Gastahoi: Verdauung, Vulkane, Vegetation und Viehzeug

Blick auf den höchsten Berg Portugals, den Pico auf der gleichnamigen Azoreninsel

„Wir nehmen immer unsere eigene Toilette mit!“ – Dieser Spruch begleitete unsere Reise zur Florentine und er löste mancherlei Kommunikation aus. Das O.K. am Düsseldorfer Flughafen nach der Durchleuchtung des Sperrgepäcks wurde zum „Rohr frei“. Das Umladen in den Inselhüpfer von Sao Miguel nach Faial war kein Problem nachdem wir versicherten, dass das Klo unbenutzt sei.

Selbst Peter und Kathrin waren beim Abholen vom Flughafen so fokussiert auf das georderte Begleitgut, dass sie die ganz spezielle Überraschung erst verspätet wahrnahmen. LI Andreas reiste spontan mit an (LI, soviel für alle die schon lange nicht mehr „Das Boot“ gesehen haben, steht für Leitender Ingenieur) und war bald intensiv mit eingebunden in schwierige sanitäre Installationsarbeiten. Schwierig waren die vor allem, weil holländische Schiffsschrauber gern machen was sie wollen. In diesem Fall hatten sie jeden Zugang zum Sockel unter der Toilette verbaut. Peters Kampfgeist und Andreas Einfallsreichtum siegten am Ende über alle Widrigkeiten. Die gute Nachricht: Auf der Florentine kann wieder gesch…. sorry verdaut werden!

Die  Azoren belohnten uns in den Folgetagen zum Ausgleich mit dem Hoch, das diese Inselgruppe in Wetterberichten so beliebt macht. Sonne, blauer Himmel und null Wind. Beste Gelegenheit also zu ausgedehnten Mietwagenfahrten. Da wir Kathrins Slogan „Don`t be gentle, it`s a rental“ ernst genommen haben, schafften wir es tatsächlich auf einer Off-Road-Piste bis zum Kraterrand auf Faial und wurden nicht nur hier belohnt von grandioser Vegetation, tollen Ausblicken und verrückten vulkanischen Felsformationen. Auf der Insel  Faial ist die Entstehung letzterer sogar in einem Museum dokumentiert – direkt neben einem Leuchtturm, der all das in unglaublicher Weise überlebt hat. Meine Lieblingsgeschichte dazu: Die Engländer haben sich eine nach einem Ausbruch neu entstandene Insel schnell als nationalen Besitz gesichert. Doch gerade dieser Felsen ging anschließend wieder unter und liegt heute 250 Meter unter dem Meer.

Es gleicht einem Wunder. Nur der Leuchtturm im Westen der Insel Faial wurde beim Vulkanausbruch 1957 verschont. Er beherbergt heute ein Vulkanmuseum.

Auch 60 Jahre nach dem Vulkanausbruch gibt es noch keine Anzeichen von Vegetation.

Beim Vulkanausbruch im Jahr 1957 ist die Insel Faial im Westen um 2,4 Quadratkilometer gewachsen.

Unter dem Leuchtturm gibt es ein futuristisches Museum zum Vulkanausbruch auf Faial im Jahr 1957.

Blick in eine Caldeira (Vulkankrater) auf Faial

Eine weitere wahre Geschichte: In Horta auf Faial heißt eine ganze Straße ebenso wie alle dort ansässigen Geschäfte und das bei Seglern berühmte Sport-Cafe samt der dort ausgeschänkten Gin-Marke nach Peter. Wie der das so schnell geschafft hat? Man weiß es nicht.

Rund um das legendäre Peter Cafe Sport in Horta hat sich ein kleines Peter-Imperium entwickelt …

… mit einer eigenen Straße …

…  Peters Whale Watching.

… mit Peters Boutique …

… mit Peters Eisdiele …

… und mit Peters eigenem Gin.

Unser Freund Andreas im Cafe Sport. Hier treffen sich Segler aus der ganzen Welt.

Horta beeindruckt ansonsten durch die wirklich eindrucksvolle Masse an Seglerbildern auf jedem Stück Kaimauer. Die Nachbarinsel Sao Jorge hat uns begeistert mit gigantischen wilden Hortensienhecken und einer tierischen Spezialität, dem Auavogel. Eigentlich heißt der Gelbschnabeliger Irgendwas, jammert aber in großer Zahl nächtlich im sonst schönen Yachthafen von Velas.

