…. und weiter gegen Wind und Welle

Cayman Brac 023

Strandgut…. Falls mal ein Schuh fehlt, findet sich hier bestimmt das passende Gegenstück

Wir hatten es bereits geahnt, dass unsere Reise Richtung Jamaica und weiter bis ins hurrikansichere Sommerlager auf den ABC-Inseln kein Zuckerschlecken wird, da wir auf unserem Weg Richtung Südosten Wind und Strom überwiegend gegen uns haben werden. Und so ist es auch gekommen: 50 Stunden lang wurden wir immer hart am Wind segelnd auf der 200 Seemeilen langen Strecke von Kuba bis zur kleinen Insel Cayman Brac ordentlich durchgeschüttelt. Geschenkt, dass der Wetterbericht uns sanfte, umlaufende Winde vorhergesagt hatte. Die Wirklichkeit ist auf dem Wasser, nämlich immer gut 20 Knoten Wind auf die Nase und dazu eine hässliche, steile Welle.

Dafür genießen wir jetzt bereits seit einer Woche die Erholung und das satte Nichtstun auf der Insel Cayman Brac. Die Insel ist ein Paradies für Taucher und Kletterer, die in der schroffen Steilküste herumkraxeln. Segler wie wir sind hier eher die Ausnahme. Tagelang waren wir das einzige Schiff  in der Bucht.  Marinas oder Häfen gibt es hier keine, nur ein paar kostenlose Mooringtonnen, die zum Schutz der Korallen ausgelegt worden sind. Dazu muss man wissen, dass über den Grund schlörende Ankerketten wahre Korallenkiller sind.

Selten sind wir auf unserer Reise so tief entspannten Menschen begegnet, wie den rund 1800 Inselbewohnern, angefangen bei dem dreiköpfigen Begrüßungskommando vom Zoll, von der Einwanderungsbehörde und von „Ossy“, einem offiziellem Moskitokiller, der Florentine unter Deck mit Insektenspray eingenebelt hat. Moskitokiller Ossy schien Florentine gefallen zu haben. Er drückte uns sein Smartphone in die Hand, ließ sich stolz am Steuerrad ablichten und bot auch gleich seine Hilfe an. Falls wir Wasser oder Diesel benötigen: „Give me a call.“ Anruf genügt.

Ungefragt wurden wir von den Offiziellen gleich mit allen Versorgungsmöglichkeiten vertraut gemacht: Supermarkt, Bank, Bar, Restaurant und als besonderer Höhepunkt eine kostenlose Inseltour (die aber leider nicht in den jetzigen Osterferien angeboten wird, wie wir leider später feststellen mussten). Auf dem kurzen Fußweg Richtung Ortskern mit seinem „internationalen Flughafen“ hielten gleich weitere freundliche Insulaner neben uns, kurbelten die Scheibe runter und erkundigten sich, ob sie uns in irgendeiner Weise behilflich sein könnten. Einfach saunett dieses Inselvolk.

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International Airport Cayman brac Morgens und abends je eine Maschine

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Auch ein College gibt es hier

Ebenso wie übrigens unsere neuen Bootsnachbarn, Julia und Michael aus Münster, die nach ein paar Tagen mit ihrem Katamaran Larimar neben uns an einer Mooring festmachen. Sie kommen gerade aus Jamaica, unserem nächsten Etappenziel, und können uns mit aktuellen Informationen versorgen. Sie wollen weiter nach Kuba und da können wir sie wiederum auf den neuesten Stand bringen. Passt mal wieder alles zusammen und auch sonst stimmt die Chemie zwischen uns, so dass wir beschließen, die Insel gemeinsam per Leihwagen zu erkunden.

Cayman Brac 018

Groß verfahren kann man sich auf der Insel eigentlich nicht: es gibt zwei Hauptstraßen, je eine auf der Nordseite und eine auf der Südseite der 26 Kilometer langen und drei Kilometer breiten Insel. Eine Nebenstraße führt uns in den Papageien-Wald, eine der Hauptattraktionen der Insel (mal abgesehen von den Leguanen, die einem hier vors Auto laufen sollen). Wir finden zwar den Wald, aber dort keine Papageien und keine anderen Tiere. Offensichtlich sind wir Zweibeiner die einzigen bekloppten Lebewesen, die sich bei brütender Mittagshitze durch die Botanik kämpfen. So erfreuen wir uns an dem rauen Charme der Insel, werfen einen Blick von den Klippen übers Meer und staunen über kleine architektonische Wunder an der menschenleeren „touristischen“ Südküste der Insel.

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„The Bubble“ – erbaut 2003 und leider schon verlassen und heruntergekommen

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Auf den Fels gebaut

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uns sind sie nicht begegnet

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Steilküste im Norden

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…mit brütenden Tölpeln

 

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und eine Strandwanderung an der Südküste

Unsere Inseltour endet mit einer Shopping-Orgie durch einen der gut sortierten Supermärkte, bevor wir den Leihwagen zurück geben. Kühlschrank und Schapps sind jetzt wieder leckeren und vor allem frischen Sachen gefüllt. Jetzt kann es wieder weitergehen. In zwei Tagen, sagt der aktuelle Wetterbericht, können wir gemütlich die 140 Seemeilen in die Montego Bay nach Jamaica segeln. Gemütlich segeln? Wir geben die Hoffnung nicht auf…

Statistik:

Cayo Largo –Cayman Brac, 198 sm, Hafengeld 0 € (kostenlose Mooring), Duschen keine

Gesamtstrecke seit Heeg: 13186 sm

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Eine Antwort zu “…. und weiter gegen Wind und Welle

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