Erst einmal müssen die Seebeine wieder wachsen

Karibisches Flair in Soper's Hole

Karibisches Flair in Soper’s Hole

Sechs Monate Hurrikanpause ohne Segelei sind nicht spurlos an uns vorüber gegangen. Die ersten beiden Segeltage nach unserer Abreise von Bonaire waren keine Freude. Wir mussten uns erst einmal wieder an unser schräges Zuhause gewöhnen. Kein Appetit, kaum Schlaf, jede Bewegung ein kleines Mühsal. Dafür waren wir schnell unterwegs: Nach drei Segeltagen und 400 Seemeilen am Wind standen wir vor der Küste von Puerto Rico.

Jetzt, da wir uns gerade wieder eingeschaukelt hatten, mochten wir uns aber in Puerto Rico noch nicht einklarieren. „Komm, lass uns weiter bis zu den BVIs segeln!“ Weiter gegen den Wind. Dann haben wir es hinter uns. Im Januar wollen wir Peters Bruder Rüdiger und seine Frau Heike in Sint Maarten/Saint Martin treffen. Da ist es ein gutes Gefühl schon mal Strecke gegen den pausenlos pustenden Passat gut gemacht zu haben. Und die Britischen Jungfraueninseln (BVI) sind ein attraktiver Zwischenstop dorthin. Außerdem erwartet uns auf den BVIs ein Rendez-Vous mit unseren Schweizer Freunden Thomas und Nadine mit ihrer Seaborne.

24 Stunden und 100 schräge Seemeilen später machen wir Florentine an einer Mooring in der Bucht von Great Harbour auf der Insel Jost van Dyke fest. Dort gibt es ein kleines Regierungsgebäude, wo wir Schiff und Besatzung ohne lange Wartezeiten beim Zoll und bei der Immigration einklarieren können. Great Harbour (ein Witzname, denn es gibt überhaupt keinen Hafen auf Jost van Dyke) kommt dem Postkartenkitsch einer Karibikinsel schon ziemlich nahe. Die palmengesäumte Uferpromenade ist eine Sandpiste, gesäumt mit kleinen Rum-Bars, von denen einige, wie das Corsairs und vor allem das Foxy, in der Seglerszene aufgrund ihres hohen Partyfaktors einen legendären Ruhm genießen. Daher beginnt täglich um die Mittagszeit schon der große Run der Charteryachten auf die rund 50 Mooringbojen in der Bucht.

jost-van-dyke-2

Die Bucht Great Harbour auf der Insel Jost van Dyke.

jost-van-dyke-3

Mehrmals am Tag ziehen regenreiche Squalls über uns hinweg. nach ein paar Minuten scheint aber schon wieder die Sonne.

Die Zeiten, in denen Foxy die Gemeinde der Blauwassersegler mit der Klampfe am offenen Grillfeuer unterhielt, sind längst passé. Foxy ist heute ein alter Mann, seine ehemalige Rum-Bar ein durchorganisierter Gastro-Betrieb mit angeschlossenem Devotionalienhandel und die Partymucke vor allem laut. Die Legende lebt heute nur noch in den Reiseführern.

Foxy ist damit ein Symbol für die Entwicklung der Seglerszene in der Karibik. Die typischen Blauwassersegler auf Langfahrt sind deutlich in der Unterzahl. Das Chartersegeln dominiert die Szene und auf den Britischen Jungfraueninseln wurde das Geschäft perfekt professionalisiert. Es gibt kaum noch Buchten, wo man kostenlos ankern kann. Wirklich an allen schönen Plätzen befinden sich Felder mit Mooringbojen, die von dem Monopolunternehmen „Moor Seacure“ für 30 Dollar am Tag vermietet werden. In der Hauptstadt Road Town auf der Insel Tortola gibt es eine Riesen-Marina mit hunderten von Liegeplätzen, die ausschließlich von den Charterunternehmen Moorings und Sunsail genutzt wird. Moorings und Sunsail sind bei weitem jedoch nicht die einzigen Charterunternehmen, die sich auf den BVIs niedergelassen haben. Dazu gehört natürlich auch die passende Infrastruktur, angefangen vom Segelmacher bis hin zum Floristen, der die Blumenbouquets für die Veranden der Megayachten liefert.

 

Dies ist nur ein Drittel der Sunsail-/Moorings-Charterflotte in Roadtown.

Dies ist nur ein Drittel der Sunsail-/Moorings-Charterflotte in Roadtown.

Morgenstimmung in Road Town

Morgenstimmung in Road Town

All diesen Playern im Charterbusiness muss man jedoch eines zugestehen: Sie wissen, wo es schön ist. Die BVIs sind einfach ein traumhaftes Segelrevier mit kurzen Entfernungen zwischen den zahlreichen Inseln mit ihren geschützten Buchten. Und wer unbeschwert zwei abwechslungsreiche Segelwochen unter der karibischen Sonne im warmen blauen Wasser verbringen will, wird sich auf den Britischen Jungfraueninseln garantiert wohlfühlen.

sopers-hole-07

Ein paar Eindrücke aus Soper’s Hole auf der BVI-Insel Tortola

sopers-hole-10

Soper’s Hole auf der BVI-Insel Tortola

sopers-hole-09

Soper’s Hole auf der BVI-Insel Tortola

sopers-hole-11

Florentine in Soper’s Hole auf der BVI-Insel Tortola

Apropos wohlfühlen: Peters Ohren sind wieder gesund. Das Laborergebnis des Abstrichs ergab als Ursache eine Verunreinigung mit Fäkalienbakterien oder einfach ausgedrückt: Scheiße im Ohr. Womit der Kreis sich mit dem oben Beschriebenen wieder schließt. Es schippern immer mehr Boote durch die Karibik, aber Absaugstationen für Fäkalientanks gibt es nirgendwo. Alle machen direkt in die große blaue Badewanne …Wir achten nun beim Ankern darauf, irgendwo in der ersten Reihe zu liegen, da Peter unter zeitweiliger, psychisch bedingter Wasserscheu litt.

