Mit Jakob, Jana, Barack und Michelle auf den BVIs

Florentine am Anker vor Marina Cay

Florentine am Anker vor Marina Cay

Nur koa Hektik net! Ihr habt es sicher schon gemerkt, wir sind karibisch tief entspannt. Seit vier Wochen keine neuen Nachrichten von den Florentinern. Aber es geht uns gut. Der Kühlschrank läuft wieder (Alfons, Du hattest recht! Ursache war ein gammeliges Kabel), unser AIS sendet wieder, und die Winschen flutschen nach Reinigung und Fettung wie neu. Ja, und zwischendurch haben wir mit den JaJas (Sohn Jakob und Freundin Jana) eine kleine Kreuzfahrt unternommen – also quasi ein Urlaub für uns nach den vielen Reparatur- und Wartungsarbeiten (hier jetzt bitte eine Runde Mitleid – Danke!)

Winschenwartung

Winschenwartung

Jakob und Jana

Jakob und Jana

Zum Einschaukeln haben wir mit den JaJas einen Kurztrip nach Anguilla unternommen. Gerade einmal 12 Seemeilen sind es von dem einen Ankerplatz im französischen Teil St. Martins zu dem Ankerplatz im britischen Überseegebiet Anguilla. Das Ausklarieren in Frankreich erledigt man selbst am Computer im Hafenbüro oder beim Schiffsausrüster und kostet nur ein paar Euronen. Das Einklarieren im Vereinigten Königreich – im Strand- und Straßendorf Road Town um genau zu sein – erfolgt per Vordruck in vierfacher Ausfertigung mit persönlicher Vorstellung bei Immigration, Zoll und einer weiteren uniformierten Person, deren Funktion sich nicht so ohne weiteres erschließt, aber die offensichtlich wichtig sein muss. Vier vorbereitete Crewlisten beschleunigen die Prozedur gewaltig.

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Bei der Fahrt entlang der Küste lässt sich erahnen, warum Anguilla der Ruf eines exklusiven Urlaubsdomizils vorauseilt.

Bei der Fahrt entlang der Küste lässt sich erahnen, warum Anguilla der Ruf eines exklusiven Urlaubsdomizils vorauseilt.

Kathrins Geburtstags-Sundowner auf Anguilla

Kathrins Geburtstags-Sundowner auf Anguilla

Am Ende zahlt man eine Handvoll Dollars, wenn man auf die entscheidende Frage der Offiziellen die richtige Antwort weiß: „Wollen Sie  noch weitere Ankerplätze in Anguilla anlaufen?“ Wer hier vorschnell mit Ja antwortet wird schnell ein paar Hunderter für die Nationalparkgebühr los, denn alle Ankerplätze in Anguilla (ausgenommen der Ankerplatz in der Bucht von Road Town) befinden sich im Nationalpark. Die Bucht von Road Town gefällt uns: gut haltender Sand als Ankergrund, türkisfarbenes Wasser, ein sichelförmiger Strand mit Pudersand, eine Handvoll Strandbars und ein paar Restaurants. Was braucht man mehr? Der Rest von Anguilla soll sehr ansprechend und exklusiv sein mit einer hohen Dichte an Luxusresorts und Feinschmeckerrestaurants, lesen wir im Revierführer.

Dieser Luxus geht an uns vorüber, denn nach einer kurzen Nacht setzen wir bereits morgens um 4 Uhr die Segel mit Kurs zu den Britischen Jungferninseln. Unser erstes Ziel auf den British Virgin Islands (BVI) ist die „dicke Jungfrau“ („Virgin Gorda“). Der Wind kommt genau von hinten und die Welle von allen Seiten. Kotzkurs nennt man das in Insiderkreisen. Wir vier müssen aber nicht spucken, sondern nur ein paarmal kräftig schlucken. Nach 13 Stunden und 83 Seemeilen hat die elende Schaukelei ein Ende. Der Ankerplatz im North Sound von Virgin Gorda ist erste Sahne: sandiger Ankergrund, kein Schwell da Rundumschutz und ein fantastischer Blick auf Saba Rock, den Bitter End Yacht Club und die Privatinsel Necker Island von Sir Richard Branson, der gerade seinen Freund Barack Obama mit Frau zu Besuch hat, wie wir erfahren. Wer Richard Branson nicht zum Freund hat, muss trotzdem auf seinen Urlaub auf Necker Island nicht verzichten. Für 69 000 Dollar kann man die Insel mieten. Pro Tag versteht sich. Für Barack Obama gibt es als Willkommensgruß ein riesiges Feuerwerk, das wir gratis mit bestaunen dürfen.

