Adios Kuba

Marina Cayo largo

Marina Cayo largo

Lange haben wir nichts geschrieben, aber mit dem Internet ist das so eine Sache hier in Kuba. Mal geht es, mal geht es nicht. Mal gibt es Rubbelkarten mit den Freischalt-Codes, mal nicht. Wir sind Euch allen noch eine ganze Menge Bericht schuldig, bevor wir Kuba (hoffentlich) in den nächsten Tagen verlassen.

Aber vorn vorne: Unser Freund Bernd hatte sich ordentlich Segelstrecke gewünscht. Und Strecke hat er auch bekommen, wenn auch nicht nur unter Segeln. Der erste und längste Schlag führte von Havanna um das Westende von Kuba herum bis zur Isla de la Juvenidud, rund dreihundert Seemeilen. Bestimmt zwei Drittel der Strecke konnten wir wunderbar segeln, dann gab es Wind auf die Nase und da wir noch im Hellen ankommen wollten, musste die Nanni ran.

Die Marina Sigueana auf der Isla de la Juvenidud, wenn man die Marina denn als solche bezeichnen kann, war für uns leider nicht anzulaufen. Die Fahrrinne ist völlig versandet und bis auf eine kleine Tauchbasis und einem überdimensionierten Grenzschutzposten mit gut 20 Beamten nahezu verwaist. Bei diesem Grenzschutzposten mussten wir uns natürlich trotzdem melden. Also setzte sich Peter mit Pässen und Bootspapieren ins Dinghi und fuhr an Land. Kam nach 20 Minuten mit zwei Beamten der Guardia Frontera zurück, die aber darauf bestanden, die Formalitäten an Bord durchzuführen und anschließend wieder zurück an Land gebracht werden mussten. Der gleiche Spaß wiederholte sich am nächsten Morgen beim Ausklarieren, Hol- und Bringdienst per Dinghi – wofür? Aber nass sind sie geworden, die Herren Beamten, denn der Wind hatte zugelegt.

Da von der Isla de la Juvenidud keine Flüge abgehen, entschlossen wir uns, noch einmal 24 Stunden bis Cayo Largo durch zu segeln, eine Luxusinsel, die mit Hotels für Pauschaltouristen bestückt ist. Von dort müsste Bernd einen Flug auf das kubanische Festland bekommen, um die Heimreise nach Deutschland antreten zu können. Leider kam nach Murphys Gesetz der Wind wieder direkt von vorne und die Wettervorhersage versprach, dass er in den nächsten Tagen auch noch zunehmen würde. Die ersten zwölf Stunden konnten wir noch am Wind segeln, dann aber musste erneut die Nanni ran. Gegen bis zu 35 kn Wind und Wellen bis zu 3 Meter. Waschmaschinengefühl.

Am nächsten Vormittag warfen wir mal einen Blick auf die Tankanzeige und trauten unseren Augen nicht: der Zeiger stand tief im roten Bereich, die letzten 25 Seemeilen würden wir unter Motor nicht schaffen. Also Segel setzen und aufkreuzen. Diese gute Idee vergaßen wir ganz schnell wieder, zu hoch die Wellen und zu stark der Wind. Wir wären niemals im Hellen in Cayo Largo eingetroffen. Also abgedreht und unter Segeln in den Canal de Rosario zwischen zwei unbewohnten Inseln eingebogen. Dort lagen schon eine Handvoll Schiffe vor Anker, wir tasteten uns unter Segeln durch das Riff und ließen den Anker auf 3 m Wassertiefe fallen.

Der Wind legte zu, wie vorhergesagt und bescherte uns drei Nächte Zwangspause, in klarem türkisem Wasser. Einem britischen Seglerpärchen konnten wir etwa 10 bis 15 Liter Diesel aus Kanistern abkaufen, die allerdings wohl schon längere Zeit in der Backskiste verbracht hatten. Der Diesel war schlierig und lief nur langsam durch unseren „Mr. Funnel“ Spezialfilter, der Wasser und Rückstände abscheiden soll. Aber wir konnten nun wirklich nicht wählerisch sein und die Zeit drängte. Ein letztes Mal Durchschütteln für Bernd und dann konnten wir uns beruhigt in die Marina Cayo Largo verholen. Dort wurden wir nicht nur superfreundlich vom Hafenmeister empfangen, sondern auch noch mit viel Geschrei und vielen Küssen von den Kanadiern Monica und Barry, die wir schon in Varadero und Havanna getroffen hatten.

