Liming in Jamaica

 

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Liming (von to lime ) ist das neue karibische Wort für chillen, abhängen, es sich gut gehen lassen, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

Liming war bereits auf der Überfahrt von Cayman Brac angesagt. Ein sanfter raumer Schiebewind, der nach etwas Motorunterstützung rief, kaum Welle, kein Kreuzen nötig, einfach traumhaft. Hatten wir uns gewünscht und verdient. Begleitet von riesigen Delfinschulen, etwa 30 bis 40 Tiere, die in Florentines Bugwelle spielten, sich zurückfallen ließen, wieder aufholten und zu zweit und zu dritt Formationssprünge übten. Wir konnten uns gar nicht satt sehen.28 Stunden brauchten wir für die 138 Seemeilen.

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Mit Liming ging es weiter im Montego Bay im Yachtclub. Wir kamen bei brütender Hitze an, ließen den Anker fallen und starteten mit dem Dinghi zur Einklarierungsprozedur. Freundlicherweise kommen die Behördenvertreter in den Yachtclub. Gesundheitsamt, Zoll und Immigration, alle sehr freundlich, aber ein riesiger Papierkrieg. Jedes Formular ist in doppelter Ausführung auszufüllen, per Hand natürlich. Und jeder der Beamten hat etwa zwei bis drei verschiedene Formulare dabei.

Später bekamen wir noch einen Liegeplatz im Yachtclub zugewiesen, der übrigens aus einem einzigen etwas wackeligen Holzsteg besteht. Angelegt wird „römisch-katholisch“ mit dem Heck zum Steg, der Bug hängt an einer Mooringtonne, die allerdings etwa 50 Meter entfernt ist. Da braucht man eine laaaange Leine. Beim Befestigen dieser Leine geriet die Schwimmleine der Tonne in unser Bugstrahlruder – peng, das wars dann. Den genauen Schaden werden wir erst besichtigen können, wenn Florentine in Curacao aus dem Wasser gehoben wird. Bis dahin ist aber fast  nur Ankern angesagt, da brauchen wir auch kein Bugstrahlruder.

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Den zweiten Tag auf Jamaica verbrachten wir ausschließlich an Bord, der Wind hatte auf Nordost gedreht und kräftig zugelegt und drückte Florentine mit dem Heck auf den Steg. Wir waren gut mit Leinenmanövern beschäftigt, bis wir endlich sicher lagen. Sehr genossen haben wir die Duschen, die ersten seit Havanna. Und auch die Wäsche konnte gewaschen werden, allerdings zu gesalzenen Preisen, 12 $ pro Maschine für waschen und trocknen.

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Das ist der gesamte Yachtclub – ein etwas wackeliger Holzsteg

Nach einem ausgiebigen Regenguss machten wir uns mit unseren Klapprädern auf die Suche nach einem Supermarkt. Die Fahrweise auf Jamaica ist leider nicht „liming“, Linksverkehr, so schnell wie irgend möglich und unter dauerndem Einsatz der Hupe. Aber überall wurden wir freundlich gegrüßt: Yah Yah Mon, have a good time, Mon, enjoy Jamaica, Mon.  Im Supermarkt verbrachten wir endlos viel Zeit, so schön klimatisiert und das Angebot! So viel Auswahl! Nach den entbehrungsreichen Wochen in Kuba fiel uns die Entscheidung schwer. Freundliche Angestellte und Kunden sahen unsere umherschweifenden Blicke und boten ungefragt Hilfe an. Der junge Gehilfe, der an der Kasse die Tüten packt, war allerdings so rotäugig und weggetreten, dass eine sprachliche Verständigung kaum möglich war. Der hatte bestimmt morgens zum Frühstück den ersten Joint zu sich genommen. Die Kassiererin fragte nach unserer Herkunft und schloss kurzerhand ihre Kasse, um sich unsere Geschichte genau erzählen zu lassen. Der Rückweg mit vollgepackten Rädern war dann Abenteuer – wir hatten die Zeit vergessen und es war stockdunkel draußen. Ohne Licht und im Linksverkehr, Schlaglöcher, Pfützen, wir waren heilfroh, gesund im Hafen zu landen.

