klingen mag, gab es die trotz unsteten Wetters zuhauf. Wir haben Stunden damit zugebracht fasziniert aufs türkisblaue und glasklare Wasser zu starren für dessen Beschreibung allein ein ganzes Ahoi nötig wäre, bunte Fischschwärme mit Kartoffelbreiresten zu füttern, Sonnenuntergänge zu bestaunen und einfach unseren Gedanken nachzuhängen. Trotz Dschungeltrails erlebten wir die zwei Wochen frei nach dem Dschungelbuch-Motto: Probiers mal mit Gemütlichkeit, wirf alle Deine Sorgen über Bord… Vollverpflegung durch köstliche Bordküchengerichte und Getränke natürlich inklusive – versteht sich. Dabei nutzen wir die Gelegenheit um uns von ganzem Herzen bei Kathrin und Peter zu bedanken. Für einen tollen Törn, großartige Eindrücke, lange Skatabende, einträchtiges Schweigen und gute Gespräche. Nicht zu vergessen die besondere Geburtstagsparty zu Moritz 30. inklusive der schwimmenden vierbeinigen Gäste. Morgen geht es für uns nach Hause – ein wenig wehmütig verlassen wir die Florentiner, hinterlassen ein leeres Schnapsfach und blasen zum Abschied leise Servus auf der Conch (Danke, liebe BRÖSELS!)…

Haarschnitt auf der Pier nach Seefahrerart

Haarschnitt auf der Pier nach Seefahrerart

Statistik:

Georgetown – Lee Stocking Island 44 sm, Hafengeld keines (Anker)

Lee Stocking Island – Little Farmers Cay 19 sm, Hafengeld keines (Anker)

Little Farmers Cay – Staniel Cay 17 sm, Hafengeld keines (Anker)

Staniel Cay – Compass Cay 20 sm, Hafengeld 100 €, keine Duschen

Compass Cay – Hawksbill Cay 15 sm, Hafengeld keines (Anker)

Hawksbill Cay – Allans Cay 22 sm, Hafengeld keines (Anker)

Allans Cay – Nassau (Palm Cay Marina) 30 sm, Hafengeld 70 €, Duschen Note 1

Gesamtstrecke seit Heeg: 12027 sm

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Eine Antwort zu “Zwei Wochen Bahamas – Adrenalin und Entspannung

  1. … ihr scheint beide in der gleichen Region zu sein… zu-zweit-auf-see.de = Johannes Erdmann und CatiLG

    Von meinem Samsung Gerät gesendet.

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