Zurück in Curacao

Staubig ist es hier und trocken

Staubig ist es hier und trocken

… sind wir seit zwei Wochen. Wunderbare sechs Wochen Heimaturlaub in Deutschland liegen hinter uns, Familie und Freunde treffen, jeden Abend eine andere Einladung, es war eine wahre Mastkur! Herrlich, alle wiederzusehen und die moderaten Temperaturen in Deutschland zu genießen. Anfangs haben wir sogar mit Genuss gefröstelt, aber das gab sich schnell. Auch alle anderen Annehmlichkeiten haben wir genossen, Deutschland ist ein Einkaufsparadies, sowohl was die Auswahl als auch was die Preise angeht. Wir haben ordentlich zugeschlagen und unsere neuen Segeltaschen waren beim Abflug prall gefüllt mit Ersatzteilen, Leckereien, Strickwolle und neuen Klamotten.

Einmal aus dem Flieger ausgestiegen und schon lief uns der Schweiß in Strömen herunter. Florentine empfing uns so, wie wir sie verlassen hatten, hoch und trocken auf ihren Stützen, eingestaubt und unversehrt. Die neue Sprayhood hatte sie zu unserem Empfang schon angezogen. Schick! Wir kletterten die drei Meter Leiter hoch aufs Schiff, wie in den nächsten 10 Tagen mehrfach täglich: rauf und runter zum Spülen – im Knien am Boden – zum Duschen und Pipimachen – die Toilette ist nur im Wasser nutzbar – für alles was wir beim ersten Runterklettern vergessen hatten und so weiter.

Nächtliches Intermezzo: Alle, die an ihren Booten an Land arbeiten, gehen früh zu Bett, um die noch kühlen Morgenstunden zum Arbeiten nutzen zu können, so auch wir. Eines Montag nachts wurden wir gegen ein Uhr früh von dröhnender südamerikanische Musik und falschem, aber lautem Gesang geweckt. Es hörte und hörte nicht auf, nach stundenlangem Herumwälzen im Bett, Aufstehen, was trinken, nochmal versuchen einzuschlafen hatte Peter genug. Er kletterte die Leiter hinunter und machte sich auf die Suche nach der Lärmquelle. Fündig wurde er auf einer großen Motoryacht aus Venezuela am Steg. Dort feierte der alte glatzköpfige Eigner mit drei blutjungen Schönheiten eine Party, alle nackt. Als Peter sich näherte, um zu bitten, die Lautstärke zu reduzieren, wurde er vom Eigner angeherrscht: Privado, privado! Offensichtlich dachte er, Peter wolle mitfeiern. Die Bitte, doch den Lautstärkeregler etwas herunter zu drehen, schlug er ihm aggressiv ab, aber die Damen hatten ein Einsehen und nach der dritten Beschwerde verzogen sich alle in das klimatisierte Innere der Yacht und wir fanden doch noch unseren wohlverdienten Schlaf. Die von einigen Freunden geäußerte Bitte um Fotos von diesem Ereignis können wir aus verschiedensten Gründen leider nicht erfüllen.

Ein interessantes, wenn auch unbeabsichtigtes biologisches Experiment können wir berichten. Wir hatten einen grünen Granny-Smith-Apfel im Obstnetz vergessen, das fiel uns erst im Flugzeug ein. Spannende Frage: Wie sieht er nach sechs Wochen bei einer dauernden Temperatur von über 30° aus? Grün, braun, grün verschimmelt, saftig, voller Maden? Er hatte sich optisch überhaupt nicht verändert! Erfreulicherweise auch keine wie auch immer gearteten Säfte in unsere Polster sickern lassen. Wir haben allerdings davon abgesehen, ihn in einem weiteren heroischen Selbstversuch zu probieren, er wanderte in den Müll.

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Die nächste Woche war arbeitsam, wir nutzten die frühen Morgenstunden, wo die Temperatur noch erträglich war und machten uns an das Unterwasserschiff. Die blödeste Arbeit hatten wir in Auftrag gegeben, nämlich das Abschleifen des Rumpfs, eine staubige und giftige Angelegenheit. Aber pinseln bzw. rollen wollten wir selbst. Drei Lagen Grundierung und drei Lagen Antifouling. Jeweils morgens und abends ein Anstrich, so war es geplant. Ab und zu machte uns ein nächtlicher kurzer Regenschauer einen Strich durch die Rechnung, aber es klappte fast alles wie geplant. Nur das Antifouling reichte nicht ganz aus, wir mussten nachkaufen, allerdings ein anderes Produkt. So ist der letzte Anstrich (Najad) rot, mal sehen, wie sich die Farben miteinander vertragen. Schlimmstenfalls blättert die oberste Schicht ab, aber darunter sind ja noch zwei Lagen Micron extra (Schwarz). Wir hoffen, dass das für etwa ein Jahr reicht und wir nicht vor der geplanten Atlantiküberquerung das Schiff nochmal aus dem Wasser nehmen müssen.