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Große und Kleine – Blick in die Montego Bay

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Quirliges Leben in Montego Bay

Über die nächsten Tage gibt es nicht viel zu berichten, wir waren ausgiebig damit beschäftigt „liming“ zu üben. Die Highlights des Tages waren die An- und Ablegemanöver der großen Kreuzfahrtschiffe, die hier im engen Hafenbecken drehen müssen. Wir waren mit Frühstückskaffee oder Sundowner in der Hand in der ersten Reihe dabei.

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Ein freudiges Wiedersehen gab es mit den kanadischen Freunden Monica und Barry von der MOBATA, die wir seit Kuba immer wieder getroffen hatten. Und mit ihnen setzten wir die Reise fort, beschlossen, in Tagesetappen an der Nordküste entlang zu segeln. „Liming“ hatten wir uns vorgestellt und hatte der Wetterbericht auch versprochen, aber weit gefehlt. Aus den vorhergesagten 10 Knoten Wind von vorne wurden 20 bis 25 mit der entsprechenden Welle. Wieder mal unter Motor gegenan bolzen. Was wir allerdings nach und nach merkten, war die Zunahme des Windes etwa ab 10 Uhr vormittags. Thermik – Land- und Seewind. Danach richteten wir unsere Abfahrtszeiten und die Länge der Tagesetappen. Anker auf um 6 Uhr morgens mit dem ersten Büchsenlicht bei noch ruhiger See und Ankunft tunlichst gegen Mittag, danach war die Schaukelei nicht mehr schön.

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MOBATA mit Monica und Barry

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Abends rudern die Fischer hinaus

In der Oracabessa Bay fanden wir einen kleinen natürlichen Hafen, der nach fast allen Seiten wunderbaren Schutz bietet, wir ankern hier auf 4 Meter Wassertiefe und fühlen uns wie auf einem Ententeich. Das Wasser ist klar und sauber, wir teilen die Bucht mit zahlreichen bunt bemalten Fischerkähnen, die in der Dämmerung an Florentine vorbeigerudert werden. Nur wenige haben einen Außenborder. Hier können wir wieder limen.

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sicher wie in Abrahams Schoß liegen wir in….

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Oracabessa Bay

Beim Rundgang durch das kleine Dorf fallen wir auf. Es ist gerade Schulschluss und Dutzende von kleinen Grundschülern, die Mädchen in dunkelblauen Trägerröcken und weißen Blusen, die Buben in einer dreckfreundlichen Khakiuniform, wuseln an uns vorbei. Hello Mister, hello Missis! Wir grüßen zurück und bekommen von den abholenden Vätern ein „Yah Yah, Mon“ zugerufen. Bob Marley lebt!

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… und alle rudern

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Oracabessa bay – unser „Ententeich“

Der kleine chinesische Supermarkt führt große Mengen an Keksen, Knabberzeug und Dosenfutter. Auch Fleisch ist vorrätig, nur mit Obst und Gemüse sieht es mager aus. Peter ersteht eine Flasche jamaicanischen Rotweins. Schmeckt nach Marzipan und hat bei 17,5% wahrscheinlich das Kopfweh mit eingebaut. Morgen probieren wir ihn mal gekühlt, vielleicht ist er da trinkbarer.

Sonntags schallt aus der Baptistenkirche lauter Gesang über die Bucht. Die Predigerin überzeugt durch Ausdauer und Leidenschaft, der Gottesdienst dauert geschlagene drei Stunden. Und die Musik ist mitreißend, kein Vergleich zu deutschen Chorälen. Anschließend verbringen die Familien den Sonntag am Strand, die Eltern im Schatten, große und kleine Jungs wetteifern im Salto und Kopfsprung von der Hafenmauer, kleine Mädchen kichern, Reggae dudelt, und wir? Sitzen im Cockpit von Florentine in der ersten Reihe, kühlen uns ab und zu im Wasser ab, lesen, lachen, dösen – Liming eben!

Statistik:

Cayman Brac – Montego Bay, Jamaica138 sm sm, Hafengeld 40 €, Duschen Note2

Montego Bay – Falmouth 21 sm, Hafengeld keines (Anker)

Falmouth – Saint Anne 22sm, Hafengeld keines (Anker)

Saint Anne – Oracabessa Bay 12 sm, Hafengeld keines (Anker)

Gesamtstrecke seit Heeg: 13361sm

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