Abreisefieber

Jeden Tag ein Blick aufs Wetter, wann fahren wir los?

 

Wir sind nicht alleine hier in Saint Martin. Es sammeln sich dutzende große und kleine Yachten, die auf den Absprung zu den Azoren warten. Florentine in der Marina ist ein Treffpunkt für einige deutsche Segler mit Booten etwa gleicher Größe, irgendwie liegen wir so günstig, dass jeder mal bei uns vorbeikommt. Die Wettervorhersagen werden diskutiert, eine Kurzwellenfunkrunde hat sich zusammengefunden unter der Federführung von Ralph von der „Mal wieder“. Jeden Abend wird geprobt, auf welchen Frequenzen wir uns am besten hören können. Geplant ist, während der gesamten Fahrt täglich Kontakt zu halten, auch wenn manche schneller und andere langsamer sein werden. So kann man sich die Wetterbedingungen durchgeben und hören, ob alle wohlauf sind oder ob jemand Rat und Hilfe braucht. Ralph ist auch Amateurfunker und kann Wetterinformatiionen von der maritimen Amateurfunkrunde Intermar erhalten. Wir hoffen davon zu profitieren.

Ein lustiges Wiedersehen gab es gestern mit der Crew der „Hapa na sasa“, Konstantin und Urte mit ihren Töchtern Paula und Louisa. Die „Hapa na sasa“ ist mit uns vor knapp drei Jahren von Lanzarote aus über den Atlantik gestartet. Die vier haben das gemacht, was wir uns nicht getraut haben, sie haben die Welt umsegelt und sind nun wieder in der Karibik angekommen. Hier wollen sie ihr Schiff nun verkaufen und nach Deutschland zurückkehren. Es gab natürlich ungeheuer viel zu erzählen und auszutauschen und es war eine große Freude, die vier gesund wiederzusehen.

Peter arbeitet seit Tagen verzweifelt an einer Lösung, unser Satellitentelefon mit dem Laptop verbinden zu können, um E-Mails zu senden und zu empfangen. Leider bisher erfolglos, auch mit Profi-Hilfe eines ortsansässigen Ship-Chandlers ist es bisher nicht gelungen, das richtige Programm zum Laufen zu bringen. Aber unser Iridiumhandy funktioniert und so werden wir jeden Tag eine SMS mit unserer Position nach Deutschland zu unserem Wetterfrosch Moritz senden und uns anschließend telefonisch die Wettervorhersage abholen. Die direkte Strecke bis zur Azoreninsel Flores beträgt 2100 sm, aber wir werden sicher noch den einen oder anderen Umweg fahren müssen.

Einerseits gilt es stürmischen Tiefdruckgebieten auszuweichen, andererseits wollen wir auch nicht in der Flaute der „Rossbreiten“ hängen bleiben. Die heißen so, weil die Segler früherer Jahrhunderte dort aus Not die Pferde schlachten und essen mussten. Die Pferde bei uns an Bord sind nicht essbar, brauchen aber Diesel und davon gibt es nur einen begrenzten Vorrat. Wir können nicht einfach mal die halbe Strecke durch motoren. Also versuchen wir, am Rand des berühmten Azorenhochs zu bleiben und die dort vorherrschenden Südwestwinde zu nutzen. In der Theorie ist das alles so schön….. Wir haben ein tolles neues Spielzeug entdeckt: fastseas.com, ein Wetter-Routing-Programm, das mit den eingegebenen Parametern des eigenen Schiffs arbeitet und einem sowohl den richtigen Abreisezeitpunkt als auch die Reisedauer, die Route und sogar die voraussichtlichen Motortage vorhersagt. Wir werden sehen, ob es hält, was es verspricht.

Unsere Vorbereitungen liegen in den letzten Zügen, nochmal alle Tanks füllen werden wir erst in letzter Minute. Bolognese und Gulasch sind ein- und vorgekocht, das Gulasch wird allerdings nicht so besonders weit reichen, da Peter von dem Duft so angetan war, dass ein gewisser Schwund zu verzeichnen ist.

Morgen geht es ein letztes Mal in den Supermarkt für Frisches, ein letztes Mal Wäsche waschen, die Luft aus dem Dinghi lassen und es zusammenlegen und verstauen. Zeitpunkt heute (3.5.) sieht es so aus, dass wir am Samstag, 6.5. starten, wenn sich an der Vorhersage nicht mehr viel ändert.

Wir planen, unsere Positionsmeldungen über den Wetterfrosch Moritz und den Webmaster Jakob auf den Blog stellen zu lassen, so dass ihr unser Vorankommen und unser Wohlbefinden mit verfolgen könnt.

Ich persönlich bin der Ansicht, dass dieser Beitrag ohne Bilder auskommt, aber der Käptn hat sich durchgesetzt. Hier also (unter Protest) noch einige letzte karibische Impressionen:

In der Lagune von St.Martin ist es flach….

Florentine vor Anker

Hier gehen unsere Steuern auch hin

St. Barth, eindeutig Frankreich

Nochmal Lagune von St.Martin

Viele Katamarane haben eine geschmacklose Unterwasserbeleuchtung, die nachts viele Fische anlockt

Der Käptn im Motorraum

Die Bucht Grans Case mit einer wahren Fressmeile, viele Restaurants und Bars

Die Fressmeile von der Landseite

Das ist Peters neuester Friseursalon. Der Haarschnit war im Gegensatz zum Ambiente ganz passabel

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8 Antworten zu “Abreisefieber

  1. Ich wünsche euch eine gute Heimreise und hoffe darauf, dass ihr uns Landratten und Süßwassermatrosen hier in der Heimat anschließend live von euren Abenteuern erzählt. Bei Kontakten und Orten (so genannten Locations) kann ich gerne behilflich sein. Alles Gute beim Rübermachen – Kalle

  2. Liebe Kathrin, lieber Peter, wünsche Euch einen gelungenen Törn auf die Azoren. Guten Halbenwind, kleine Welle, genügend Gulasch und
    Haribos. Alles Gute bis die Tage,,,,,lg
    Gerd

  3. Die AQUARIA-Crew wünscht Euch eine gute Zeit auf dem Nordatlantik, keine Flauten, immer nur Halbwindsegeln, viele Walsichtungen bei den Azoren und in drei Wochen euer nächstes AHOI ?!

  4. Für gute Rückkehr hier das ‚Gebet des Schiffers‘ von einem unbekannten Verfasser:
    Der Herr hat das Meer so weit gemacht und tut uns seine Wunder kund, dass nicht ein jeder Lumpenhund, mit denen die Erde so reichlich gesegnet, dem ehrlichen Seemann draußen begegnet.
    Viele gute Wünsche BuV aus dem Althoffblock

  5. Wir wünschen euch von Herzen eine ruhige und glückliche Atlantik-Querung! Viele Grüße von Gabi und Mirko 🌞⛵️🎏

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