Ankerplatz vor der marina

Ankerplatz vor der marina

Bernd konnte über den Hafenmeister einen Flug nach Varadero buchen und war erleichtert, hatte er doch schon befürchtet, seinen Rückflug nach Europa zu verpassen. Und wir freuten uns auf Einkaufsmöglichkeiten, hatten Heißhunger auf frisches Obst und Gemüse nach einer Woche Dosenfutter. Doch weit gefehlt, im hiesigen Laden gab es grade mal zwei matschige Tomaten und ansonsten viel Rum. Dosengemüse nur in Fünf-Kilo-Gebinden, Fleisch gar nicht.

In der Ankerbucht vor der Marina lag unter anderem die deutsche Yacht Marlin, deren Blog Kathrin schon seit längerem verfolgt hatte und daher auch wusste, dass der Skipper und Eigner der Marlin, Michael Wnuk, Elektronik für Boote verkauft und auch einbaut. Da lag es nahe, ihn zu fragen, ob er sich nicht mal unsere Kurzwellenanlage und das Pactor-Modem ansehen könnte. Wenn die beiden miteinander kommunizieren würden (was sie von Anbeginn nicht taten), könnten wir über Kurzwelle Wetterdaten empfangen und auch E-Mails senden und empfangen.

Mehrere kundige Amateurfunker hatten sich schon an unseren Geräten versucht, und ein falsch konfiguriertes Kabel zwischen Funkgerät und Pactor-Modem als Ursache vermutet. Auch ein Ersatzkabel von der Firma Bonito, dem Verkäufer unserer Funkanlage, brachte keine Lösung. Das Ersatzkabel war genauso falsch konfiguriert wie das erste Kabel, wie Michael Wnuk feststellen musste. Um einen möglichen Defekt am Modem auszuschließen, nahm Micha das Modem für einen Test mit zu sich an Bord und kehrte mit (funktionierendem) Modem und einem neuen Kabel zurück, verband alles miteinander und – siehe da – es geht! Für die etwa zweistündige Arbeit nahm er allerdings auch den Stundensatz eines Chefarztes, aber egal, Diagnose und Therapie erfolgreich, Patient genesen, Angehörige glücklich.

Nun warten wir seit etwa einer Woche auf ein passendes Wetterfenster, um nach Jamaica oder eventuell vorher zu den Cayman Inseln aufzubrechen. Entweder kommt der Wind aus der falschen Richtung – Osten – wo wir hinwollen, oder er ist wie in den letzten beiden Tagen einfach zu stark. So wie es aussieht werden wir wohl gegen eine Flaute ankreuzen müssen, da brauchen wir halt ein wenig länger, aber wenn wir eins haben, dann ist es Zeit!

Dieser Steg hatt sich vor 10 Tagen aus seiner Verankerung gelöst und wurde von Tauchern neu verankert

Dieser Steg hatt sich vor 10 Tagen aus seiner Verankerung gelöst und wurde von Tauchern neu verankert

und heute morgen hat ein Katamaran abelegt, leider vergessen, eine leine zu lösen und dabei den Steg fast mitgenommen

und heute morgen hat ein Katamaran abelegt, leider vergessen, eine Leine zu lösen und dabei den Steg fast mitgenommen

Statistik:

Havanna – Isla de la Juvenidud 297 m, Hafengeld keines (Anker)

Isla de Juvenidud – Canal de Rosario 100 sm, Hafengeld keines (Anker)

Canal de Rosario – Cayo Largo 26 sm, Hafengeld 29 CUC, Duschen Note 6

Gesamtstrecke seit Heeg: 12970 sm

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Eine Antwort zu “Adios Kuba

  1. Ihr geht, Präsident Obama kommt 😉
    Haben Eure frei Haus kommenden Beiträge aus Kuba auch im fernen Neuseeland gierig verschlungen und warten nun ungeduldig auf die neuesten Abenteuer auf Jamaika!
    Grüße jetzt wieder von Bord AQUARIA, noch immer in der westlichen Provence, in der jetzt langsam der Frühling Einzug hält. Heute Wind bis Stärke 9, stahlblauer Himmel, Mistralwetter.
    Dorothea und Uwe

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