Flores verwöhnt uns Florentiner

Flores

Gleich am ersten Morgen nach unserer Ankunft stand er am Boot – Christian, der örtliche Stützpunktleiter unseres Trans-Ocean Vereins. Mit einem Blümchen in der Hand und der Frage, ob er uns in irgendeiner Art behilflich sein könne. Abends war er wieder da, dieses Mal mit einer Hand voll frischer Minze aus seinem Garten. Und so sehen wir Christian täglich mindestens zwei Mal, mit Rosmarin, Zitronengras, gesäßwarmen Eiern und frischem Brot, er kommt nie mit leeren Händen und kümmert sich rührend um uns.

Der Crew von „malwieder“ verdanken wir dieses Foto von Florentine bei unserer Ankunft eine knappe Seemeile vor Flores.

Seit fast zwei Wochen unser Zuhause: Wir fühlen uns wohl im Hafen von Lajes auf Flores.

Als er mich bei der Handwäsche überrascht, fragt er, warum ich mir die Arbeit mache, „gib mir eure Wäsche doch mit, ich wasche sie für euch“. Am nächsten Morgen steht er mit zwei großen Ikeataschen voll frisch gewaschener, duftender Wäsche am Boot, natürlich gegen ein Entgelt, aber es gibt keine Münzwaschmaschinen hier, wir sind nur noch dankbar. Christian verleiht auch sein Auto, denn in Lajes, unserem kleinen Örtchen hier, kann man auch keinen Mietwagen bekommen.
Wir teilen uns das Auto mit Ralf und Inge von der „mal wieder“ und sind zwei Tage auf den gut ausgebauten Straßen von Flores unterwegs. Bis zum Leuchtturm am Nordende mit Blick auf die Nachbarinsel Corvo, nach Santa Cruz, der Hauptstadt von Flores, wo wir einen gut sortierten Supermarkt vorfinden. Gut sortiert ist er vor allem, weil morgens das wöchentliche Versorgungsschiff angelegt hat und Frischware gebracht hat. Das Obst und Gemüse ist so begehrt, dass die Einheimischen die noch auf der Palette liegenden Säcke aufreißen und sich direkt bedienen, bevor irgendetwas in die Regale geräumt werden kann.

Flores

Den zahlreichen Blumen verdankt die Insel Flores ihren Namen.

Flores leidet nicht unter Wasser- und Regenmangel, entsprechend gut gedeihen die Mooskulturen am Wegesrand.

Blick über das Hochland von Flores

Kratersee Caldeira Funda auf der Hochebene von Flores

Flores ist eine ruhige Insel, viel Grün, Viehzucht, Berge, gewundene Straßen, felsige Schluchten und alle paar Kilometer ein „miradour“ – ein Aussichtspunkt mit Parkbucht, Bank und herrlichem Blick übers Meer. Ralf steuert praktisch jeden Miradour an.

Die Kirche Nossa Senhora da Conceição in der Inselhauptstadt Santa Cruz da Flores

Die Kirche Nossa Senhora da Conceição in der Inselhauptstadt Santa Cruz da Flores

Mit Inge-Lore und Ralf von der Segelyacht „malwieder“ haben wir gemeinsam die Insel Flores erkundet.

Kleine Kapelle in den Hügeln über der Ortschaft Ponta Delgada auf Flores

Bachidylle in der Nähe von Faja Grande

Wasserfälle im Regenwald von Flores

Am nächsten Tag erkunden wir die Westküste und gelangen an die westlichste Gemeinde Europas, Fajal Grande. Hier gibt es besonders viele Wasserfälle, mit Ruinen von alten Wassermühlen und einem Becken, in das ein großer Wasserfall hineinstürzt. Ralf und Inge sind mutig und steigen hinein. Es ist so kalt, dass Inge buchstäblich die Luft wegbleibt. Wir verzichten dankend. Auf dem Rückweg durch die Mitte der Insel kommen wir an Kraterseen vorbei, die uns deutlich machen, dass die Azoren vulkanischen Ursprungs sind.

Die Westküste von Flores

Blick von oben auf die Ortschaft Mosteiro an der Westküste von Flores

Wasserfall mit Pool in Faja Frande

Alte Wassermühle

Die Straßen sind gesäumt von Hortensienhecken und Lorbeerbäumen, überall kleine Feldsteinmauern, die uns an England oder Schottland erinnern. Kein Dorf ohne Kirche oder zumindest kleine Kapelle.

