Auf der Suche nach dem wahren Kuba

Haus und Auto haben das gleiche Baujahr

Haus und Auto haben das gleiche Baujahr

Nach der Ankunft unserer Freunde Melanie und Klaus-Peter haben wir das Luxus-Getto in der Marina Gaviota Varadero verlassen und uns gemeinsam auf die Suche nach dem wahren Kuba begeben; zunächst mit einem Leihwagen und dann mit Florentine. Gefunden haben wir viele andere, höchst unterschiedliche Kubas. Welches nun das wahre Kuba ist, wissen wir aber immer noch nicht.

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Privathaus….

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… Haus der Partei in Varadero

Das erste andere Kuba beginnt gleich wenige Kilometer hinter Varadero. Im Grunde muss man nur eine Brücke überqueren und nicht der Straße Richtung Flughafen folgen, sondern einfach „falsch abbiegen“, und man landet im Nachbarort Santa Martha. Nur wenige Touristen verirren sich hier hin. Selbst gedengelte Fahrrad-Taxis und klapprige Pferdekutschen sind die Hauptverkehrsmittel. Die einzige Hauptstraße ist voll davon.

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Straßenhändler in Santa Martha

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Die Hauptstraße in Santa Martha

Wir haben uns nach Santa Martha aufgemacht, um frisches Obst und Gemüse zu kaufen. Das Frische-Angebot in unserem Devisen-Shop in der Marina ist doch sehr überschaubar. Für den Frischekauf an den rollenden Marktständen von Santa Martha benötigen wir allerdings die nationalen Pesos der Einheimischen; kurz CUP (1 CUP = 0,04 CUC / Peso Convertible). In den „Cadeca“-Wechselstuben für Touristen fragen wir vergeblich nach CUP. Diese seien nur in den Banken erhältlich.

Der Besuch einer Bank ist in Kuba eine ernste, ja fast religiöse Veranstaltung. Von einem Sicherheitsmann werden wir an der Tür in Empfang genommen und an das Ende einer langen Schlange geführt. Die gesamte Schlange darf sich nur auf Anweisung des Sicherheitsmannes in Richtung Kasse bewegen. Eigenmächtigkeiten werden nicht geduldet. Wer am Kopf der Warteschlange auf eigenes Risiko in Richtung Schalter vorprescht, der wird sofort zurückgepfiffen. Selbstverständlich sind nur max. 2 von den acht Schaltern geöffnet. Weiteres Personal hält sich unauffällig im Hintergrund auf und staunt, wie die Warteschlange weiter anwächst. Es dauert also. Wer nun auf die Idee kommt, sich die lange Wartezeit mit einem kleinen Schwätzchen mit seinem Nebenmann in der Warteschlange zu verkürzen, der fängt sich sofort einen scharf geflüsterten Anraunzer vom Sicherheitsmann ein, der das geltende Schweigegelübde in den heiligen Hallen der Bank überwacht.

Nach einer guten Stunde sind wir endlich an der Reihe (Achtung: nur einzeln vortreten, der Ehepartner hat auf der Sitzgarnitur Platz zu nehmen. Dort aber nicht mit dem Smartphone spielen. Ihr ahnt es schon: Der Sicherheitsmann…). Dann die Überraschung: Für den Wechsel von Euro oder CUC in CUP erklärte sich die Kassiererin nicht zuständig. Dafür gibt es eine spezielle Wechselstube in einem Einkaufszentrum. Eine halbe Stunde Fußmarsch und ein paar Nachfragen bei Einheimischen später kriegen wir endlich unser „Moneda Nacional“. Auf zum Shoppen nach Santa Martha!

Die Obst- und Gemüseauswahl ist in Santa Martha nicht nur bedeutend größer, sondern auch deutlich günstiger. Wir füllen eine große Einkaufstasche für nicht einmal umgerechnet 10 Euro. Das eingesparte Haushaltsgeld investieren wir in kubanisches Bier, das hier auch nur halb so viel kostet wie in unserer Marina. So wandern auch noch zwei Paletten Bucanero in den Kofferraum unseres Leihwagens. Die Mindest-Mietdauer beträgt übrigens drei Tage zum Tagespreis von 85 CUC.

Die Suche nach dem wahren Kuba führt uns am folgenden Tag in das 250 Kilometer entfernte Cienfuegos. Die von uns gewählte Strecke führt überwiegend über enge Landstraßen, und wir erleben wieder ein anderes Kuba. Die sichtbare Armut in den kleinen Städten und noch kleineren Dörfern macht uns beklommen. Wir haben Hemmungen zu fotografieren. Die älteren Häuser sind nur noch morbide – ohne Charme. Die Neubauten erinnern an sozialistische „Platte“ wie in der früheren DDR, allerdings ziemlich heruntergewohnt und ohne Farbe, alles gleichmäßig überzogen von einer dicken rotbraunen Staubschicht. Die beste Bausubstanz weisen die Zäune und Gitter auf, die vor jedem Fenster montiert sind, auch in höheren Etagen.

