Kann mal bitte jemand den Wind ausschalten?

Ein Bild von Florentine aus ruhigeren Zeiten in der Palm Cay Marina  (Langzeitbelichtung von Moritz)

Ein Bild von Florentine aus ruhigeren Zeiten in der Palm Cay Marina (Langzeitbelichtung von Moritz)

Draußen pfeift gerade der Wind durchs Rigg und Florentine schaukelt am Anker so munter vor sich hin, dass einem das Essen vom Teller rutscht (hatte ich schon berichtet, dass ich von den vielen Fronten so langsam genervt bin?). Nach vielen Wochen haben wir wieder vom Bummel- in den Segelmodus umgeschaltet. Wir sind unterwegs Richtung Kuba und arbeiten uns in kurzen Etappen an die Südspitze der Insel Andros vor. Von dort aus sind es dann rund 240 Seemeilen bis nach Varadero, unserem Einklarierungshafen auf Kuba.

Nassau 019

Und noch eine Nachtaufnahme von Moritz aus der Palm Cay Marina

Nassau 027

Kreuzfahrtschiffe vor Nassau

Nassau 023

Hotel auf Paradise Island, gegenüber von Nassau

Der frische bis stürmische Wind ist uns also treu geblieben. Das kann sogar manchmal Spaß machen, wie z. B. vor zwei Tagen auf unserer Raumschot-Sprintetappe vom Ostende der Insel New Providence mit seiner Hauptstadt Nassau bis ans Westende der Insel. Mit zehn Knoten die Wellen hinab zu surfen ist immer wieder ein Erlebnis. Die anschließende Nacht vor Anker ebenfalls, aber mit anderen Vorzeichen. Wir wurden ordentlich durchgewalkt und konnten es gar nicht erwarten, im Morgengrauen wieder Segel zu setzen.

Lichtinstallation in der Ankerbucht West Bay

Lichtinstallation in der Ankerbucht West Bay

Äh, zu früh gefreut!

Statt eines gemütlichen Anliegers mit vorhergesagten 4-5 Windstärken mussten wir Florentine unter zweifach gerefftem Groß hoch am Wind bei 6-7 Windstärken (25-30 Knoten) zur Nachbarinsel Andros prügeln. (Für Nichtsegler: Die Schiffsbewegungen möge man sich wie auf einer Kirmes vorstellen, also quasi eine Mischung aus Autoscooter und Achterbahn). Unser Tagesziel war die einzige Marina auf der Ostseite der Insel Andros in Andros Town.

Die Marina von Andros Town, der Lighthouse Yacht Club, hat seine besten Tage hinter sich. Wir machen am letzten, noch halbwegs vorhandenem Steg fest. Die Kabel der Stromsäulen hängen ins Wasser herab. Ebenso einige Holzplanken und Wasserleitungen. Aber es gibt dort Jerry, den freundlichen Dockmaster, der unsere Leinen entgegennimmt. Jerry hat viele Kolleginnen und Kollegen, unter anderem an der Rezeption des angeschlossenen Hotels und im Restaurant des Yachtclubs. Nur Gäste gibt es hier keine – von uns mal abgesehen. Ebenso fehlt es an Putzkräften, wie wir später beim Duschen feststellen müssen.

Offensichtlich sind wir das einzige Schiff, das sich in die Gewässer vor Andros verirrt hat. Wen wunderts: Nicht nur Marinas, auch geschützte Ankerplätze sind hier Mangelware. Heute Nacht liegen wir in einer kleinen Meerenge zwischen Nord-Andros und Süd-Andros, das heißt wir sind relativ gut geschützt gegen südliche und nördliche Winde. Der (wie immer starke) Wind dreht aber gerade von Süd über West nach Nord und es ist stockfinster. Kurzum: Wir haben keinen Schutz und Florentine tanzt in den Wellen Rock’n‘Roll.

Die erfahrenen Segler unter unseren Lesern werden sich allmählich fragen, ob wir denn noch nie etwas von Wetterberichten oder Törnplanung gehört haben. Ja, haben wir. Wann immer möglich laden wir uns Gribfiles herunter und schauen bei Windfinder und Passage Weather nach, denn eigentlich wollen wir anständige Schönwetter-Segler sein. Danach sollte es heute ein eher windstiller Tag mit max. 10 Knoten aus Süd werden. Das realexistierende Wetter bescherte uns jedoch 20 bis 30 Knoten direkt auf die Nase: 7 Stunden stampfen unter Motor für 26 Meilen.

Pigs 105 Bubble und Haie 007

Doch ab morgen werden wir den Wind auf unserer Seite haben. Ganz sicher. Kein Zweifel. Habe gerade nochmal nachgeschaut. Mit 20-25 Knoten von hinten werden wir eine Rauschefahrt nach Süden erleben. Dort legen wir uns für eine weitere schaukelige Nacht hinter ein Riff vor Anker. Ab Samstag dann der pure Genuss: Der Wind soll weiter auf Ost drehen und uns dann sanft in zwei bis drei Tagen mit 10-20 Knoten durch ein Meer von Korallen in Richtung Kuba schieben. Soweit der Plan.

Ob unser Plan aufgegangen ist, werden wir berichten, wenn wir auf Kuba eingetroffen sind, die Einklarierungsprozeduren abgewickelt und einen Internetzugang ausfindig gemacht haben. Das kann unter Umständen etwas dauern …

Florentine Bahamas 02

Okay, es gibt nicht nur graue Tage auf den Bahamas. Hier Florentine unter Segeln, aufgenommen von unserem Freund Thomas Schützendorf von der BRÖSEL.

Sandbank Georgetown 10

Noch eine tolle Aufnahme von Thomas …

Sandbank Georgetown 02

… und noch zwei Bilder von unserem Spaziergang auf der Sandbank.

Sandbank Georgetown 04

Statistik:

Nassau (Palm Cay Marina) – West Bay /New Providence, 28 sm, Hafengeld 0 €, Anker

West Bay – Andros Town, 20 sm, 50 € , Duschen Note 4-

Andros Town – Big Wood Cay /Andros, 26 sm, Hafengeld 0 €, Anker

Gesamtstrecke seit Heeg: 12132 sm

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