Pfingstprozession zur Ehrung der heiligen Geistes

Am Pfingstsonntag besuchen wir (auf Christians Empfehlung natürlich) die Kirche von Lajes und die an den Gottesdienst anschließende Prozession. Auftakt für eine Reihe von Prozessionen, die nun in wöchentlichem Rhythmus über die Insel verteilt stattfinden sollen. Und am Ende der Prozession, die zum naheliegenden Gemeindehaus führt, steht die Speisung der Zehntausend. Das ganze Dorf und jeder Gast sind zum Mittagessen eingeladen. Alle passen nicht auf einmal in den kirchenähnlichen Raum und so wird in Schichten gespeist. Wir warten mit vielen anderen geduldig, bis wir an der Reihe sind und uns mit den Dorfbewohnern auf die Bänke an den langen Tafeln quetschen dürfen. Speisen und Getränke gehen nicht aus, es gibt Brotsuppe, Rindfleisch, ein süßes Brot, welches erstaunlicherweise hervorragend dazu passt, Rotwein, Wasser, Limonade und zum Dessert Milchreis. Alles schmeckt hervorragend und ist umsonst. Die Dorfbewohner sind freundlich und wir lassen es uns schmecken. Gastfreundschaft auf Azorenart.

Junge, weiß gekleidete Mädchen, tragen nach dem Gottesdienst Kronen als Insignien des heiligen Geistes ins Imperio (dem Haus des heiligen Geistes) …

Im „Imperio“ (dem Haus des heiligen Geistes) …

… findet nach der Prozession ein großes Essen statt, zu dem nicht nur alle Dorfbewohner, sondern auch alle Fremden eingeladen, die zufällig in der Nähe sind. Wir haben diese superfreundliche Einladung gerne angenommen.

Gastfreundlich sind auch Christian und seine Lebensgefährtin Hanni, sie laden uns zum Mittagessen in ihr selbstgebautes Haus ein. Mit viel Liebe und noch mehr Kunstfertigkeit haben sie es zu einem Schmuckstück gemacht, in dem man an allen Ecken kleine und große Überraschungen entdeckt. Auch zwei Ferienappartements gehören dazu und ein riesiger Garten, in dem von der Kartoffel über Kräuter bis zur Ananas alles wächst, was man sich vorstellen kann. Hanni verwöhnt uns mit Schweinshaxe und selbstgemachtem Sauerkraut, himmlisch!

Unser TO-Stützpunktleiter Christian Pfeifer mit seiner Lebensgefährtin Hanni Mayer vor ihrem Haus auf Flores.

Von seinem Haus aus hat TO-Stützpunktleiter Christian Pfeifer einen super Blick auf die einlaufenden Yachten in den Hafen von Port Lajes haben.

Ist das Kunst oder kann das weg? Unser TO-Stützpunktleiter Christian Pfeifer hat sich eindeutig für Kunst entschieden. Er ist ein wahrer Recyclingkünstler.

Ananas-Pflanze in Christians Garten

So sind wir (fast) gar nicht böse, dass uns ein Sturmtief, welches Flores heute Nacht gestreift hat, zum Bleiben zwingt. Wir haben es nicht eilig, von hier weg zu kommen, dazu gefallen uns die verschlafene Insel und ihre liebenswerten Bewohner viel zu gut.
Statistik: 19055 sm seit Heeg,
Hafengeld Flores 12 €, Duschen Note 5 und kalt!

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2 Antworten zu “Flores verwöhnt uns Florentiner

  1. … so habt Ihr also den größeren Teil der Überfahrt geschafft UND dabei noch ein kleines „S“ in den Atlantik gesegelt – also Wetternavigation vom Feinsten!!! Und nun Eure Eindrücke und Bilder von Flores – ooooh, das Fernweh schüttelt uns kräftig…

    Liebe Grüße von de AQUARIA-Crew
    Dorothea und Uwe

  2. Hallo ihr zwei Abenteurer,
    eure Reise mitverfolgen zu dürfen, ist mir eine große Freude. So wunderbar beschrieben und bebildert, ich danke euch.

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