Die letzten Kilometer Richtung Cienfuegos legen wir auf der sechspurigen Autopista No. 1 zurück, der einzigen gut ausgebauten Autobahn, die das Land über 1000 Kilometer von Ost nach West durchzieht. Cienfuegos ist eine Großstadt mit langer Geschichte. Die eindrucksvollen Gebäude im historischen Ortskern wurden mit Mitteln der Unesco aufwändig restauriert. Dies sind zugleich aber auch die einzigen restaurierten Gebäude in der Stadt. In den Nebenstraßen bröckelt nicht nur der Putz. Die Menschen leben in Ruinen, und wieder beschleicht uns als Wohlstandsbürger eine Scham, die uns am Fotografieren hindert. Schnell vergeht uns die Lust am Flanieren und wir beschließen unseren Ausflug nach Santa Clara fortzusetzen. Dort liegen die sterblichen Überreste des Nationalhelden Che Guevara in einem gigantischen Mausoleum begraben.

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Kathrin auf der Hafenmole von Cienfuegos

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Parque de Marti in Cienfuegos

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Hafenanrainer in Cienfuegos

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Das restaurierte Altstadtviertel in Cienfuegos

Die Innenstadt von Santa Clara erleben wir quirlig und lebendig. Erstmals fühlen wir uns wohl auf unserem Ausflug und nicht fremd wie Außerirdische. Wir bleiben länger als geplant und treten unsere dreistündige Rückreise erst kurz vor Einbruch der Dunkelheit an. Ein großer und unverzeihlicher Fehler! Wie fast den ganzen Tag lang teilen wir die Landstraße wieder fast nur mit Pferdekutschen und (Lasten-)Fahrrädern, bis auf wenige Ausnahmen alle ohne Licht. Irgendwann überholt uns ein Lastwagen und wir hängen uns hinten an ihn ran, inständig hoffend dass alles gut geht …

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Es ist wirklich wahr: wunderschöne Oldtimer, wohin man schaut

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Kindergarten in Santa Clara

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Standbild auf dem Mausoleum von Che Guevara in Santa Clara

Inzwischen haben wir Varadero verlassen und sind in 23 Stunden zur Hemmingway Marina, 20 Kilometer außerhalb von Havana, gesegelt. Wir wurden ordentlich durchgeschaukelt. Den Hafen von Havana selbst dürfen wir nicht anlaufen. Und selbstverständlich wurden wir bei unserer Abreise in Varadero und bei unserer Ankunft in der Marina Hemmingway wieder freundlich aber gründlich von der Guarda Frontera examiniert. Als völlig unverzeihlich empfand der Beamte bei unserer Ankunft das Versäumnis, dass man in Varadero unser Satellitentelefon nicht unter Verschluss genommen habe. Jetzt ruht unser Satellitentelefon in einer Plastiktüte, dick eingewickelt mit einem offiziellen Klebeband: „Aduana Cubana“. Auf unseren wahren Einwand, wir bräuchten das Telefon für den Empfang von Wetterdaten, entgegnete er als gäbe es nichts Selbstverständlicheres in Kuba: „Dafür gibt es doch Internet.“

Damit hat er zum Teil auch recht. Die Verbreitung von Internet-Hotspots hat in der jüngsten Zeit stark zugenommen, beschränkt sich zum größten Teil aber immer noch auf internationale Hotelanlagen. Zum Verschicken dieses Blogbeitrages werden wir also gleich in ein nahe gelegenes Hotel innerhalb unserer wiedermal rundum gesicherten Marina umziehen. Dort können wir für 2 CUC pro Stunde einen Zugang per WiFi-Karte freirubbeln und hoffen, dass das Netz nicht zu stark belastet ist. Denn draußen am Zaun stehen viele Einheimische mit ihren Smartphones und Rubbelkarten und erhoffen dort ebenfalls ein paar Bits und Bytes von diesem Hotspot zu ergattern. Auch dies ist wieder ein anderes Kuba, ob es aber das „wahre Kuba“ ist? Wir wissen es nicht, und werden deshalb morgen unsere Erkundung in Havanna fortsetzen.

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Ahhh!! Haribo Colorado und andere leckere und nützliche Sachen. Unser Gabentisch, angerichtet von unseren Freunden Melanie und Klaus-Peter

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Tattoo auf Melanies Fuß und das Original in Melanies Hand

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Pelikan im Tiefflug auf Fischfang

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Ein tolles Privatrestaurant, direkt an der Einfahrt zur Hemmingway Marina

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Der Strand von Varadero

Statistik:

Varadero – Hemmingway Marina Havana, 91 sm, Hafengeld 18 CUC (17 €), Duschen Note 3

Gesamtstrecke seit Heeg: 12547 sm

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