Jana und Jakob am Strand des Bitter End Yacht Club. Im Hintergrund erkennt man ganz klein Michelle und Barack Obama am Strand von Necker Island.

Jana und Jakob am Strand des Bitter End Yacht Club. Im Hintergrund erkennt man ganz klein Michelle und Barack Obama am Strand von Necker Island.

Saba Rock ist die kleinste bewohnte Insel der BVIs

Saba Rock ist die kleinste bewohnte Insel der BVIs

Karibik eben ...

Karibik eben …

Exklusiv und seglerfreundlich: Der Bitter End Yacht Club im North Sound von Virgin Gorda.

Exklusiv und seglerfreundlich: Der Bitter End Yacht Club im North Sound von Virgin Gorda.

In Virgin Gorda treffen wir auch ein letztes Mal unsere Lieblings-Schweizer Tomi und Nadine von der Seaborne, die extra nochmal ein Stück nach Osten gesegelt sind, um uns in Empfang zu nehmen. Die Freude ist allerseits riesig und wir können uns kaum trennen.

Abschiedskonzert mit unseren Freunden Nadine und Tomi von der SeaBorne

Abschiedskonzert mit unseren Freunden Nadine und Tomi von der SeaBorne

Ein paar Tage und ein paar Drinks später machen wir uns auf den Weg zu den Bädern, „The Baths“. Gewaltige Granitblöcke vulkanischen Ursprungs bilden zum Meer hin offene Grotten, in denen man herum spazieren und klettern kann – wenn man früh genug aufsteht. Ab zehn Uhr kann es passieren, dass man zwischen den Felsen nur noch herum geschoben wird, denn The Baths ist DIE Touristenattraktion auf Virgin Gorda. Auch an unseren nächsten Stationen sind wir nicht ganz allein. Die Bucht von Sopers Hole mit seiner karibisch-kitschig aber wunderschönen Marina ist ein Pflichtstopp für Yachttouristen, nicht zuletzt wegen des berühmten „Painkillers“, den wir als Sundowner zu einem unverschämten Preis im „Pussers“ einnehmen. Als wir einen Tag später aber den Anker in der ebenfalls touristisch sehr hoch angesehenen White Bay auf der Insel Jost van Dyke werfen, ist unsere Schmerzgrenze der Massenbespaßung erreicht. Der Ankerplatz hinter dem (toten) Korallenriff ist zwar traumhaft schön, aber bereits am frühen Mittag gesteckt voll und in den Strandbars geht bereits die Party ab. Wir fahren um die Felsnase nach Great Harbour. Die Hausbucht von Foxies Bar ist auch kein Geheimtipp mehr, aber vom Lärmpegel her deutlich erträglicher – womit nicht gesagt sei, dass abends Ruhe am Anker herrscht.

The Baths auf Virgin Gorda

The Baths auf Virgin Gorda

Eigenheim in The Baths

Eigenheim in The Baths

Eine bizarre Landschaft: The Baths auf Virgin Gorda

Eine bizarre Landschaft: The Baths auf Virgin Gorda

Spaziergang durch The Baths

Spaziergang durch The Baths

Die Granitlandschaft von The Baths haben wir schwimmend erreicht. Mit dem Dinghi darf man nicht ans Ufer fahren. Der Landweg war uns zu langweilig.

Die Granitlandschaft von The Baths haben wir schwimmend erreicht. Mit dem Dinghi darf man nicht ans Ufer fahren. Der Landweg war uns zu langweilig.

Einer unserer Lieblingsplätze auf den BVIs ist das Bubble Bath zwischen Jost van Dyke und Little Jost van Dyke, nur knapp 3 Seemeilen von Great Harbour entfernt. Vom  Ankerplatz ist es nur ein kurzer  Spaziergang am Strand des Riffs entlang, durch ein kleines Mangrovenwäldchen und über einen kleinen Hügel bis zu einem kleinen Sandstrand. Dort befindet sich ein natürlicher Whirlpool, der durch die Atlantikdünung befüllt wird, wenn die Wellen über die vorgelagerten Felsen schlagen. Ein Schaumbad ohne chemische Zusatzstoffe. Wir lieben es!