Nach einer Woche Robinson-Crusoe-Feeling vor Anker in der Benures-Bay der unbewohnten Insel Norman Island hat sich das jedoch glücklicherweise wieder gegeben. Weit ab von Charteryachten, Zivilisation und Internet, was auch der Grund ist, warum dieses Ahoi so spät kommt. Inzwischen liegen wir wieder an einer Mooring in der Trellis Bay vor Beef Island, in Spuckweite zum Flughafen. Einmal kurz mit dem Dinghi an Land, fünf Minuten Sandpiste und schon ist man am Flughafen mit Wifi. Hier laufen allerdings auch die Hühner über die Landebahn. Unsere Freunde Jochen und Siggi erinnern sich bestimmt noch daran.

Weihnachten werden wir in einem deutsch-schweizerischen Joint Venture feiern, mit Tomi und Nadine, die ganz auf unserer Wellenlänge liegen. Euch allen, bekannten und unbekannten Lesern, Freunden und Verwandten wünschen wir ein frohes Weihnachtsfest und ein friedliches und gesundes Jahr 2017.

sopers-hole-12

sopers-hole-02

Schöner Wohnen auf der Insel Tortola …

sopers-hole-01

… vorausgesetzt, man leidet nicht unter Höhenangst und ist einigermaßen schwindelfrei.

road-town-01

Hinweisschild auf Tsunami-Fluchtroute, gesehen in Roadtown.

maltesian-falcon-3

Der „Maltese Falcon“, ein Segelschiff der Superlative und ein echter Hingucker – nicht nur wegen seiner Länge von 88 Meter. Das Schiff hat ein Dyna-Rigg, eine Takelage, die Wilhelm Prölss in Hamburg bereits um 1960 entwickelte, um Großfrachtschiffe damit auszurüsten. Es wurde damals aber nicht praktisch umgesetzt. Das Rigg der Maltese Falcon besteht aus drei frei drehbaren Masten aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff mit 58 Meter Höhe mit je fünf durchgebogenen Rahsegeln. Damit entsteht ein elektronisch/elektrisch/hydraulisch steuer- und reffbares Rigg mit variablen Reff-Möglichkeiten, das nur ein Minimum an Personal bei gegebener Segelfläche benötigt. Gebrauchtpreis des Falken im Jahr 2009: 99 Mio. Dollar

Statistik:

Kralendijk Bonaire – Jost van Dyke (British Virgin Islands), 503 sm, Hafengeld 30 $ / Tag (Mooring)

Jost van Dyke – Soper’s Hole, 5 sm,  Hafengeld 30 $ / Tag (Mooring)

Soper’s Hole – Norman Island, 10 sm, Ankern für lau!!!

Norman Island – Road Town, 5 sm, Ankern

Road Town – Beef Island, 9 m, Hafengeld 30 $ / Tag (Mooring)

Strecke: 15573 Seemeilen

 

Advertisements

7 Antworten zu “Erst einmal müssen die Seebeine wieder wachsen

  1. Hallo ihr Lieben, schön von euch zu hören. Nun hat euch also die Karibik wieder. Passt auf eure Ohren auf. Wir wünschen euch wunderschöne Weihnachtstage, Melanie und Klaus-Peter

  2. Liebe Kathrin, lieber Peter, wir wünschen Euch auf diesem Wege – sozusagen von Grpßeltern zu Großeltern – ein schönes Weihnachtsfest, einen guten Jahreswechsel und für das neue Jahr alles Gute! Mirko und Gabi

  3. Frohe Weihnachten und alles Gute für das kommende Neue Jahr.
    Obwohl Nichtsegler erwarte ich Ihre Berichte immer mit großer Spannung.
    LG aus Herdecke Ulrike Hermes

  4. Einen herzlichen Gruß aus Bochum sendet als Peters altbekannte und Eure eindrücklichen Reiseberichte als eine der Mitlesenden bekennende Marina. Euch beiden weiterhin AHOI, immer passenden Wind im Segel und viele schöne Begegnungen see- und landwärts.

  5. Hallo, Ihr Lieben,
    telefonisch hat es mal wieder nicht funktioniert. Deshalb auf diesem Weg und leicht verspätet, aber nicht weniger herzlich die besten Wünsche für ein möglichst aufregendes wie friedvolles neues Jahr. Und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel.
    Liebe Grüße
    Malte, Sille und Toni

  6. Hallo Ihr Lieben, wir haben gerade in Eurem Blog etwas rum gestöbert. Toller Bericht! Aus Deutscher Hand kommt das immer ganz anders daher, super eben…smile…viel Spass in St. Martin und hoffentlich bis bald…. Tschüssli Eure Schweizerchen…aus den BVI’s.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s