Wir sind in Kuba – oder doch nicht?

Marina Gaviota bei Nacht

Marina Gaviota bei Nacht

Das war ja mal eine Überfahrt nach Plan: Mit Rückenwind und null Stress. Na gut, etwas mehr Wind hätte es schon sein dürfen (uns kann man es halt nie recht machen), denn zwischendurch haben wir auch mal den Motor anwerfen müssen, als die Logge unter drei Knoten Fahrt absackte. Wir wollten unbedingt tagsüber zur Dienstzeit der Offiziellen ankommen

Nach 51 Stunden und rund 250 Seemeilen im Kielwasser fahren wir morgens gegen 10 Uhr in den Ansteuerungskanal zur Marina Darsena in Varadero. Nach unseren Handbüchern und aktuellen Informationen aus dem Internet einer der wenigen „Ports of Entry“ an der kubanischen Nordküste. Vorschriftsmäßig hatten wir unsere Ankunft frühzeitig per Funk ankündigen wollen, aber unser wiederholtes Rufen wurde in den zurückliegenden Stunden nicht erhört. Erst als wir bereits die Fender und Festmacher in Sichtweite der Docks zum Anlegen klar gemacht hatten, schien sich jemand für uns zu interessieren. Aber nicht so, wie wir es uns erhofft hatten.

„Florentina. Florentina. Der Hafen ist geschlossen. Sie können hier nicht anlegen!“ ertönte es jetzt aus dem Funkgerät. Häh? Da stelle mer uns erst mal janz dumm. Tucker, tucker weiter Richtung Steg, auf dem sich jetzt zwei Offizielle blicken lassen. Wir gehen auf Rufweite und wollen verhandeln. Warum? Was ist los? Wenigstens eine Nacht? Leider ohne Erfolg: „Nada!“ „Nichts!“ Wir sollen umkehren, denn jetzt sei die Einklarierung nur noch in der Marina Gaviota möglich.

Auch bei unserer Ankunft in der Marina Gaviota, drei Stunden und 15 Seemeilen später, reagiert zunächst niemand auf unsere Anrufe per Funk. Erst als wir bereits die Hafeneinfahrt passiert haben, werden wir mit Schiffsnamen gerufen und in die linke Hafenecke dirigiert. Dort drehen wir einige Kringel, bis wir endlich einen Menschen am Ufer entdecken. Wir nähern uns wieder bis auf Rufweite: „Guarda Frontera?“ „Küstenwache?“ „Si!“ Wir machen Florentine fest und erwarten das große Empfangskomitee bestehend aus Grenzschutz, Tierschutz, Hafenarzt, Einwanderungsbehörde, Hafenkapitän und Zoll, einschließlich Drogenhund, dazu jede Menge Papierkram und eine gründliche Durchsuchung unserer Florentine. Als fleißige Leser anderer Seglerblogs sind wir gut vorbereitet.

Und tatsächlich rollen ein paar Minuten später acht amtlich aussehende aber sichtlich gut gelaunte Personen mit Golfcarts an. Aber nur der Hafenarzt und der Hafenkapitän klettern zu uns an Bord, eine Beamtin verschwindet mit unseren Pässen und der Rest des Begrüßungskomitees verabschiedet sich nach einem munteren Smalltalk. Dann geht alles ganz schnell. Die von Kathrin servierten Kaltgetränke sind noch nicht ganz geleert, da ist der gesamte Papierkram auch schon erledigt, und der Hafenkäptn und der Doc verabschieden sich schon wieder. Wie, das war’s? Wir können’s kaum glauben und öffnen ein Ankommerbier. Und prompt steht der Tierarzt vor der Tür. Ob er mal einen Blick in unseren Kühlschrank werfen dürfe. Natürlich darf er. Im Kühlschrank findet er eine Flasche Milch, drei Eier, eine angebrochene Käsepackung, etwas Wurst und viel Bier. Mit diesem Vorrat ist er sehr einverstanden und verabschiedet sich nach einer Minute wieder. Wir haben da schon schlimmere Einwanderungsprozeduren erlebt. Auch unsere Handys und das Sattelitentelefon werden nicht – wie erwartet – eingetütet und versiegelt.