The Bubbles - Strand mit Whirpool

The Bubbles – Strand mit Whirpool

Blick von oben in die Bubbles

Blick von oben in die Bubbles

Jakob beim Schaumbad in den Bubbles

Jakob beim Schaumbad in den Bubbles

Eine Welle schwappt in den Whirpool.

Eine Welle schwappt in den Whirpool.

Nach dem Prickelbad machen wir uns wieder auf die Reise. Cane Garden, der Zuckerrohrgarten, klingt nach der Beschreibung im Revierführer ganz nett. Wir drehen aber nur eine Runde durch die Bucht. Das Ambiente kommt uns von einigen Urlauberzielen am Mittelmeer bekannt vor. Karibikflair ist anders. Weiter geht es bis nach Marina Cay, eine kleine aber seglerfreundliche Privatinsel mit einem großen Muringfeld davor. Jetzt sind wir Florentiner ja schon alte Karibik-Hasen und kennen uns aus. Wir wissen auch, wo wir außerhalb des Muringfeldes unseren Anker werfen können. Die eingesparte Gebühr von 30 Dollar für die Muringtonne investieren wir ersatzweise in Painkiller, den wir zum Sonnnenuntergang  in der Bar auf dem Gipfel einnehmen, in gut 20 Meter Höhe über dem Meeresspiegel.

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Tankstelle mit Telefonzelle auf Marina Cay

Tankstelle mit Telefonzelle auf Marina Cay

Viel Wind und wenig Welle: Ideale  Bedingungen für Kitesurfer auf dem Riff von Marina Cay

Viel Wind und wenig Welle: Ideale Bedingungen für Kitesurfer auf dem Riff von Marina Cay

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Von Marina Cay ist es nur ein Katzensprung in die Trellies Bay vor Beef Island. Dort befindet sich der internationale Flughafen der BVIs und die Endstation für unsere mitreisenden JaJas. Vom Dinghi-Anleger bis zum Check-In sind es keine fünf Minuten zu Fuß, vorbei an einigen Strandbars und freilaufenden Hühnern. Das Muringfeld in der Trellies Bay ist am Tag der Abreise der JaJas komplett ausgebucht, denn abends steigt in der Bucht die legendäre Full-Moon-Party mit brennenden Feuerskulpturen des Künstlers Aragorn, Lagerfeuern, Feuertänzern, Barbecue und Live-Musik von DJ Hört-Nix und anderen Künstlern an ihren Notebooks mit Boxenturm. Jakob und Jana, die Glücklichen, kriegen von der Party nichts mit, weil sie bereits früh morgens in ihren Inselhüpfer steigen. Uns haut die lautstarke Kakophonie aus Reggae, Hip-Hop und House aus den diversen Bars fast von der Cockpit-Bank. Trotz Einnahme einiger rumhaltiger Getränke ist an Schlaf nicht zu denken. Nie wieder Full-Moon-Party!

Yogastunde

Yogastunde

Jana beim Frühsport auf dem Vordeck von Florentine

Jana beim Frühsport auf dem Vordeck von Florentine

Kathrin beim Schnorcheln

Kathrin beim Schnorcheln

Als Zeichen göttlicher Gerechtigkeit erleben wir ein paar Tage später auf unserer Rückreise nach St. Martin (traditionell gegen Wind und Welle) eine jener seltenen Nächte mit Mondschein, moderatem Wind und wenig Welle. Perfekte Bedingungen also, die wir fast nur aus Büchern kennen.

Statistik:

Marigot (Saint Martin) – Anguilla (GB), 12 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Anguilla – Virgin Gorda North Sound (BVI), 83 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Virgin Gorda North Sound – Virgin Gorda Savannah Bay, 8 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Savannah Bay – The Bath – Sopers Hole (Tortola / BVI), 15 sm, Hafengeld 30 € (Muring)

Sopers Hole – White Bay – Great Harbour (Jost van Dyke / BVI), 7 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Jost van Dyke – Little Jost van Dyke (BVI), 3 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Little Jost van Dyke – Cane Garden – Marina Cay (BVI), 12 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Marina Cay  – Virgin Gorda North Sound, 12 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Virgin Gorda (BVI) – Marigot (Saint Martin), 72 sm, Hafengeld 0 € (Anker)

Strecke: 15916 Seemeilen

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