Waterfront von Velas auf Sao Jorge

Der Hafen von Velas auf der Insel Sao Jorge

Felsen im Hafen von Velas, Sao Jorge

Die Insel Sao Jorge ist ein Naturparadies

Blick auf Ponta Norte do Grande, eine von mehr als 60 Fajas, kultivierbare Küstenniederungen an der Nordküste Sao Jorges

Hortensien-Hecken auf Sao Jorge

In Ermangelung von Sandstränden gibt es rustikale Brandungsbäder an der Lavaküste Sao Jorges – vorausgesetzt es herrscht keine Flaute. Dann gleichen die Brandungsbäder eher Planschbecken.

Bergdorf an der Nordküste von Sao Jorge

Die Insel Terceira lockt mit dem Hafenort  Angra do Heroismo, der zu Recht Weltkulturerbe ist und in dem schon die Segler der Entdeckerfahrten des 14. und 15. Jahrhunderts Station machten. Die Insel Sao Miguel hat jenseits einer betonierten Hafenskyline schöne Gassen und hübsche kleine Restaurants zu bieten.

Kathrin und Andreas genießen die sonnige Überfahrt von Sao Jorge nach Terceira

Blick auf Hafen und Hotelbau-Sünde in Angra do Heroismo auf Terceira

Die Stadt Angra do Heroismo gilt als Weltkulturerbe.

Mitten in der Altstadt von Angra do Heroismo befindet sich ein wunderschöner Botanischer Garten

Kathrin, Klaus-Peter und Andreas beim Stadtbummel in Angra do Heroismo

Erfrischungspause in der Altstadt von Angra do Heroismo

Die  Azoren lohnen jederzeit einen Besuch, auch ohne Toilettenlieferung und selbst ohne ein Wiedersehen mit Peter und Kathrin. Letzteres aber haben wir natürlich ausgiebig gefeiert. Auf Terceira wurde das garniert mit einem Riesenvolksfest samt Stier-Ärgern, bei dem der Stier von Freiwilligen provoziert aber von Helfern per Strick gleichzeitig vor allzu gefährlichen Attacken gebremst wird und das ganze am Ende auch überlebt.

Bei unserer Ankunft im Hafen von Angra do Heroismo auf der Insel Terceira sind wir nicht allein. Fast alle Bewohner sind auf den Beinen um dem Stier-am-Strick-Spektakel beizuwohnen. Wer mag, kann sich dem Stier stellen und ihn ein bißchen provozieren. Ein halbes Dutzend Männer in weißen Hemden (am rechten Rand dieses Suchbildes) versucht die schlimmsten Ausbrüche des Tieres mit einem Strick zu unterbinden – oft mit wenig Erfolg. Dann hilft nur die Flucht hinter die Barrikaden am Rande des Platzes.

Flucht vor dem Stier ins Hafenbecken, …

… doch dieser erweist sich nicht als wasserscheu.

Gleich in Serie sind für uns außerdem Spielmannszüge angetreten. Und am Ende haben Andreas, Peter und ich (Kathrin hat sich geschont) noch mit betrunkenen Portugiesen regionale Produkte verzehrt und etwas gesungen, von dem wir zum Glück nicht wissen, was der Text bedeutet.

Nächtliche Musikparade durch die Straßen von Angra do Heroismo, der Inselhauptstadt von Terciera

Die Kirchentreppe dient bei der Musikparade als Tribüne

Privatloge zur Musikparade

Rauschend auch unser letzter gemeinsamer Abend zurück in Ponta Delgada auf Sao Miguel. Irgendwie hat Peter den Wirt dazu animiert, spektakulär ein Branntweinglas mit offener Flamme zu erhitzen. Natürlich haben wir diesen „Brandwein“ auch getrunken. Ach ja: Gesegelt sind wir auch. Für den großen Schlag zum Rückflug für Andreas und mich stellte sich pünktlich Wind ein und Florentine trug uns verlässlich wie immer über 100 Seemeilen durch die Nacht. Danke ihr Lieben für tolle Tage!

Text und Fotos: Klaus-Peter Wolter

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