Florentines Fisch-Fernsehen

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Die Mooringtonne von unten mit reichlich Leben

Im Verlauf unserer Reise haben wir immer mal wieder gerne die Taucherbrille aufgesetzt und die Schwimmflossen angeschnallt und sind zu leidenschaftlichen Schnorchlern geworden. Doch was wir hier auf Bonaire erleben, ist nur schwerlich in Worte zu fassen. Wenn wir uns von Florentines Badeplattform ins Wasser plumpsen lassen, landen wir inmitten eines riesigen Aquariums. Manchmal hängen wir uns einfach nur zur Abkühlung an die Badeleiter und glotzen – in Florentines Fisch-Fernsehen.

Wie wir schon mehrfach berichtet haben, hängen wir mit Florentine in Bonaire an einer Mooring-Boje, da das Ankern zum Schutz der Korallen hier strikt untersagt ist. Für alle Nichtsegler: Eine Mooring-Tonne besteht aus einem Schwimmkörper, der mit einer kräftigen Leine unter Wasser an einem schweren Betonklotz befestigt ist. Statt einen Anker zu werfen fädeln wir einfach einen Festmacher durch ein Auge an der Mooring-Boje und das war’s auch schon.

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Hinter und unter Florentines Heck gehts bergab ins tiefe Blau

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Ein Fisch namens Jakob

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Mamifisch

Der Mooring-Klotz befindet sich etwa in fünf Meter Tiefe, von oben betrachtet in hell türkisem Wasser. Wenn wir von Florentines Heck ins Wasser schauen, blicken wir in kräftiges Blau. Das Heck schwebt über einer Riffkante und dort geht es steil in die Tiefe. Ehrlich! Bei den ersten Schnorchelausflügen entlang der Riffkante hatten wir richtig Schiss, dass plötzlich irgendwas Großes und Gefährliches aus der Tiefe des unendlichen Blaus auftaucht und uns vernascht. Und plötzlich guckst Du einem schwimmenden Monster ins Gesicht, bestimmt über einen Meter lang und ein Gesicht zum fürchten. Haie? Nein, es handelt sich um Tarpoone, wie wir später lernen. Die gucken nur so böse, sind aber neugierig und wollen nur spielen.

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Tarpoone werden 1,50 bis 2 m lang

Statt täglicher Spaziergänge unternehmen wir nun seit unserer Ankunft in Bonaire mehrmals täglich Schnorchelausflüge und haben inzwischen viele „Meeresungeheuer“ kennengelernt, die uns vor einiger Zeit noch die Flucht hätten ergreifen lassen: Muränen, Schlangenaale, Barrakudas etc. Nur Haie haben wir noch keine gesehen, und wir vermissen sie auch nicht.

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Adlerrochen

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Hier ist die Korallenwelt noch in Ordnung

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Graue Kaiserfische und ein weiblicher Papageienfisch

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Doktorfische haben so einen netten Kußmund

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…verliebte sich oh Wunder… ne olle Flunder

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Der Lionfisch hat giftige Stacheln und darf gejagt werden, da er sich unkontrolliert ausbreitet. Eigentlich gehört er in den Pazifik

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Papageienfisch männlich, sieht aus wie aus dem Bilderbuch

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Ein Franzosenkaiserfisch, aber bei uns heißt er natürlich Borussiafisch

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Kofferfische segeln durchs Wasser wie kleine Helikopter

Entlang der Westküste von Bonaire und rund um die vorgelagerte Insel Klein Bonaire gibt es 90 ausgewiesene Tauchplätze mit Mooring-Bojen, an denen man sein Schiff oder Dinghi für die Dauer eines Tauch- oder Schnorchelausfluges festbinden kann. Die Tauchplätze haben klangvolle Namen wie „Angel City“ oder „Alice in Wonderland“. Rund 200 Meter von unserem Liegeplatz entfernt gibt es auch einen ausgewiesenen Tauchplatz, „Something Special“ –„Etwas Besonderes“. Außerdem befindet sich bei uns gleich direkt gegenüber am Ufer ein bevorzugter Einstieg für „richtige Taucher“, die ihr Equipment mit den inselüblichen Pickups transportieren.