Und hier eine Bilderstrecke mit „vorher“ – „nachher“ Aufnahmen:

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Florentine fertig zum slippen

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Wir haben unser eigenes Biotop am Rumpf!

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Igitt igitt

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Das Gröbste wird per Hochdruck-Kärcher entfernt

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Schon besser

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Entfetten und Staub entfernen

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drei Schichten Grundierung auftragen

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Der Primer besteht aus zwei Komponenten und muss ganz genau 1:1 gemischt werden

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Auch die Schraube haben wir geschliffen und poliert

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Antifouling ist giftig – also sind Ganzkörperkondom und Maske Pflicht

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Wie ein Harlekin – die erste Hälfte ist geschafft

Die heißen Stunden über Mittag verbrachten wir in der (nicht bewirtschafteten) Bar vor dem Fernseher und machten eifrig Sport – Olympia in Rio gab es hier zu wesentlich zuschauerfreundlicheren Zeiten als in Europa zu sehen. Und plötzlich stand die nette Dame aus dem Marinabüro neben uns und sagte: Wenn ihr euer Schiff  ins Wasser haben wollt, dann jetzt, die Marineros haben grade Zeit. Innerhalb von fünf Minuten hatten wir Stromkabel und Wasserschlauch abmontiert, die Leiter entfernt und schon saß Florentine huckepack auf dem Slipwagen, ab ins kühle, nein ins warme Nass. Obwohl die Männer das hier wirklich routiniert machen, hab ich doch immer ein bisschen Magengrummeln beim Zuschauen. Das Klebeband am Wasserpass konnten wir in der Eile nicht mehr abknibbeln, hoffentlich löst es sich im Wasser von selber auf, ansonsten müssen wir mal schwimmend ran, sobald wir wieder vor Anker liegen.

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Endlich wieder im Wasser, am Liegeplatz weht den ganzen Tag ein Lüftchen und unter den Sonnensegeln ist es auch tagsüber auszuhalten. Die To-do-Liste wird langsam kürzer, Peter ist in den Mast gestiegen, um ein neues Fall einzuziehen als Ersatz für das, was wir mit dem „Turbo“ haben fliegen lassen müssen. Fall ist drin, aber  leider zu kurz. Der Schalter für das Bugstrahlruder, welches gerade einen neuen sechsflügeligen Propeller erhalten hat, hat sich leider verabschiedet, Reparatur mit Bordmitteln nicht möglich. Mist!

Oft wurden wir in Deutschland gefragt: was macht ihr denn den ganzen Tag? Die Antwort „Einkaufen“ oder „Wäsche waschen“ entlockte den Fragern ein ungläubiges Lächeln. Einkaufen ist hier nicht mal eben auf dem Heimweg mit dem Auto nebenbei erledigt. Da kann man schon mal einen halben Tag dafür einplanen. Und alles muss geschleppt werden. Wäsche waschen müssen wir hier von Hand, da es keine Waschmaschine in der Marina gibt und der Wäscheservice unbezahlbar teuer ist. Für zwei Ikeataschen voll Wäsche haben wir zu Beginn unseres Aufenthalts stolze 68 $ bezahlt. Da wäscht man doch gerne von Hand…. Aber das braucht Zeit, nicht wie zuhause mal eben nebenbei die Waschmaschine und den Trockner laufen lassen.

Jetzt müssen nur noch die neuen Lazybags – die Tasche, in die das Großsegel verstaut wird – passend gemacht werden, die erste Variante die der Kanvas-Mann geliefert hatte, war leider nicht ganz richtig, gerade hat er sie wieder mitgenommen und wir hoffen auf morgen.

Ansonsten warten wir auf neuen Besuch, Nichte Carolin fliegt am 1.9. ein und mit ihr zusammen werden wir dann das längst überfällige Sightseeing nacholen.

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4 Antworten zu “Zurück in Curacao

  1. Super, dass Ihr wieder wohlbehalten an Bord seid. Es war richtig schön, Euch hier in Deutschland zu sehen. Und wir freuen uns jetzt schon auf unseren Besuch bei Euch im nächsten Jahr. BTW: Mit Genugtuung habe ich gelesen, dass der Apfel noch genauso aussah, wie bei Eurer Abreise. Habbich Euch doch gesagt … 🙂

  2. Hallo Florentine,
    habe eine technische Frage: was passiert im Rahmen der Rumpfarbeiten mit den Stellen, welche durch die Stützstempel nicht zugänglich sind?
    Uwe aus HA

    • Hallo Uwe,
      Die Stützen werden nach vollendetem Anstrich versetzt und dann die „leeren“ Stellen nochmal in allen Schichten gestrichen, macht nochmal zwei Tage extra, aber nicht mehr soviel Knochenarbeit.
      Liebe Grüße, die Florentiner

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