Eine Ohr-Toilette in der Klinik unter Palmen

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Das Krankenhaus von Bonaire – eine Klinik unter Palmen

Welch bittere Ironie! In unserem jüngsten Blogbeitrag schwärmten wir über unsere täglichen Ausflüge in die Unterwasserwelt. Das ist jetzt gut zwei Wochen her. Schon damals hatte die Bordärztin dem Schipper ein striktes Tauch- und  Badeverbot verordnet. Ursache war eine Entzündung im linken Mittelohr. Mit der Einnahme eines passenden Antibiotikums aus der Bordapotheke normalerweise eine Sache von ein paar Tagen. Na gut, vielleicht auch zwei Wochen. Denkste! Stand heute zieht sich die Sache nun schon seit sechs Wochen.

Eingang zur Klinik unter Palmen

Eingang zur Klinik unter Palmen

Das ist blöd, aber kein Grund trübsinnig zu werden. Wir sind doch in der Karibik. Kathrin hat in den letzten Wochen ein paar saunette und tiefentspannte Kollegen kennengelernt, und Peter hat jetzt ein paar neue Freundinnen unter den schwarzen Schwestern und Arzthelferinnen, alle aus der Riege „Bonaires next XXL-Modell“. Wir sind jetzt nämlich Stammgäste in einer fernsehreifen Klinik unter Palmen und beim praktischen Arzt  im örtlichen „Huisartsenpost“ (wir lieben die holländische Rechtschreibung!).

Wer sich als Tourist in Bonaire einer ambulanten medizinischen Behandlung unterzieht, braucht kein anderes Animationsprogramm. Ein Tag mit  Arztbesuch und anschließendem Ausflug in die Klinik unter Palmen, um die dort ansässige Apotheke aufzusuchen, ist restlos ausgefüllt. Zunächst geht es frühmorgens mit dem Dinghi in die Marina. Dort haben wir unsere Bordfahrräder geparkt und radeln weiter in die „Stadt“. Sowohl im „Huisartsenpost“ als auch in der Apotheke in der Klinik unter Palmen machen die Wartezimmer ihren Namen alle Ehre. Aus gutem Grund hängen überall Fernseher an den Wänden.

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Der „Huisartsenpost Bonaire“: Karibische Kunst und holländische Rechtschreibung – wir lieben beides.

Getoppt werden die üblichen Wartezeiten nur noch vom Insellabor. Dort soll ein Abstrich aus dem Ohr auf einer Kultur ausgebrütet werden, um festzustellen welches Bakterium die langanhalten Ohrprobleme verursacht, oder ist eventuell doch ein Pilz der Übeltäter? Wir wissen es (noch) nicht. Zum verabredeten Termin schien man ziemlich überrascht, dass wir bereits Ergebnisse sehen wollten. Wir sollten doch lieber noch einmal morgen vorbei schauen, oder halt: besser doch erst am Montag oder … Wir haben nun darum gebeten, uns die Untersuchungsergebnisse per Mail zukommen zu lassen.

Inzwischen befindet sich Peter auf dem Weg der Besserung: Zwei Ohrspülungen (Englisch: ear toilett) und die Behandlung mit „Tauchertropfen“ unter Cortison-Beigabe zeigen gute Wirkung. Normale „Tauchertropfen“ bestehen zu 95 Prozent aus Alkohol und aus 5 Prozent Essigsäure. Der Essig vergrault die Bakterien, die kein saures Klima mögen, und der Alkohol sorgt für eine gute Trocknung im Ohr. Der Schipper hat also immer noch Pflegestufe. Soweit der medizinische Teil für heute.

Kathrin ist hingegen toppfit: Neben ihren täglichen Schnorcheltripps nimmt sie mit Nadine und Gabrielle aus der Schweiz und mit Rose aus den USA dreimal in der Woche an einem morgendlichen Yoga-Training teil.

