Eine Insel für Bini

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Landhuis Bloemhof: Diese Installation erinnert an den Film „Das Gespenst der Freiheit“ (1974) von Luis Buñuel. Die ZEIT schrieb: „Gäste treffen ein. Man nimmt im Wohnzimmer Platz. Nonchalant streifen die Herren ihre Hosen herunter, dezent raffen die Damen ihre Kleider hoch. Man nimmt auf Toilettensitzen Platz und macht Konversation. Die Spülung. Eine Hausangestellte hält Toilettenpapier auf kleinen Silbertabletts bereit. Ein Kind spricht vom Essen und wird zurechtgewiesen: »Nicht bei Tisch!« Einer der Herren entschuldigt sich, er müsse kurz verschwinden. In einer kleinen Kammer findet er ein Baguette und Aufschnitt.“

„Bini“ ist der Kosename unserer Nichte Carolin. Am 1. September ist Carolin zu Besuch bei uns auf Curacao eingeflogen und fast überall strahlt uns ihr Kosename entgegen: „Bon Bini“. Wörtlich übersetzt soviel wie „gute Bini“ oder aber einfach und herzlich „Willkommen!“ in Papiamentu, der Sprache der Einheimischen. Unsere Bini strahlt.

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Willkommensgruß für unsere Nichte „Bini“ Carolin in Curacao

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Mit der Ankunft von „Bini“ Carolin endet unsere Zeit auf Curacao. Alle, aber wirklich alle Segler, die wir in der Marina Curacao kennengelernt haben – und das waren nicht wenige –haben uns von der Nachbarinsel Bonaire vorgeschwärmt. Carolin wird uns auf unserem 40-Meilen-Törn nach Bonaire begleiten. Aber vorher wollen wir mit ihr noch Curacao erkunden. Diesen touristischen Höhepunkt unseres arbeitsreichen Aufenthaltes auf Curacao haben wir uns bis zu Carolins Ankunft aufbewahrt.

Eine Inselrundfahrt mit dem Leihwagen ist eher enttäuschend. Die Landschaft als Landschaft zu bezeichnen ist schon eine Übertreibung. Ohne Regen wächst halt nix außer ein paar Kakteen am Straßenrand, die aber selbst einen bemitleidenswerten Eindruck machen, weil sie schon so lange nicht mehr gegossen wurden. Die Landschaft ist ansonsten staubtrocken – mit der Betonung auf Staub. Die schönen Ecken, wie das Ufer des begehrten Ankerplatzes „Spanish Water“ sind mit Luxusimmobilien verbaut. Landseitig findet sich kaum ein Zugang.

Es ist aber nicht so, dass Curacao für Touristen wie uns nichts zu bieten hätte, aber man muss diese Plätze gezielt ansteuern. Die Inselhauptstadt Willemstad selbst ist ein wahrer Hingucker (siehe unser Ahoi „Bon Bini: Willkommen in Curacao“ vom 27. Mai 2016). Und einmal mehr führt uns der Weg zum Verproviantieren zum Floating Market der venezolanischen Obst- und Gemüsehändler, zum kreolischen Mittagessen in die Markthalle Plaza Bieu und anschließend zum Drink in das Cafe Iguana an der pittoresken Handelskade mit Blick auf die Princess-Emma-Pontoon-Bridge und die „dicken Pötte“, die in den Naturhafen einlaufen..

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Kreolische Mittagstafel im Plaza Bieu: Red Snapper

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Floating Market der venezolanischen Obst- und Gemüsehändler in Willemstad

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Carolin und Kathrin vor der Handelskade von Willemstad

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Dicke Pötte in der Einfahrt nach Willemstad. Der Schlepper fährt übrigens rückwärts.

Laut unserem „CRUISING GUIDE TO THE ABC ISLANDS“ von Frank Virgintino (kostenloser download unter www.FreeCruisingGuides.com ) verfügt Curacao an seiner Westküste über sieben der weltweit schönsten Strände. Diese Strände sind jedoch in luxuriöse Hotelanlagen und Resorts eingebettet. Gäste werden nur gegen eine Eintrittsgebühr zwischen 10 und 50 US $ an den Strand gelassen. Wir werden uns auf dem Weg nach Bonaire einen kostenlosen Blick auf diese Strandjuwelen erheischen.

Curacao war in der Kolonialzeit einer der Hauptumschlagplätze für den Sklavenhandel in der Karibik. 12 Millionen Afrikaner wurden in die Neue Welt deportiert, von denen etwa 10 Millionen die Überfahrt unter menschenunwürdigen Bedingungen überlebt haben. Der größte Teil von ihnen, fünf Millionen Menschen, gingen nach Brasilien. Eine Million Sklaven wurden in die Vereinigten Staaten verkauft, weitere vier Millionen Frauen, Männer und Kinder wurden zur Zwangsarbeit auf die Plantagen in der Karibik verteilt.

Eine dieser ehemaligen Plantagen ist das Landhuis Bloemhof, eine ehemalige Wasserplantage (schon damals war Wasser eine Kostbarkeit auf Curacao), die die Handelsschiffe und die Bewohner in Willemstad mit Trinkwasser versorgte. Heute dreht sich auf Bloemhof alles um die Kunst. Im restaurierten Hauptgebäude von 1735 finden Wechselausstellungen statt. Doch besonders hat uns das herumstromern im Gelände gefallen. Die Bezeichnung Skulpturengarten greift zu kurz. Das Außengelände selbst ist eine mitreißende Installation im Grünen. Wir konnten uns kaum satt sehen.

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Das Landhuis Bloemhof…

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… geht bis auf das Jahr 1735 zurück.

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Terrasse

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Die Küche im Landhuis Bloemhof wird auch heute noch von den ausstellenden Künstlern genutzt.

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Kunst, wohin das Auge blickt: Auf der Terrasse …

... im Wohnzimmer ...

… im Wohnzimmer …

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… und im Garten. Dort entsteht eine „Kathedrale der Dornen“.

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Skulpturen im Garten von Bloemhof

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Atelier des Künstlers May Henriquez

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Arbeit des Künstlers May Henriquez

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Doch noch einmal zurück zur Vergangenheit und zur Geschichte des Sklavenhandels in der Karibik: In Otrabanda (auf der “anderen Seite“ von Willemstad – die Kölner würden sagen „op de schäl sick“) befindet sich mit „Kura Hulanda“  wohl das beste und ergreifendste Museum zur Geschichte der Sklaverei in der Karibik.

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Einige Eindrücke aus der Anlage „Kura Hulanda“

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„Kura Hulanda“

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„Kura Hulanda“

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Hotelanlage „Kura Hulanda“

Das Museum selbst ist eingebettet in eine stilvolle Hotelanlage, bestehend aus einem alten Wohnquartier, das in den 1990er Jahren von Jacob Gelt Dekker erworben und restauriert worden ist, einem holländischen Juden, der seine erste Frau und seine Kinder im Holocaust verloren hat . Weil ich es selbst nicht besser in Worte fassen kann, zitiere ich Frank Virgentino:  „Perhaps from this sentiment and his world wide travels, this self made millionaire created a museum that not only tells the story but tells it in such a way that as you go through it, you feel the pain and the suffering of those who were mistreated as less than being human.”

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