Die Marina Gaviota liegt an der Spitze einer Landzunge, rund 20 Straßenkilometer von Varadero entfernt. Man könnte aber auch sagen am A.. der Welt. Na gut, es ist ein schöner Hintern – vorausgesetzt man mag exklusive All-inclusive-Hotels, denn die reihen sich hier aneinander wie an der Perlenschnur gezogen. Sonst gibt’s hier nix. Die Marina Gaviota passt sich nahtlos in die Kette dieser exklusiven Luxus-Ghettos ein, die nichts, aber auch gar nichts mit Kuba zu tun haben.

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Luxuriös und menschenleer: Der zur Marina Gaviota gehörende Hotel- und Appartmentkomplex

Die Marina ist Teil eines großen Hotel- und Appartment-Komplexes mit angeschlossener Shopping-Meile. Normales kubanisches Geld, der CUP (cubanischer Peso = 4 Eurocent) ist hier wertlos. Hier zählt nur der CUC, der Peso Convertible. Der Umtauschkurs zum US-Dollar ist genau 1:1. Wenn man aber US-Dollar und nicht Euro in CUC umtauscht, dann gibt es 20 Prozent weniger CUC auf die Hand; das ist eine Art Strafabschlag als Antwort auf das immer noch herrschende US-Embargo. Alles klar?

Damit schlichte Touristen wie wir hier nicht durcheinander kommen, sind alle Preise gleich in CUC ausgezeichnet. Damit wir uns aber wirklich gleich wie zu Hause fühlen, hat man auch das Preisniveau an das westeuropäische bzw. us-amerikanische Niveau angepasst. 1 Dose Cola: 1,50 CUC, eine Tomate 0,50 CUC. Busticket nach Varadero: 5 CUC. Eine Taxifahrt nach Varadero kostet 20 CUC, das entspricht ungefähr dem monatlichen Durchschnittseinkommen einer werktätigen Kubanerin.

Doch zurück zur Marina. Die ist riiiieeeesieg. Über 1000 moderne Liegeplätze mit Strom- und Wasseranschluss stehen uns hier an gepflegten Schwimmstegen zur Auswahl, denn wir sind das einzige Gastschiff im Hafen. Darüber hinaus liegen im Hafen ein knappes Dutzend Party-Katamarane für Badeausflüge der Hotelgäste sowie eine Flotte von Motorbooten für Tauch- und Angelexkursionen. Zumindest hier sind die Kubaner auf den sich abzeichnenden Touristenansturm vorbereitet. Auf uns wirkt die ganze Szenerie im Augenblick aber noch ein wenig gespenstisch, so ganz ohne andere Schiffe und ihre Besatzungen. Jetzt warten wir hier nur noch auf die Ankunft unserer Freunde Melanie und Klaus-Peter. Dann hauen wir ab. Da draußen, vor unserer Sicherheitsschranke muss doch irgendwo Kuba liegen …

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Einsame Florentine

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Wir haben nicht nur den Steg, sondern fast den ganzen Hafen für uns allein.

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Und was treiben wir jetzt in „Kuba“? Füße hochlegen und lesen.

Statistik:

Big Wood Cay /Andros – South Cay / Andros, 58 sm, Hafengeld 0 €, Anker

South Cay / Andros – Marina Gaviota Varadero / Kuba, 266 sm, Hafengeld 33,93CUC, Duschen Note 1

Gesamtstrecke seit Heeg: 12456 sm

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3 Antworten zu “Wir sind in Kuba – oder doch nicht?

  1. Hallo, Ihr Lieben!
    Super, dass ihr Kuba auf so problemlose Weise erreicht habt. Aber: Ich kenne mich einfach nicht mehr aus! Freundliche sozialistische Beamte? Gelb (und nicht rot) beleuchtete Stege? Nur 20prozentige Strafsteuer auf US-Dollar-Wechsel? Das hatte ich mir doch etwas anders vorgestellt. Deshalb müssen wir in dieser Woche unbedingt miteinander telefonieren. Bis dahin alles Liebe und die besten Grüße der ehemaligen Funkes und ihrer Tochter aus der „alten Heimat“ – und:
    Larga vida a la revoluciòn!
    Larga vida a los marineros de la Florentine!
    Muestra la bandera roja delante de guantànamo!
    (Wahrscheinlich ist das sprachlich alles falsch!)

  2. Schlichte Touristen seid ihr World-Traveller? Understatement auf sehr sympathische Weise. Oh ihr Glücklichen, was für eine fantastische Reise.

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