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und wir mitten drin in so einem Schwarm, ein tolles Gefühl

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zwei von den Dutzenden Tauchern, die täglich um Florentine herum blubbern, tags und nachts

In Spitzenzeiten blubbern bis zu einem Dutzend Taucherinnen und Taucher gleichzeitig unter uns. Wir lieben es, ihnen von oben zuzusehen, folgen ihnen gerne mit unserer Schnorchelausrüstung und lassen uns in ihren aufsteigenden Luftblasen treiben. „Das prickelt so schön in die Bauchnabel!“

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Ein Vieraugenfalterfisch, er zeigt uns seinen …. äh seine Rückansicht

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Korallen auch im Flachwasser

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Grapefruit? Melone? Football? Nein – eine Gehirnkoralle

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…. die gibt es hier reichlich

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ein Suchbild: Wer findet die gelbschwänzigen Fische?

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und noch ein Papageienfisch. Wie überall im Tierreich sind die Männer die schöneren

Auf vielen anderen Segelyachten gehören Tauchausrüstung und Kompressor zum Befüllen der Flaschen zur Ausrüstung. Auch unsere neuen Segelfreunde Gabrielle und Thomas aus der Schweiz und Rose und Dan aus den USA sind leidenschaftliche und erfahrene Taucher. Ihnen verdanken wir ein besonderes Erlebnis. Wir tauchten mit ihnen bei Einbruch der Nacht zu den Ostrakoden.

Ostrakoden sind Mini-Krebstiere, die in der Nähe von sandigem Boden und Weichkorallen leben. Normalerweise bekommt man sie nicht zu Gesicht, sie sind einfach zu klein, im Millimeterbereich. Aber sie bieten ein tolles Schauspiel, wenn sie sich vermehren. Drei bis fünf Tage nach Vollmond, etwa 45 Minuten nach Sonnenuntergang, lassen die Ostrakoden Eier und Spermien los. Diese sind bioluminiszent, also selbstleuchtend, und steigen vom Meeresboden nach oben. Manchmal brauchen sie einen kleinen „Schubs“ mit der Taschenlampe, dann sieht man sie leuchtend wie Perlschnüre nach oben steigen. Dan, Gabrielle und Thomas tauchen in die schwarze Tiefe, wir anderen warten an Bord von Florentine, bis das verabredete Zeichen mit der Taschenlampe kommt, dann springen auch wir ins Wasser und schnorcheln den Tauchern hinterher. Es sieht aus wie eine Satellitenaufnahme auf das Ruhrgebiet bei Nacht oder wie Sterne im All, ein traumhafter Anblick. Nach etwa einer Stunde ist der Spuk vorbei und wir haben uns gar nicht gefürchtet! Fotos von dem Spektakel sind leider nicht machbar, wir haben es versucht, aber man sieht nur schwarz in schwarz.

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3 Antworten zu “Florentines Fisch-Fernsehen

  1. Ach, Ihr Glücks“fische“. Wenn ich hier in unserem Ostseebodden tauche – in Euren aktuellen Breiten nennt man das viel schöner Lagune – also, wenn ich hier unter Wasser gehe, sehe ich nur Schlamm und Brackwasser. Außerdem, jetzt geht das sowieso nicht. Aktuell haben wir 1,7 Grad Celsius. Ansonsten, schön ist es auch bei uns auf Rügen. Nur eben anders. Kommt mal vorbei, wenn ihr rum seid.
    Also, genießt weiterhin Eurer Glück.

  2. Oh wie schön! In Hamburg soll es heute Nacht schneien, da möchte man nur zu gerne tauschen. Viele Grüße in die Wärme und Danke für die schönen Fotos!

  3. Hallo, Ihr Lieben.
    Eure Begeisterung kann ich gut nachvollziehen. Und ich bin jetzt schon ziemlich überzeugt, dass ihr nach eurer Rückkehr ein Seewasseraquarium anschaffen werdet. Es müsste dann aber schon so groß sein, dass ihr darin eure liebgewonnenen Schorchel-Tauchgänge fortsetzen könnt. Wenn das der Fall sein sollte, würde ich spontan mit einsteigen….
    Liebe Grüße
    Malte, Sille und Toni

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