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Fahrt zur morgendlichen Yoga-Stunde im Banana-Boot

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Namaste! Nadine, Rose, Kathrin und Gabrielle (v. li.) nach der Yoga-Stunde

Besonders mit unseren neuen Segelfreunden aus der Schweiz hat sich eine herzliche Beziehung entwickelt, wohl wissend, dass sich unsere Wege bald wieder trennen werden. Gabrielle und Thomas sind mit ihrer „Maselle“ inzwischen unterwegs nach Panama. Nadine und Thomas sind gestern mit ihrem Katamaran „Seaborne“ zu den British Virgin Islands aufgebrochen, wo wir sie vielleicht in paar Tagen wieder treffen werden. Dann haben wir gerade vor ein paar Tagen ein ganz sympathisches Seglerpaar aus Heidelberg kennengelernt, Brigitte und Kurt sind mit ihrer selbst gebauten „Elena“ unterwegs. Brigitte und Kurt kennen auch Elvira und Alfons von der „Murada“, die wir wiederum auf Graciosa kennengelernt haben und nun irgendwo auf einer der kleinen Antilleninseln wieder zu sehen hoffen. Wir wiederholen uns gerne: Das Kennenlernen und Zusammentreffen mit Seglerinnen und Seglern aus allen Ecken der Welt ist mindestens genau so berauschend wie das Anlaufen fremder Länder und unbekannter Inseln.

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Kaffeeklatsch auf der Seaborne mit Gabrielle, Nadine, Kathrin, Peter und den beiden Thomas‘

Und was war sonst noch los?

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Unter lauten Sambaklängen und mit Dauerhupen aus der Schiffssirene sind vor einigen Tagen „Sinterklaas“ und der „Zwarte Piet“, das holländische Pendant zu Nikolaus und Knecht Ruprecht, mit einem Schlepper auf Bonaire eingetroffen. Wer erkennt die Beiden auf diesem Suchbild?

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Eines weiteren weihevollen Augenblicks wurden wir zufällig beim Blick aus Florentines Cockpit teilhaftig: Eine Taufzeremonie. Jedoch nicht mit einem Schälchen Wasser über das Haupt. Hier wird der Täufling im Festgewand vom beanzugten Pfarrer an den Ufern des Ozeans gedöpt und völlig untergetaucht. Die Festgemeinde brach daraufhin in Jubelgesänge aus.

Durch die Nachrichten im Internet und in Telefonaten mit Freunden und Familie nehmen wir intensiv an der Flüchtlingsdebatte in Deutschland teil. In jüngster Zeit - genau genommen seit dem Ende der Hurricane-Season und dem Beginn der Kreuzfahrtsaison – tauchen auch hier fast täglich Boatpeople auf hoffnungslos überfüllten und betagten Schiffen auf. Ihre sehnsüchtigen Blicke machen uns betroffen…

Durch die Nachrichten im Internet und in Telefonaten mit Freunden und Familie nehmen wir intensiv an der Flüchtlingsdebatte in Deutschland teil. In jüngster Zeit – genau genommen seit dem Ende der Hurricane-Season und dem Beginn der Kreuzfahrtsaison – tauchen auch hier fast täglich Boatpeople auf hoffnungslos überfüllten und betagten Schiffen auf. Ihre sehnsüchtigen Blicke machen uns betroffen…

Für uns wird es jetzt auch Zeit weiter zu ziehen. Am 5. Dezember läuft unsere Aufenthaltserlaubnis in Bonaire ab (so schnell vergehen drei Monate an einem traumhaften Platz!). Wir nutzen den östlichen Passatwind setzen heute die Segel. Mal schauen, wo wir landen. Egal ob Puerto Rico, die BVIs, Sint Maarten, Martinique oder die Grenadinen: alle Inseln auf dem Antillenbogen sind rund 400 Seemeilen von Bonaire entfernt.

Abschied von Bonaire

Abschied von Bonaire

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